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15.04.2012

15:15 Uhr

Kommentar

Amerikas Obsession mit der Regionalmacht Iran

VonNorman Birnbaum

Obama will die Situation im Atomkonflikt mit dem Iran so lange stabilisieren, bis er die nächste Amtsperiode erreicht hat.

In der Öffentlichkeit sind Obamas Spitzenmilitärs sehr skeptisch, was einen Angriff auf den Iran betrifft. dpa

In der Öffentlichkeit sind Obamas Spitzenmilitärs sehr skeptisch, was einen Angriff auf den Iran betrifft.

Bürokratische Trägheit und ideologische Fixierung prägen die US-Außenpolitik. Eine Phalanx von Diplomaten, Geheimdienstlern und Militärs wacht über ihre Mittel und Wege, Journalisten und Akademiker stellen das intellektuelle Rüstzeug für den Apparat. Der Kongress liegt ihr zu Füßen. Amerikas Präsidenten verfügten nur selten über die intellektuellen und politischen Fähigkeiten, um größere Veränderungen in der Außenpolitik durchzusetzen. Sie sind die unfreiwilligen Erben ihrer Vorgänger.

Weder die Niederlage in Vietnam noch das Ende des Kalten Krieges hat Amerikas Trachten nach globaler Hegemonie beendet. Dennoch werden wir aus Afghanistan vertrieben und haben den Irak verlassen. Pakistan ist halb Verbündeter und halb Feind. Ägypten ist unberechenbar, die Türkei unabhängig geworden. Und Israel ist ein unbotmäßiger Klientelstaat. Aber noch akzeptiert die US-Regierung Israels Sichtweise zu Iran und dessen Nuklearprojekt als gigantische Bedrohung.

Iran ist eine Obsession für Amerika seit dem Umsturz im Jahr 1979. Auch ohne Israels Einfluss lehnen die USA alle regionalen Machtambitionen der iranischen Republik ab. Sie leisteten Saddam Hussein militärische Hilfe beim Krieg gegen Iran, sie finanzieren die Gegner des Regimes und rüsten sie auch auf. Der US-Apparat weiß nur allzu genau, dass der besonnene religiöse Führer Chamenei und nicht der erratische Präsident der eigentliche Herrscher Irans ist. Ahmadinedschad ist Allahs Geschenk an die Amerikaner, er legitimiert die US-Kampagne zur Isolierung Irans.

Natürlich spielt auch Israels Lobby eine wichtige Rolle in dieser Kampagne. Die Stärke dieser Lobby resultiert aus nationalen Allianzen. Ihre stärksten Anhänger sind die fundamentalistischen Protestanten. Sie betrachten den jüdischen Staat als Wächter gegen die Bedrohung durch das Jüngste Gericht, durch das die Juden verschwinden würden. Im außenpolitischen Apparat sind die Unilateralisten die unverzichtbaren Verbündeten der israelischen Lobby. Sie kritisieren Obama für seine Passivität und dafür, Zugeständnisse an eine Atommacht Iran vorzubereiten. Diese Kritik stammt direkt aus der israelischen Regierung.

Kommentare (4)

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15.04.2012, 17:08 Uhr

amerika und der iran

http://www.youtube.com/watch?v=qXXTzu-12Oo&feature=relmfu

http://www.youtube.com/watch?v=DlzG-1t2Omo&feature=relmfu

http://www.youtube.com/watch?v=qby5FLCRLP4&feature=relmfu

noch fragen?

http://www.youtube.com/watch?v=v0icnsJVv5Y&feature=fvwrel

http://www.youtube.com/watch?v=sWOMotLtY5I&feature=relmfu

MeryemAzimi

15.04.2012, 21:39 Uhr

Sehr richtig! Es geht doch nicht um das iranische Atomprogramm: alle Unklarheiten diesbezüglich waren bereits 2008 ausgeräumt, aber die USA sind es, die ständig neues Öl ins Feuer gießen: http://irananders.de/analysen/news-analysen/article/irans-nukleare-ambitionen-und-ihre-unklarheiten.html - welche Rolle Öl sonst noch in der Angelegenheit spielt, darüber kann man spekulieren. Die Israelis scheinen eher nützliche Idioten zu sein - greifen sie Iran an, "muss" die USA ja zu Hilfe kommen und sie sind schuld. Will man wirklich Entspannung mit Iran, dann muss man es wie einen Partner behandeln, wie andere Länder, die ihre Fehler haben, aber deshalb nicht ausgegrenzt werden. Oder warum traut man sich nicht, mit China oder Russland, die sich auch nicht gerade kleinlaut zeigen, so umzuspringen? Weil sie weitaus mehr hochgerüstet und stärker sind als Iran. Das aber trotzdem explizit auf Atomwaffen verzichtet und damit seine Verpflichtungen aus dem NPT einhält - im Gegensatz zu seinen Verhandlungspartner, den Atommächten die entgegen ihren Verpflichtungen ihre Atomwaffen seit 1970 nicht abgerüstet haben, wie es der NPT vorschreibt. Traurig ist, dass wir Europäer keine souveräne Politik betreiben.

Account gelöscht!

16.04.2012, 10:58 Uhr

10 Jahre vergeblicher diplomatischer Bemühungen sollten eigentlich auch der letzten Friedenstaube klargemacht haben das der Iran die Atombombe will.
Der Westen wäre gut beraten dies mit allen Mitteln zu verhindern. Die Zeit der Gespräche ist vorbei. Die einzige Option gegen eine iranische Atombombe ist ein Angriff auf die Atomanlagen.

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