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03.09.2012

10:05 Uhr

Kommentar

Angela Merkel wechselt die Seiten

VonTorsten Riecke

Der Mahner ohne Macht, Jens Weidmann, steht bald ganz alleine da. Denn auch die Bundeskanzlerin schlägt sich immer mehr auf die Seite von Draghi. Doch sein Plan kann ein unkontrollierbares Ende nehmen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.

Der Autor

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.

Als Angela Merkel kürzlich im Fernsehen nach ihrer Unterstützung für Jens Weidmann gefragt wurde, versicherte sie, dass der Bundesbank-Chef "möglichst viel Einfluss innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB)" haben sollte. Nun erfahren wir, dass Weidmann zur selben Zeit über einen Rücktritt nachgedacht hat, weil sein Einfluss auf den Rettungskurs der EZB gegen null tendiert. Ein Missverständnis? Wir wissen es nicht. Die Kanzlerin hat es sich entweder anders überlegt, oder ihre Rückendeckung für Weidmann war nicht ganz so ernst gemeint.

Merkel hat sich im Ringen um den richtigen Ausweg aus der Euro-Krise auf die Seite von EZB-Chef Mario Draghi gestellt. Dafür spricht nicht nur, dass die Kanzlerin neuerdings viel und laut über das harte Los der Menschen in den Schuldenländern sinniert. Sondern auch, dass sie die jüngsten Rettungspläne Draghis ausdrücklich lobt.

Der Italiener bastelt gerade an einem neuen Ankaufprogramm für Staatsanleihen aus den Schuldnerländern, dessen Einzelheiten am Donnerstag verkündet werden. Weidmann hält die verkappte Staatsfinanzierung durch die Notenbank für einen Irrweg, ist damit aber sowohl in der EZB als auch in der Politik weitgehend isoliert. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die Bundesbank, die von der deutschen Politik bei der Gründung des Euros als Vorbild für die EZB durchgesetzt wurde, nun von der neuen Achse Merkel/Draghi kaltgestellt wird.

Weidmann hat sich inzwischen mit seiner Rolle als Mahner ohne Macht abgefunden. Nach den Abgängen von Axel Weber und Jürgen Stark würde vermutlich auch der dritte Rücktritt eines deutschen Notenbankers Merkel und Draghi nicht zur Umkehr bewegen. Außerdem: Sollte der Euro doch noch zerbrechen, so mag sich Weidmann denken, hätte zumindest die Bundesbank im folgenden Chaos ihre Glaubwürdigkeit bewahrt.

Dieses Schreckensszenario hat Merkel vor Augen und treibt sie zum Seitenwechsel. Will sie die Euro-Zone stabilisieren, hat sie kaum noch Alternativen. Für weitere Rettungspakete fehlt ihr die politische Mehrheit. In eine von Brüssel regierte "Politische Union" mögen ihr weder die Deutschen noch die anderen Europäer folgen. Wenn sie den Euro aus Überzeugung und Kalkül (die Kosten eines Scheiterns wären gigantisch) retten will, ist sie auf Draghi und dessen Ankaufprogramm ohne Limit angewiesen. Dass damit die Grenzen zwischen Geld- und Finanzpolitik vollends verwischen und die Unabhängigkeit der EZB beschädigt wird, nimmt sie in Kauf.

Kommentare (46)

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MikeM

03.09.2012, 10:22 Uhr

Was soll da entgleiten? Es wird einfach weiter Geld gedruckt. Die Inflation wird langfristig steigen, der Außenhandelswert unserer Währung wird fallen. Ein Glück, dass der USD ebenso schwach ist. Solange sich dieses Gefüge nicht ändert kann der dumme deutsche Steuerzahler ruhig gestellt werden. Man wird nur sehen müssen, dass dieInflation hoch genug ist, um die Alimentierung der PIGS durch die Notenpresse zu kompensieren. Die Zeche zahlen die Eurosparer.

beobachter

03.09.2012, 10:25 Uhr

man kann es nicht oft genug wiederholen, der fisch stinkt in deutschland vom kopfe an.

Audi

03.09.2012, 10:29 Uhr

Gibt es ein Gesetz

gibt es ein Versprechen, was die Euro-Befürworter noch nicht gebrochen haben?

Eine krimininelle Vereinigung, genannt Bundesregierung. Wie auch schon der Hochgrad Freimauerer Kohl so üben sich auch heute alle Kinder der Bilderberger im Lügen, Betrügen und Täuschen.

Evtl mal wieder Zeit über Gold und Geldeinlagen in China nachzudenken. Nutzt Eure Reisen nach China udn Asien, um dort Konten zu errichten.

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