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09.05.2014

13:32 Uhr

Kommentar

Apple braucht neue Beats

VonChristof Kerkmann

Es wäre der größte Zukauf der Firmengeschichte: Apple will Beats kaufen. Die Firma bietet nicht nur Design-Kopfhörer an, sondern auch einen Musikdienst. Der iKonzern könnte so ein Geschäft stärken, das gerade schwächelt.

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Der Autor

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Jeder Song für 99 Cent: Mit seiner Plattform iTunes hat Apple die Musikwelt revolutioniert. Seit sie 2001 online ging, ist der Elektronikkonzern zum größten Musikhändler der Welt geworden. Doch der Konzern läuft nun selbst Gefahr, Opfer einer Revolution zu werden: Immer mehr Nutzer wollen ihre Lieblingslieder nicht mehr besitzen, sondern nur den Zugang haben. Alle Songs für 10 Euro – oder für ein paar Werbespots zwischendurch, das ist das Konzept der Streaming-Dienste.

Es sieht so aus, als ob sich Apple damit nicht abfinden will. Das Unternehmen steht Berichten von US-Medien zufolge kurz davor, den Musikspezialisten Beats zu übernehmen, 3,2 Milliarden Dollar will es offenbar zahlen. Sollte die Übernahme gelingen, macht Apple zwei Deals auf einmal: Das Unternehmen kauft Zubehör und einen Internetdienst zugleich - in der Hoffnung, dem stagnierenden Musikbereich wieder Auftrieb zu geben.

Alles rund um iTunes

Auch die Beatles sind dabei

2003 ging der iTunes Store mit 200.000 Songs an den Start, Apple erweiterte den Katalog aber stetig. Heute stehen rund 37 Millionen Lieder bereit, auch notorische Verweigerer wie die Beatles bieten ihre Musik dort mittlerweile an.

Von den USA aus in alle Welt

Seine Anfänge nahm iTunes in den USA, dem Heimatmarkt von Apple. Doch der iPod-Hersteller expandierte schnell: 2004 ging die Musik-Plattform in Deutschland an den Start, heute ist sie in 120 Ländern verfügbar.

25 Milliarden Songs in zehn Jahren

Die Beliebtheit des iTunes Music Store lässt sich an den Download-Zahlen ablesen. Die erste Milliarde hatte Apple im Februar 2006 zusammen, die zweite im Januar 2007. Im Februar 2013 vermeldete der Konzern, dass die Grenze von 25 Milliarden Songs erreicht sei.

Hollywood trifft Mathevorlesung

Apple hat iTunes inzwischen zu einer großen Videoplattform ausgebaut. Mehr als 65.000 Filme gibt es zum Ausleihen oder Kaufen, zudem mehr als 250.000 TV-Episoden. Zudem bietet Apple über iTunes U Lehrmaterialien an, darunter Videos von zahlreichen Vorlesungen.

Die eigene Musik in der Cloud

Im Cloud-Speicher von iTunes Match können Nutzer für 25 Euro im Jahr ihre eigene Musiksammlung ablegen. So haben sie von anderen Geräten aus Zugriff darauf.

Radio à la Apple

Seit September 2013 bietet Apple aus einen werbefinanzierten Streaming-Dienst namens iTunes Radio an. Dieser ging zunächst in den USA an den Start, der Konzern will ihn aber schrittweise auch in anderen Ländern anbieten.

Die Grundlage für den App Store

Auf der iTunes-Infrastruktur baut auch der App Store von Apple auf, in dem Nutzer Anwendungen für iPhone, iPad und iPod touch herunterladen können. Mehr als eine Million Apps stehen zur Verfügung.

Soziales Netzwerk Ping

Keinen Erfolg hatte Apple mit dem Musik-Netzwerk Ping, in dem sich Nutzer mit Freunden über Musik austauschen und Künstlern wie bei Facebook oder Twitter folgen können sollten. 2012 beendete der Konzern das Projekt nach zwei Jahren.

Zum einen ist Beats ein Hersteller teurer Kopfhörer und Lautsprecher, die dank ihres schicken Designs und ihrer starken Marke eine treue Fangemeinde haben, darin Apple-Geräten nicht unähnlich. US-Medien taxieren den Umsatz mit dem Luxuszubehör auf bis zu 1,5 Milliarden Dollar. Diese Produktlinie könnte der Hersteller von iPhone und iPad mit seiner Marketingmacht deutlich ausbauen. Allerdings könnte er solche Geräte vermutlich mit vertretbarem Aufwand auch selbst entwickeln.

Zum anderen bietet Beats seit Jahresanfang einen kostenpflichtigen Musikdienst an. Beats Music ist mit seinen 200.000 Abonnenten nur einer von vielen Anbietern und hat deutlich größere Rivalen, Apple würde sich damit aber in einen schnell wachsenden Markt einkaufen. Denn Streaming-Dienste wie Pandora und Spotify boomen, während der digitale Verkauf von Musik, den der Konzern mit seiner Plattform iTunes dominiert, im vergangenen Jahr erstmals stagnierte.

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