Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.03.2012

11:16 Uhr

Kommentar

Athen bewegt sich in die richtige Richtung

VonGerd Höhler

Im jüngsten Reformranking der OECD liegt Griechenland weit vor Deutschland und der Schweiz. Zwar ist auch der Reformbedarf in Griechenland besonders groß. Doch die Statistik zeigt, dass sich in Griechenland etwas bewegt.

Sie wollen die Verhältnisse in Griechenland zum Guten wenden: Finanzminister Evangelos Venizelos (l) und sein Premierminister Lukas Papademos. Reuters

Sie wollen die Verhältnisse in Griechenland zum Guten wenden: Finanzminister Evangelos Venizelos (l) und sein Premierminister Lukas Papademos.

Eine Schicksalswoche für die Griechen, wieder einmal. Das hat man in den beiden zurückliegenden Krisenjahren zwar schon oft gehört, aber diesmal geht es wirklich um alles: Mit dem geplanten Schuldenschnitt, über den bis Donnerstagabend entschieden wird, steht oder fällt das von der EU geschnürte Rettungspaket. Bleiben die neuen Hilfskredite aus, ist Griechenland in wenigen Tagen pleite.

Manche griechische Politiker trösten sich noch mit der Hoffnung auf einen Rettungsplan B: Die EU werde eine Staatspleite in letzter Minute doch noch abwenden, so die Erwartung. Aber das könnte sich als Illusion erweisen. Griechenland wird nicht um jeden Preis gerettet. Was noch vor einigen Monaten politisch undenkbar schien, ist kein Tabu mehr. Eine griechische Insolvenz, sogar ein Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone und der EU sind zwar politisch und ökonomisch nicht wünschenswert, gelten inzwischen aber als beherrschbar. Die Währungsunion würde wohl erschüttert, aber daran nicht zerbrechen.

Gerd Höhler ist Handelsblatt-Korrespondent in Athen. Pablo Castagnola

Gerd Höhler ist Handelsblatt-Korrespondent in Athen.

Das ist eine gute Nachricht für kriselnde Euro-Staaten wie Spanien, Italien und Portugal, die noch vor wenigen Monaten fürchten mussten, in den Strudel einer Griechenland-Pleite gesogen zu werden. Für die Griechen ist es aber eine eher beunruhigende Perspektive. Mehr denn je sind sie jetzt auf sich selbst gestellt. Wenn Griechenland wieder wettbewerbsfähig werden, die Rezession hinter sich lassen und seinen Platz in der Euro-Zone nachhaltig sichern will, braucht es tiefgreifende Reformen. Viele Strukturen der griechischen Wirtschaft stammen aus den 1950er-Jahren und erinnern an die Verhältnisse in der früheren DDR. Hinter diesem verkrusteten Gefüge stehen handfeste wirtschaftliche und politische Interessen. Das macht die Modernisierung des Landes so mühsam. Vieles scheint sich nur im Schneckentempo zu bewegen. Das Land sei unfähig zu Reformen, so könnte man meinen.

Doch dieser Eindruck täuscht. In einer kürzlich veröffentlichten Statistik der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erscheint Griechenland als Reformchampion. Bei der Umsetzung der OECD-Empfehlung für wachstumsfördernde Strukturreformen belegt Griechenland im Zeitraum 2008 bis 2011 unter den 34 Mitgliedstaaten der Organisation den ersten Platz.

Diese Führungsposition verdanken die Griechen allerdings dem Umstand, dass sie einen besonders großen Nachholbedarf haben. Deutschland, die Schweiz und Luxemburg liegen deshalb in der OECD-Reformstatistik auf den letzten Plätzen, denn sie haben die meisten Maßnahmen bereits in früheren Jahrzehnten umgesetzt. Griechenland begann dagegen erst unter dem Druck der Krise, Reformen anzugehen. Die Agenda, die es abzuarbeiten gilt, ist zwar lang, und das Ziel liegt noch in weiter Ferne. Aber die OECD-Statistik widerlegt den Eindruck, dass sich nichts bewegt. Griechenland ist unterwegs. Das berechtigt immerhin zur Hoffnung.

Der Autor ist erreichbar unter: hoehler@handelsblatt.com

Griechenlands Exportwirtschaft

Brennstoffe, technische Öle

Den größten Anteil an Exportgütern aus Griechenland haben Brennstoffe und technische Öle. Sie umfassen 27,1 Prozent des hellenischen Exports.

Vorerzeugnisse

Vorerzeugnisse wie Stahl haben bei den griechischen Exportgütern einen Anteil von 16,8 Prozent.

Lebende Tiere und Nahrungsmittel

Mit 14,2 Prozent sind lebende Tiere und Nahrungsmittel das drittgrößte Importgut Griechenlands. In Deutschland erreichen diese Produkte nur Platz fünf der Exportgüter (4,2 Prozent).

Maschinen und Fahrzeuge

Maschinen und Fahrzeuge machen in Deutschland mit 47,6 Prozent fast die Hälfte aller Exporte aus. In Griechenland sind es 13,9 Prozent und damit Platz vier im Landesvergleich.

Chemische Erzeugnisse

Mit 10 Prozent sind chemische Erzeugnisse die Produktgruppe, die Griechenland am fünfhäufigsten exportiert. In Deutschland landen sie mit 15,3 Prozent auf Platz zwei.

Gesamtexport

Insgesamt exportiert Griechenland Güter im Wert von 22,5 Milliarden Euro. Deutschland erreicht ein Exportvolumen von 1060 Milliarden Euro.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.03.2012, 11:29 Uhr

Gab's wenigstens ein anständiges Mittagessen, oder haben sie einfach so losgetextet?

haha

07.03.2012, 12:26 Uhr

Ausser warme Worte ist doch noch gar nichts passiert. Trotz sparen hat man ein Defizit und die Reichen Griechen dürfen Ihr Geld behalten.....was ist daran Richtig?

kostas

07.03.2012, 12:37 Uhr

alles schwarz reden, was nicht in Ihre engstirniges Weltbild passt....

Gibt endlich den GR-Leuten eine Chance ! sonst gibt es 0,0 zurück, und das habt ihr dann auch selbst mit zu verantworten, egal aus welcher Perspektive man es sehen möchte!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×