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03.07.2012

16:38 Uhr

Kommentar

Auch Ben Bernanke kann nicht zaubern

VonRolf Benders

Wieder einmal geistern Gerüchte um eine massive Intervention der US-Notenbank zu Gunsten der heimischen Konjunktur durch die Märkte. Doch der IWF-Bericht zeigt, dass die Märkte auf das falsche Pferd setzen.

Rolf Benders ist Handelsblatt-Korrespondent in New York. Pablo Castagnola

Rolf Benders ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Die Märkte hoffen – mal wieder – auf Fed-Chef Ben Bernanke. Die jüngsten Konjunkturdaten deuten darauf hin, dass das Wachstum in den USA immer schwächer wird und da erinnern sich die Investoren nur zu gerne daran, dass Bernanke für den Fall des Falles versprochen hat, der Konjunktur mit weiteren Anleihekäufen unter die Arme zu greifen.

Doch seien wir mal ehrlich: Das führt am Ende zu nichts, oder zumindest zu sehr wenig. Die vergangenen Konjunkturstützungsprogramme der Fed haben die Aktienmärkte für ein paar Monate beflügelt und das Wachstum bestenfalls vor einem Absturz bewahrt. Die Hoffnungen, sie würden die Wirtschaft anschieben und die werde dann einen selbstragenden Aufschwung erleben, haben sich nicht bewahrheitet.

Die Gründe sind klar und werden im jüngsten IWF-Bericht noch mal dargelegt. Amerikas Konsumenten stecken immer noch in einem Entschuldungsprozess und wichtige Teile der Wirtschaft, vor allem der Immobilienmarkt, kommen trotz aller Maßnahmen von Regierung und Fed nicht in Schwung. Es geht um strukturelle Probleme, nicht um zyklische Phänomene, die man mit ein bisschen Stimulus aus der Welt schaffen kann.

Eines der strukturellen Probleme ist die Politik in Washington. Die Atmosphäre zwischen den beiden führenden Parteien ist – nicht nur wegen des laufenden Wahlkampfes – so vergiftet, dass man sich nicht auf eine vernünftige Haushaltspolitik einigen kann. Sie bekommen jetzt die Rechnung dafür präsentiert, dass die in der Vergangenheit gefundenen Kompromisse vor allem mit Schuldenmachen finanziert wurden. Wie der IWF richtig feststellt, ist der Spielraum für konjunkturstützenden Maßnahmen gering, gleichzeitig der Bedarf langfristig zu sparen riesengroß. Eine Kombination, die die Wachstumsraten für längere Zeit belasten wird. Kein Wunder, dass der IWF bis 2017 maximal 3,3 Prozent jährliches Wachstum für die USA vorhersagt. Ein verglichen mit den Jahren vor dem Ausbruch der Krise 2008 geradezu mickriger Wert.

Unter dem Strich: Ein starker Aufschwung ist in Amerika noch lange nicht in Sicht. Und auch Ben Bernanke kann ihn mit der Gelddruckmaschine nicht herbeizaubern.

Kommentare (3)

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Moika

03.07.2012, 17:23 Uhr

Genau so ist es, Herr Benders. Schon die letzten Interventionen der FED nutzte die Finanzwirtschaft doch zu 95% dazu, Investitionen im Ausland zu tätigen und ansonsten durch Käufe die Märkte zu stützen. Das Ganze ist doch nur noch ein Witz.

Ich habe das Land, vor allem aber Chicago mit seinen Menschen in den 1980gern 4 Jahre lang lieben und schätzen gelernt. Man, war die Stimmung unter allen Beteiligten damals positiv. Diesen dümmlichen Streit um des Kaisers Bart hätte es nicht gegeben - eine Frau Palin oder Bachmann hätte man ausgelacht und zum Teufel gejagt!

So kann ich nur noch den langsamen aber sicheren Niedergang eines einstmals großen Landes begleiten.

capitalclause

03.07.2012, 18:48 Uhr

Soso in der korruptesten, gewaltätigsten Großstadt der USA hatten Sie vor dreißig Jahren eine gute Zeit. Das befähigt Sie natürlich zu einer umfassenden Analyse der politischen Landschaft Amerikas anno 2012. Vor dreißig Jahren gab es auch keinen Affirmative Action POTUS der in seinem Leben nie einer produktiven Tätigkeit nachgegangen ist, dessen einziges Interesse die Gängelung der schrumpfenden Produktivkräfte Amerikas ist, der in einer Amtszeit bereits mehr Skandale produziert hat als Billy die Zigarre in zweien.

hasstnicht

03.07.2012, 20:27 Uhr

Es hilft auch nichts mehr. Die Bereinigung steht an für ein System Auge um Auge, Zahn um Zahn und alles für mich.

Die Leidtragenden sind leider auch in den USA die normalen Menschen die zwar auch geblendet sind aber im Grunde niemanden schaden, sondern nur das wollen was jeder Mensch will Freiheit, Frieden, Brüderlichkeit, Selbstbestimmung und Sicherheit. Dazu erforderlich ist eine funktionierende Demokratie.

Das mit der Demokratie sollten alle mal ausprobieren, klingt doch gut.

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