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26.10.2012

11:03 Uhr

Kommentar

Aufstieg der Neonazis ist ein Alarmsignal

VonGerd Höhler

Schon als es um das zweite Rettungspaket für die Griechen ging, hat Bundesfinanzminister Schäuble geahnt, was sich nun bewahrheiten musste: Griechenland braucht weitere Hilfen. Es bleibt auch gar nichts anderes übrig.

Ein Graffiti im Stadtzentrum von Athen. AFP

Ein Graffiti im Stadtzentrum von Athen.

Schonend, aber unmissverständlich bereitet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Politiker und Öffentlichkeit auf etwas vor, das unvermeidlich scheint: Griechenland braucht zusätzliche Finanzhilfen. Die bisher bereitgestellten Gelder reichen allenfalls bis 2014. Die jetzt erwogene Streckung der Haushaltskonsolidierung bis ins Jahr 2016 wird zusätzlich bis zu 20 Milliarden Euro kosten. Völlig überraschend kommt das nicht.

Die Eventualität, Griechenland könnte mehr Geld benötigen, hatte Schäuble in weiser Voraussicht schon bei der Verabschiedung des zweiten Rettungspakets im Februar erwähnt. Es sei "möglicherweise nicht das letzte Mal", dass sich der Bundestag mit Finanzhilfen für Griechenland beschäftigen müsse.

Zwischenzeitlich hörte man aus der Berliner Koalition zwar ganz andere Töne: Ein Staatsbankrott Griechenlands habe seinen Schrecken verloren, erklärte Wirtschaftsminister Philipp Rösler, und Bayerns Finanzminister Markus Söder forderte gar, "an den Griechen ein Exempel zu statuieren". Inzwischen setzt ein Umdenken ein. Es soll mehr Geld fließen.

Gerd Höhler ist Handelsblatt-Korrespondent in Athen. Pablo Castagnola

Gerd Höhler ist Handelsblatt-Korrespondent in Athen.

Bevor der Aufschrei vom "Fass ohne Boden" ertönt, sollte man sich vergegenwärtigen, was die bisher nach Athen überwiesenen Hilfsgelder von 150 Milliarden Euro bewirkt haben. Bei den Griechen und in der griechischen Wirtschaft kam nur ein kleiner Teil an. Über 70 Prozent der Gelder flossen in den Schuldendienst. Alte Schulden wurden mit neuen Krediten getilgt. Unter dem Strich sinkt die Schuldenquote des Landes nicht, sie steigt. Auch weil das Land wegen der strikten Sparauflagen, die mit den Hilfskrediten verbunden sind, immer tiefer in die Rezession rutscht.

Während EU und IWF den Griechen ursprünglich für dieses Jahr eine Rückkehr zum Wachstum in Aussicht stellten, wird die Wirtschaft 2012 um fast sieben Prozent und 2013 voraussichtlich um weitere fünf Prozent schrumpfen. Unter dem Strich hat das Land seit Beginn der Krise ein Fünftel seiner Wirtschaftskraft verloren. Es liegt auf der Hand, dass man den Konsolidierungsfahrplan anpassen muss, wenn sich die makroökonomischen Parameter derart drastisch ändern.

Angesichts einer so dramatisch schrumpfenden Wirtschaft sind die ursprünglich gesetzten Sparziele nicht mehr erreichbar. Es bleibt daher gar nichts anderes übrig, als Griechenland mehr Zeit für die Haushaltskonsolidierung zu geben.

Damit eröffnet sich die Chance, die sozialen Härten des Sparkurses zu mildern, der Wirtschaft mehr Liquidität zuzuführen, das Land schneller zum Wachstum zurückzuführen und so die Abwärtsspirale zu durchbrechen. Die Streckung ist aber nicht nur ein Gebot der sozialen und ökonomischen Vernunft. Sie kann auch helfen, politische Verwerfungen zu glätten.

Der Aufstieg der griechischen Neonazipartei "Goldene Morgenröte", die bereits bei 14 Prozent liegt, ist ein Warnsignal, das man im Hinblick auf andere Krisenländer nicht ignorieren darf.

Kommentare (12)

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Wutbuerger

26.10.2012, 11:29 Uhr

Der Kanzler Kohl hat ja ebenfalls die Bundesbürger belogen und betrogen. Die deutsche Einheit sollte so um die 100 MRD DM kosten.Das lässt ahnen was die Euro Pleite noch kosten wird.
Ich habe noch private Wetten, dass der Soli länger besteht
als die Berliner Mauer gestanden hat.

Account gelöscht!

26.10.2012, 12:54 Uhr

"Der Aufstieg der griechischen Neonazipartei "Goldene Morgenröte", die bereits bei 14 Prozent liegt, ist ein Warnsignal, das man im Hinblick auf andere Krisenländer nicht ignorieren darf."

Herr Höhler, ich hoffe sie können sich später an ihren Satz erinnern, wenn die NPD demnächst in den nächsten Bundestag einzieht.

Griechenland war Pleite, ist Pleite und wird immer Pleite sein, solange es im Euro ist.
Niemand ausser den wahnsinnigen Eurorettern und der EZB gibt den Griechen noch Geld.

Herr Höhler, ich würde gerne lesen, das sie die Häfte ihres Gehalts den Griechen spenden, damit sie nicht mehr die "Goldene Morgenröte" wählen.

Account gelöscht!

26.10.2012, 13:22 Uhr

Was, zum Toifel, geht es diesen Redakteur an, wen die Griechen wählen?

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