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22.01.2014

12:02 Uhr

Kommentar

Aus Bosch muss „iBosch“ werden

VonMartin-W. Buchenau

Im Stammgeschäft als Autozulieferer läuft es für Bosch. Die Lehre aus dem Solardesaster darf dennoch nicht sein, sich nur auf das Altbewährte zu verlassen. Die Konfrontation mit neuen Gegnern wird aber herausfordernd.

Martin-Werner Buchenau

Der Autor

Martin-Werner Buchenau ist Korrespondent in Stuttgart.

StuttgartSpiele gewinnt man im Angriff, Meisterschaften mit der Verteidigung, ist eine alte Weisheit aus dem American Football. Zumindest die Defensive bei Bosch steht wieder: Dort gibt es gute Nachrichten: Das traditionelle Autozuliefergeschäft, mit zwei Dritteln des Konzernumsatzes das Rückgrat des 128 Jahre alten Unternehmen, läuft wieder rund. Die Autosparte mit 30 Milliarden Euro Umsatz erholt sich schneller als angekündigt.

Der Umsatz stieg dort um sieben Prozent. Bei der IAA waren noch fünf Prozent angekündigt. Die Ebit-Rendite ist über acht Prozent, sechs waren angekündigt. Währungsbereinigt ist die Rendite bereits zweistellig. Damit dürfte Bosch im Autogeschäft wieder profitabler als Conti sein, zumindest, wenn man das Reifengeschäft der Niedersachsen herausrechnet. Benzindirekteinspritzung und Fahrerassistenzsysteme beflügeln das Geschäft. Und der der neue Chef der Sparte Wolf-Henning Scheider zeigt als extremer Kostenmanager erste Wirkung.

Für Bosch-Chef Volkmar Denner ist die Erholung der Autozulieferung sehr wichtig. Denn das Solar-Desaster erweckte in der Vergangenheit den Eindruck, dass Bosch sein Kerngeschäftich vernachlässigt und dort vom Erzrivalen Conti überholt wird. Schwache Zahlen hätten den seit eineinhalb Jahren amtierenden Bosch-Chef Volkmar Denner stark in Bedrängnis gebracht. Jetzt hat er den Rücken frei, um die Probleme in der Offensive zu beheben.

Denn wenn der Konzern sich von seinem Stammgeschäft wegbewegt, sich neue Technologien erschließen will, ging das zuletzt sehr daneben. Der Ausstieg aus dem Solargeschäft wird mit noch einmal 1,3 Milliarden Euro das Konzernergebnis in 2013 verhageln. Statt sechs werden so nur drei Prozent operative Rendite erreicht. Insgesamt hat der Konzern mit seinem Solarabenteuer 3,7 Milliarden Euro verbrannt. Das schmerzhafte Kapitel ist damit zumindest finanziell abgeschlossen.

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Bosch verbucht erneut eine heftige Belastung aus der Solarsparte. Insgesamt kommen mittlerweile 3,7 Milliarden Verlust zusammen. Im Automobilgeschäft läuft es besser – doch das Solardebakel wird damit nicht wettgemacht.

2014 kann Denner ohne Solarlast frei aufspielen und den Konzern mit seinen traditionellen Strukturen auf die Herausforderungen des Internets ausrichten. Google hat bereits den Angriff gestartet und 3,2 Milliarden Dollar für den Haustechnikhersteller Nest ausgegeben. Viel Geld für eine Technologie, die auch Bosch mit einer kleinen Tochter in den Niederlanden beherrscht.

Denner muss alle Kraft daran setzen die PS in den noch kleinen Bereichen auch auf die Straße zu bringen. Er versucht dies mit Ausgründungen und kleinen schnellen Einheiten. Es wird spannend, ob er mit dieser evolutionären Taktik schafft, alle Bosch-Produkte internetfähig zu machen und neue Geschäftmodelle im Netz zu entwickeln. Dafür braucht er auch das geeignete Personal. Der gesamte Konzern mit 280.000 Beschäftigten muss umdenken und mitmachen, um ein „iBosch“ zu werden: Eine Herkules-Aufgabe für den wackeren Schwaben Denner – mit offenem Ausgang.

Gute Jugendarbeit und clevere Zukäufe hat Borussia Dortmund zwei Meistertitel eingebracht. Das Champions-League-Finale gewann aber Bayern München. Und die schnappen Dortmund mit viel Geld immer mehr Spieler weg. Im Internet ist Google das Bayern München.

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