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18.03.2012

09:36 Uhr

Kommentar

Bei Ultrabooks spielt die Marke keine Rolle

VonJoachim Hofer

Die Ultrabooks sind im Vergleich zu den klassischen Laptops ein echter Fortschritt und die Hoffnung der PC-Hersteller. Doch sie ähneln sich zu sehr, die Marke wird zur Nebensache.

Joachim Hofer ist Handelsblatt-Korrespondent in München. Pablo Castagnola

Joachim Hofer ist Handelsblatt-Korrespondent in München.

Sie sind federleicht, hauchdünn, und sie sind ohne lästiges Hochfahren sofort einsatzbereit: Es ist eine wahre Freude, mit Ultrabooks zu arbeiten. Die neueste Generation von Laptops ist eine echte Verbesserung gegenüber den Geräten der vergangenen zwei Jahrzehnte. Da ist es kein Wunder, dass die Hersteller mit einem regelrechten Ansturm der Kunden in den nächsten Monaten rechnen.

Doch ob sich gute Verkaufszahlen auch in steigenden Gewinnen niederschlagen, das ist fraglich. Denn schon ein halbes Jahr nachdem die ersten Ultrabooks in die Läden gekommen sind, zeigt sich: Die einzelnen Anbieter tun sich schwer damit, eigene Akzente zu setzen. Für die Verbraucher sind die meisten Geräte wie Klone - sie sind selbst bei näherem Hinsehen kaum zu unterscheiden. Der Branche droht damit der nächste Preiskampf.

Es hat seinen Grund, dass sich die meisten Ultrabooks verblüffend ähnlich sind: Die mobilen Rechner sind inzwischen nicht viel dicker als eine Ausgabe des Handelsblatts. Da bleiben den Designern nicht mehr allzu viele Optionen. Im Inneren haben die Hersteller auch nur sehr begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten. Sie nutzen alle dieselben Prozessoren von Intel.

Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Und sie setzen allesamt die Software von Microsoft ein. Nur mit kleinen, eher nebensächlichen Features können sich Branchengrößen wie Hewlett-Packard, Acer, Lenovo, Dell oder Asus voneinander differenzieren. Bei einem Ultrabook ist ein spezielles Stromspar-Programm installiert, das andere hat eine besonders hochwertige Tastatur, beim nächsten ist das Gehäuse aus Aluminium.

Die Konsequenz: Für die Kunden spielt es auch bei den Ultrabooks eigentlich keine Rolle, welche Marke sie kaufen. Es reicht, wenn sie die Ausstattung der kleinen, tragbaren Rechner vergleichen und sich dann für das günstigste Gerät einer bestimmten Leistungsklasse entscheiden. Das gilt umso mehr, als es die PC-Produzenten verpasst haben, ihre Marken emotional aufzuladen. Bei Autos oder Mode sind viele Kunden gerne bereit, für ein begehrtes Label einen Aufschlag zu bezahlen. Nicht so in der PC-Industrie. Da zählt für viele Kunden, sowohl für Privatleute als auch für die Einkäufer von Unternehmen, vor allem der Preis.

Für die Hersteller ist das eine Katastrophe, die sich in dünnen Margen bemerkbar macht. Nur einem Produzenten ist es bisher gelungen, sich dem Preiskampf über alle Gerätekategorien hinweg weitgehend zu entziehen: Apple. Dafür leistet sich der US-Konzern allerdings auch eigene Betriebssysteme, einen eigenen App-Store sowie einige selbst entwickelte Komponenten. Doch der Aufwand lohnt sich, denn das Kultlabel aus dem Silicon Valley kann damit ein Paket anbieten, das die Konkurrenz nicht hat.

Dafür sind die Käufer seit Jahren bereit, deutlich mehr hinzulegen als für alle anderen Apparate. Den Wettbewerbern bleibt einstweilen nur ein Trost: Womöglich akzeptieren die Kunden erst einmal höhere Preise für Ultrabooks als für herkömmliche Notebooks, weil die Vorteile so offensichtlich sind. Viele Modelle kosten momentan noch 1.000 Euro und mehr - für Laptops ist das ungewöhnlich viel. Doch wehe, wenn ein Anbieter die Nerven verliert und den Rotstift ansetzt.

Kommentare (12)

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gere

18.03.2012, 09:58 Uhr

Ultrabooks, z.B. ausgestattet mit nicht spiegelnden Displays, guter Bildschirmauflösung von 1600x900 Pixel, UMTS-Modul und optionaler Dockingstation gibt es nur ganz wenige am Markt.
Klar ist der Hersteller egal, aber Unterscheidungsmerkmale gibt es genug.

Gerd1964

18.03.2012, 10:26 Uhr

Vorsicht ist geboten! - Die Unterschiede sind im Detail sehr groß und die Geräte vielfach noch nicht ganz ausgereift, d.h. es gibt Mankos in jeder Menge.
Anschlüsse (USB, HDMI, Kopfhörer), Größe des Ladegeräts, Dauer der Akkuleistung, Bedienbarkeit, Gehäusequalität!
Es wird wohl noch 6 Monate dauern, bis hier wirklich ein qualitativ hoher und einheitlicher Standard gesichert ist.
Die Preise sind im Verhältnis zu Qualität nicht gerechtfertigt.

Wirtschaftsinteresse

18.03.2012, 11:04 Uhr

Nein, das ist keine hinreichende Antwort auf die Aussage im Artikel. Wenn man vergleicht, dass die gehobene Mittelklasse (z.B. bei Autos) zu einförmig und nicht unterscheidbar ist, dann kann man nicht auf Luxus verweisen. Es geht um erschwingliche Alleinstellungsmerkmale.
Appel baut in das Airbook ja auch nicht Luxus ein.

Ich stehe ebenfalls davor mir ein Ultrabook zu kaufen. Ich zögere aber noch. Man sieht dem Markt an, dass die Preise innerhalb der nächsten 4-6 Monate erheblich purzeln. Ich denke das Mittel wird dann bei 800 EUR liegen. Vielleicht gibt es die Unterschiede, wenn es neue Generationen der Ultrabooks gibt. Intel hat dies ja vorgesehen, indem sie die Anforderung zur Ultrabookzertifizierung in Zukunft anheben wollen, und zwar innerhalb einer klar kommunizierten Zeitplans. Dann heißt die nächte Generation "Ultrabook 2nd Gen." oder so ähnlich. Hinzu kommen aktuellste, noch stromsparendere Komponenten und tollere Displays, LTE usw. Wenn es dann nebenher noch die erste Generation gibt, diversifiziert sich der Markt automatisch. Außer diesen wird es dann keine anderen Notebooks mehr zu kaufen geben.

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