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09.07.2014

17:21 Uhr

Kommentar

Billigstrategie stellt Lufthansa vor Zerreißprobe

VonTobias Döring

Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr setzt auf neue Billigmarken. Doch das „Wings-Konzept“ steht im Widerspruch zur eigenen Premium-Strategie. Und auch intern drohen Konflikte. Ein Kommentar.

Flugzeuge der Lufthansa-Töchter Germanwings und Eurowings (Archivbild): Widerspruch zur Premium-Strategie der Mutter. dpa

Flugzeuge der Lufthansa-Töchter Germanwings und Eurowings (Archivbild): Widerspruch zur Premium-Strategie der Mutter.

Die etablierten Fluggesellschaften Europas kämpfen seit Jahren an verschiedenen Fronten. Da sind die Billigflieger um die irische Ryanair, die mit Niedrigpreisen immer mehr Marktanteile erobert haben. In den letzten Jahren spüren die europäischen Flieger zudem den heißen Atem der Staats-Airlines vom arabischen Golf immer stärker. Die eigenen Unternehmensstrukturen kommen erschwerend hinzu: Die ehemaligen Staatsbetriebe sind oft unbeweglich in der Verwaltung, gefangen in starren Tarifsystemen und haben den Fokus auf Nebenkriegsschauplätzen.

Das gilt auch für die Lufthansa. Der neue Vorstandschef Carsten Spohr hat Deutschlands größter Fluggesellschaft am Mittwoch einen weiteren Umbau verordnet. Es ist der zweite in nur zwei Jahren. Nachdem sein Vorgänger Christoph Franz ein Sparprogramm aufgelegt und die Billig-Tochter Germanwings stark gemacht hatte, treibt Spohr nun weitere Billigmarken voran.

Die Eurowings, die bisher ausschließlich im Auftrag der Germanwings fliegt, soll in Europa den Preiskampf mit Ryanair und Easyjet aufnehmen. Ein Billigangebot für die Langstrecke soll hinzukommen. Mit dem sogenannten „Wings-Konzept“ setzt Spohr auf eine Mehrmarken-Strategie – und stellt die Lufthansa vor eine interne Zerreißprobe.

Tobias Döring ist Unternehmensredakteur bei Handelsblatt Online Frank Beer für Handelsblatt

Tobias Döring ist Unternehmensredakteur bei Handelsblatt Online

Während die Germanwings noch größtenteils mit ehemaligem Lufthansa-Personal fliegt, ist die Eurowings mit billigeren Piloten unterwegs. Unruhe innerhalb der Belegschaft scheint vorprogrammiert, gerade weil im Tarifstreit mit den Lufthansa-Piloten eine Lösung erst noch gefunden werden muss. Diese hatten die Fluggesellschaft im April drei Tage lahmgelegt und kämpfen um ihre Ruhestandsregelung und mehr Gehalt.

Ein weiterer Punkt, über den zu reden sein wird: Die „Wings“-Gesellschaften sollen in einer Holding zusammengefasst werden, die aber nicht am Heimatflughafen in Frankfurt, sondern wahrscheinlich in Belgien, Österreich oder der Schweiz sitzen soll. Dabei hat die Germanwings bereits ihren Sitz in Köln und nicht bei der Mutter. Wie die dezentrale Struktur funktionieren wird, muss sich erst noch rausstellen.

Doch die Lufthansa steht vor allem auch in der Kommunikation vor einer Zerreißprobe. Denn Spohr setzt auf der einen Seite auf neue Billigmarken und will auf der anderen Seite die Kernmarke Lufthansa zu altem Glanz zurückfuhren. Der neue Vorstandschef will die Fluggesellschaft zu einer Fünf-Sterne-Airline machen und dazu den Service verbessern, während bei der Eurowings dieser naturgemäß geringer werden muss.

Diesen Widerspruch aufzulösen, wird die Hauptaufgabe von Carsten Spohr werden. Seine Strategie nach dem Motto „viele Billigflieger helfen viel“ könnte dann Aussicht auf Erfolg haben. Aber nur unter der Bedingung, dass der oberste Lufthanseat bei alledem die Mitarbeiter mitnimmt.

Kommentare (1)

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Herr Teito Klein

10.07.2014, 08:24 Uhr

Die Lufthansa will Billigairline werden
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Dazu sollen sowohl Eurowings als auch Germanwings beitragen. Für Tourismusziele sollen alte Langstreckenflieger eingesetzt werden. Für Fernziele is eine Kooperation mit Turkish Airline geplant.

Da sind die Billigflieger um die irische Ryanair, die mit Niedrigpreisen immer mehr Marktanteile erobert haben.
Und auf der anderen Seite macht ihnen Emirats Probleme.


Aber Da gibt es noch die starken Splittergewerkschaften wie "VC", "GdF",etc. Als ehemaliger Staatsbetrieb hat die Lufthansa ein starres Tarifsystem und jegliche Veränderung wird mit Zähnen und Klauen bekämpft.

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