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13.09.2013

11:49 Uhr

Kommentar

Bitte mehr Zahlen, Twitter!

VonChristof Kerkmann

Facebook und LinkedIn zeigen es: Soziale Netzwerke können ein gutes Investment sein. Doch ob das auch für den Kurznachrichtendienst Twitter gilt, ist noch unklar. Anleger sollten Vorsicht statt Euphorie walten lassen.

Twitter will an die Börse – Details nennt das Unternehmen aber nicht. AFP

Twitter will an die Börse – Details nennt das Unternehmen aber nicht.

DüsseldorfDie Ankündigung erfolgte selbstverständlich mit einem Tweet: Der Internet-Dienst Twitter will an die Börse gehen. Ob zufällig oder beabsichtigt, der Zeitpunkt ist gut gewählt. Soziale Netzwerke erweisen sich derzeit als gutes Investment. Facebook hat die Zweifel an seinem Geschäftsmodell ausgeräumt, der Aktienkurs hat sich erholt und kürzlich sogar einen neuen Rekordkurs erreicht; LinkedIn zeigt schon länger, wie lukrativ das Geschäft mit beruflichen Kontakten ist.

Dennoch sollten Anleger dem Ruf des Zwitscherdienstes nicht zu schnell erliegen. Es ist längst nicht ausgemacht, dass auch Twitter sich so erfolgreich entwickelt wie die beiden anderen Netzwerke. Bislang ist nur wenig über die Geschäfte des Unternehmens bekannt. Auch mit dem Antrag an die Börsenaufsicht SEC muss es noch keine Finanzdaten öffentlich machen – dank einer neuen Regelung für kleine Börsenanwärter mit weniger als einer Milliarde Dollar Umsatz.

Die zweite Reihe hinter Facebook

Xing

Das Karriere-Netzwerk Xing gehört zu den Frühstartern im Social Web, schon 2003 ging es (damals noch unter dem Namen OpenBC) an den Start, seit 2006 ist es an der Börse notiert. Ende 2012 übernahm das Medienunternehmen Burda die Mehrheit an der Aktiengesellschaft. Zuletzt hatte Xing laut AGOF-Statistik in Deutschland rund 4,8 Millionen Besucher im Monat.

Google+

Das Soziale Netzwerk von Google zählt zu den Spätstartern, es ist erst seit dem Sommer 2011 online. Da der Internet-Riese es mit seinen anderen Diensten verknüpft, ist die Reichweite binnen kurzer Zeit aber schon deutlich gestiegen. Die AGOF erhebt keine Zahlen, laut Comscore waren es im Frühjahr 2013 aber beachtliche 6,7 Millionen Nutzer. Allerdings ist unklar, wie viele diesen Dienst ernsthaft nutzen.

Stayfriends

Mehr eine Datenbank als ein Soziales Netzwerk ist Stayfriends: Auf der Website können Nutzer ehemalige Mitschüler suchen, sortiert nach Schule und Jahrgang. Wer alle Funktionen nutzen will, muss eine kostenpflichtige Mitgliedschaft abschließen. Laut AGOF hat der Dienst monatlich rund 4,1 Millionen Besucher.

Wer-kennt-wen

Das Netzwerk Wer-kennt-wen will alte Bekannte wieder zusammenbringen. Mittlerweile gehört es vollständig zur RTL-Gruppe. Die Reichweite ist in den vergangenen Monaten deutlich gefallen, die AGOF zählte zuletzt nur noch 2,6 Millionen Besucher im Monat.

Twitter

Der Kurzmeldungsdienst Twitter hat in Deutschland deutlich an Popularität gewonnen. Im März 2013 hatte er laut Comscore 3,7 Millionen Nutzer. Mittlerweile dürften es noch einige mehr sein.

VZ-Netzwerke

Der Absturz ist dramatisch: Einst waren die VZ-Netzwerke das größte Social-Media-Angebot in Deutschland, mittlerweile redet kaum noch einer davon. Im Herbst 2012 verkaufte Eigentümer Holtzbrinck die Netzwerke an die Investment-Gesellschaft Vert Capital. SchülerVZ ist inzwischen geschlossen, StudiVZ und MeinVZ sind noch online, haben aber eine ungewisse Zukunft.

Wie viel Umsatz und Gewinn macht das Unternehmen genau? Welche Bedrohung geht von der Konkurrenz aus? Und behalten die Gründer dank besonderer Aktien nach dem Börsengang die Kontrolle, ähnlich wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg? Erst kurz vor der Roadshow, wenn Twitter endlich Details nennen muss, erfahren Anleger genaue Zahlen, Risikofaktoren und Besitzverhältnisse. Was kleinen Unternehmen den Gang aufs Parkett erleichtern soll, ist für einen weltweit bekannten Namen unbefriedigend.

Dass Twitter aus seinen rund 300 Millionen Mitgliedern Kapital schlagen kann, steht außer Frage. Anders als Facebook macht sich das Unternehmen schon vor dem Börsengang Gedanken über das Geschäftsmodell. Es verdient vor allem an Werbebotschaften – promoted tweets –, die in den Nachrichtenstrom der Nutzer eingeschleust werden. Das funktioniert auch auf Smartphones und Tablet-Computern – das ist wichtig in einer Welt, in der der PC immer mehr an Bedeutung verliert.

Der Marktforscher E-Marketer schätzt, dass Twitter im kommenden Jahr rund eine Milliarde Dollar Umsatz macht. Dabei handelt es sich aber um eine Schätzung, Gewissheit kann erst der Börsenprospekt bringen. Also, Zahlen bitte!

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

18.09.2013, 10:08 Uhr

Twitter wird sich abnutzen, die paar Zeilen können kaum was aussagen und daher gehen sie auch noch bei der Menge unter. In ca. einem Jahr wird Twitter erodieren wenn nicht eine neue Geschäftsidee dazu kommt.

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