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16.06.2013

17:32 Uhr

Kommentar

Brasilianer wollen einen Wechsel

VonAlexander Busch

Eigentlich will sich Brasilien beim Confederation Cup als Gastgeber für die kommende WM und die Olypmiade empfehlen. Doch Pfeifkonzert, ein brutaler Polizeieinsatz und Studentenunruhen sprechen eine andere Sprache.

Alexander Busch berichtet für das Handelsblatt aus Brasilien. Pablo Castagnola

Alexander Busch berichtet für das Handelsblatt aus Brasilien.

São PauloDer klare 3-Tore-Sieg der brasilianischen Seleção über Japan beim Eröffnungsspiel des Confed-Cup täuscht nicht darüber hinweg: Auf die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff kommen politisch schwere Zeiten zu. Die aufflammenden Proteste könnten den Anfang vom Ende ihrer Präsidentschaft einläuten.

Es war offensichtlich, dass die Präsidentin und der Fifa-Chef Sepp Blatter völlig überrascht wurden vom minutenlangen Pfeifkonzert, als beide vergeblich versuchten, vor dem Spiel ihre Ansprachen zu halten. Denn eigentlich ist die Präsidentin auch in ihrem dritten Amtsjahr weiterhin populär: Bis vor kurzem noch schätzten zwei Drittel der Brasilianer ihre Regierung positiv ein: Vollbeschäftigung, wachsende Löhne und Gehälter sowie ein kaum gebremster Kredit sorgen dafür, dass der Konsumrausch der Brasilianer anhält, trotz stagnierender Konjunktur und steigender Inflation.

Deshalb gilt sie bei den Wahlen im Oktober nächsten Jahres weiterhin als klare Favoritin für weitere vier Jahre im Amt, genauso wie ihr Vorgänger und Ziehvater Lula es gemacht hat.

Doch in den letzten Wochen sind ihre Popularitätswerte erstmals deutlich auf 57 Prozent abgerutscht. Das Pfeifkonzert jetzt in Brasília und die von der Polizei brutal niedergeschlagenen Proteste bekommen deswegen eine ganz neue Bedeutung. Noch gefährlicher für die Präsidentin sind die seit Tagen immer heftiger werdenden studentischen Unruhen in São Paulo und Rio de Janeiro gegen die Erhöhungen der Busfahrpreise.

Schon mehrfach haben in Brasilien diffus begonnene Studentenunruhen zu politischen Erdrutschbewegungen geführt, etwa bei den Protesten gegen die Generäle oder korrupte Präsidenten. Zwar lassen sich die Proteste in Brasilien nicht mit denen in Istanbul vergleichen von ihrer politischen Tragweite. Dennoch wäre es zu einfach, die Pfiffe im Stadion und auch die Studentenproteste als eine Reaktion der privilegierten Brasilianer gegen die linke Präsidentin zu erklären.

„Die Brasilianer wollen etwas Neues“, sagt der einflussreiche PR-Berater Duda Mendonça, der Präsident Lula zu seinem Sieg 2002 verhalf. Nach zehn Jahren mit der Arbeiterpartei an der Spitze der Regierung in Brasília würden sich die Brasilianer immer weniger mit dem Erreichten zufriedengeben. „Sie wollen einen Wechsel.“

Die für nächste Woche angesetzten neuen Massenproteste gegen Fahrpreiserhöhungen dürften die Unsicherheit in der Regierung noch weiter erhöhen. Denn die wenig charismatische und eher spröde Präsidentin scheint unfähig, auf die Unruhen und Proteste flexibel reagieren zu können: Sie beschuldigte letzte Woche mehrfach „Chaoten“ und „Schwarzseher“, eine Kampagne gegen die Regierung zu fahren. Doch mit solchen Bemerkungen schießt sich die Präsidentin immer mehr ins Abseits.

Derzeit sieht es so aus, als könnten selbst weitere Siege der Nationalelf die Präsidentin Dilma Rousseff nicht vor einer sinkenden Beliebtheit retten.

Kommentare (10)

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Brasilienauswanderer

16.06.2013, 17:56 Uhr

"Brasilianer wollen einen Wechsel."

Das Problem ist nicht die Parteizugehörigkeit, sondern die Nationalität.

Brasil

16.06.2013, 18:15 Uhr

Man sollte als Auslaender sehr zurueckhaltend sein mit Kritik an Situationen in Laendern in denen man nicht lange Jahre wohnt!
Wieso eigentlich diskutiert ein Deutscher immer dann oeffentlich ueber Situationen in Landern in denen protestiert wird?
Sicher nur deshalb, weil er als degenerierter Deutscher im eigenen Land zu traege ist zu protestieren, obwohl es gerade in Deutschland seit drei Jahren, mehr als irgendwo anders auf der Welt, an der Zeit waere, das verbrecherische Regierungsgesindel zum Teufel zu jagen!

BANESPA

16.06.2013, 18:33 Uhr

Sie sind wohl nicht ganz bei Trost? Von verbrecherischem Regierungsgesindel kann man wohl eher in Brasilien sprechen, wo sogar eine verurteilte Bankräuberin im Präsidentenpalast residiert!

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