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07.07.2012

09:15 Uhr

Kommentar

„Brasilien wird unterschätzt“

In vielen wirtschaftlichen Analysen kommt das größte Land Südamerikas derzeit schlecht weg. Die Börse lahmt seit zwei Jahren und die Industrie stagniert. Der Grund ist eine Überschätzung der Rolle des Rohstoffsektors.

Unterschätzter Riese: Brasilien. dapd

Unterschätzter Riese: Brasilien.

Aus dem Brasilien-Hype der letzten Jahre ist die Luft raus. Die Börse lahmt nun schon seit 2010. Die Aktien einstiger Börsenstars wie Petrobras oder Vale dümpeln genauso lange vor sich hin. Die Industrie des Landes stagniert seit eineinhalb Jahren. Jedes Quartal müssen Brasiliens Wachstumszahlen für 2012 nach unten korrigiert werden. Weniger als zwei Prozent dürfte Brasiliens Wirtschaft dieses Jahr wachsen, nach bereits mageren drei Prozent im vergangenen Jahr - sehr bescheiden für eines der BRIC-Länder, die ja die Kraftprotze der Weltwirtschaft sein sollen.

Dann will auch noch Thyssen-Krupp seinen neuen Stahlkocher in Brasilien verkaufen, weil er nur Verluste bringt. Bis vor kurzem noch wurde das Werk als die größte Auslandsinvestition in Brasilien seit Jahrzehnten gefeiert - auch ThyssenKrupp gab sich mit der Milliarden-Investition global. Jetzt will niemand das Werk kaufen.
Und schon tauchen die ersten Analysen auf, die Brasilien auf der Fahrt aufs Abstellgleis der Weltwirtschaft sehen. So etwa der "Economist" ("What's going wrong with Brazil?") oder Ruchir Sharma in "Foreign Affairs" ("Bearish on Brazil").

Kein Zweifel: Brasilien hat Probleme, die sich in der Krise verschärfen. Etwa die geringe Konkurrenzfähigkeit des Standorts für Exportunternehmen. Die schwache Produktivität der Wirtschaft. Der steigende Staatseinfluss in der Wirtschaft, auch in Konzernen oder Branchen, in denen vieles einfacher gelöst werden könnte, wenn Brasília sich her- aushalten würde. Es wird zu wenig investiert. Vom Staat, der nicht richtig kann, wie den Privaten, die nicht richtig dürfen. Auch überzeugen die nach jeder schlechten Wachstumsprognose nachjustierten Konjunkturprogramme nicht. Damit mogelt sich die Regierung durch die Krise, statt neue Fantasie zu wecken, wie es Brasilien in den Jahren zuvor immer wieder gelang.

Kommentare (1)

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bjarki

08.07.2012, 02:53 Uhr

In Brasilien lähmt in erster Linie eine linksgestrickte Regierung das Weiterkommen. Brasilien gehört absolut die Zukunft. Nur die Regierung ist ein übler Hemmschuh. Aber das sehen wir ja auch in Europa, weltweit sind Amateure am Werk, ob Amerika, Deutschland, Russland, es wird einem schlecht, deren Statements zu hören. Die Zukunft liegt jedoch in Brasilien, wer das nicht sieht ist völlig blind

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