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28.02.2012

20:43 Uhr

Kommentar

China sollte in Europa investieren

VonFrank Sieren

China sollte Europa finanziell unterstützen - aus eigenem Interesse. Schließlich sind beide Handelspartner von der hohen Nachfrage des anderen abhängig. Den USA dürften derartige Annäherungsversuche nicht gefallen.

Bundeskanzlerin Merkel und Chinas Ministerpräsident Jiabao: Den Chinesen ist Europa sehr wichtig. dpa

Bundeskanzlerin Merkel und Chinas Ministerpräsident Jiabao: Den Chinesen ist Europa sehr wichtig.

China sollte aus den Fehlern der Europäer lernen: Wenn man zu lange wartet, wird es viel teurer. Das gilt nicht nur für das Verhältnis Griechenland-EU, sondern auch für das Verhältnis China-Europa. Die Chinesen und die Europäer haben zwar keine gemeinsame Währung. Als der jeweils größte Handelspartner des anderen sind sie jedoch abhängig voneinander. Ein strauchelndes Europa kann China ebenso die Dynamik nehmen, wie Griechenland und andere Schuldenländer Deutschland aus dem Tritt bringen können.

Auch deshalb hat die chinesische Regierung beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel Anfang des Monats überraschend angeboten, sich am EU-Rettungsschirm zu beteiligen. China sei bereit, „seinen Anteil an der Lösung der europäischen Schuldenprobleme zu erhöhen“.

Den Chinesen ist Europa also sehr wichtig. Doch nun ist Peking konsterniert, weil Merkel zögerlich bis abweisend reagiert hat und EU-Kommissionspräsident Barroso, kaum in Peking gelandet, herablassend verkündete: Europa sei kein Bittsteller. Dabei weiß jeder Mittelständler, der in eine Schieflage geraten ist: Meist ist es klüger, die Schwäche zuzugeben und rechtzeitig zwanzig Prozent zu verkaufen, als zu warten, bis man gezwungen ist, über 50 Prozent abzutreten.

Peking sollte sich von den zuweilen halsstarrigen Europäern nicht irritieren lassen. Wer hoch verschuldet ist, neigt dazu, seine Lage nicht realistisch einzuschätzen. Das war in den USA so und ist nun in Europa nicht besser. Denn natürlich wird das jüngst verabschiedete Rettungspaket nicht reichen. Der europäische Staatenverband bleibt vielstimmig bis widersprüchlich. Und stets wird irgendwo in Europa gewählt. Dieses Jahr in Frankreich. Nächstes Jahr in Deutschland. Diejenigen in Peking, die, wie Premier Wen Jiabao es formuliert, „klare, starke und positive Signale“ von Europa wollen, werden also enttäuscht. Selbst die G20-Finanzminister haben in dieser Hinsicht am Wochenende wenig erreicht.

Kommentare (5)

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MikeM

28.02.2012, 21:05 Uhr

So blöd werden die Chinesen sicher nicht sein! Die picken sich die Rosinen, der Südeuropa-Müll wird nicht angetastet werden.

NATOUSAvsChinaRussland

28.02.2012, 21:27 Uhr

Wenn man die Chinesen bei der Syrien Konflikt nicht entgegenkommen will und sie dahingegend sogar als `abscheulich` bezeichnet, sollte man nicht gleichzeitig die Hand aufhalten.Das zeugt von Doppelmoral sondergleichen.

www.steuerembargo.co.de

28.02.2012, 21:36 Uhr

Was wollen die Chinesen denn mit dem bedruckten Papier des Westens, das hier Geld genannt wird?
Sie sind klug genug zu realisieren, dass der Binnenmarkt wichtiger wird, als wertvolle Ware für Papierschnipsel zu tauschen, die nicht mehr Wert haben als ihren Materialwert und da wären Münzen deutlich im Vorteil!
So werden sie Investieren, ja, aber nichts verschenken. Investieren bedeutet, etwas ähnlich Werthaltiges einzutauschen und nicht Werte zu verschenken, wie es in Europa Usus ist. Allerdings hier nicht an andere Völker, sondern ausschließlich die Ersparnisse des Volkes an die Finanzoligarchen!

Die chinesische Regierung respektiert sein Volk und beutet es nicht aus, zugunsten derjenigen, die ihr Vermögen gar nicht mehr beziffern können!

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