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17.02.2012

09:22 Uhr

Kommentar

Christian Berlusconi

VonOliver Stock

Dieser Bundespräsident ist nicht mehr haltbar. Er hat italienische Verhältnisse in ein Amt geschleppt, das auf der moralischen Integrität seines Amtsinhabers aufbaut wie kein anderes in Deutschland.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

DüsseldorfDie Schlagzeile ging so: "Staatsanwaltschaft fordert fünf Jahre Haft für Ministerpräsident." An wen denken Sie? An Christian Wulff? Falsch. Es war Silvio Berlusconi, der abgetretene italienische Staatschef, um den es sich in dieser Zeile drehte. Dass es auch Wulff hätte sein können, ist allerdings schlimm. Denn wir haben einen Christian Berlusconi an der Staatsspitze.

Wulff hat italienische Verhältnisse, wie sie unter Berlusconi üblich waren, in ein Amt geschleppt, das auf der moralischen Integrität seines Amtsinhabers aufbaut wie kein anderes in Deutschland. Seit Beginn der Affäre gilt: Deutschlands Bundespräsident hat fast keine Macht, die ihm der Gesetzgeber zuschreibt. Er kann seine Aufgabe nur erfüllen, in dem er die Macht der Worte klug und geschickt und glaubwürdig einsetzt. Wenn die Deutschen jedoch Anlass haben, an seinen Worten zu zweifeln, dann ist der Bundespräsident mundtot. Und dann kann er sein Amt nicht mehr ausfüllen.

Seit gestern kommt zu der aufgeheizten politischen Stimmung gegen den Bundespräsidenten nun auch noch ein handfestes Ermittlungsverfahren der Staatsanwälte wegen Vorteilsnahme im Amt. Damit haben es der Bundespräsident, seine Partei und sein Volk schwarz auf weiß: Auch die Leute vom Fach hegen den begründeten Verdacht, dass er gegen geltendes Recht verstoßen hat.

So ein Bundespräsident aber darf keinen Augenblick länger an seinem Amt festhalten. Der Schaden, dem er seinem Land und dem Amt zufügt, ist größer, als jeder Nutzen, den er in dieser Funktion jemals noch erfüllen kann. Wenn dieser Mann noch einen Funken Ehre besäßen hätte, dann wäre er schon zurückgetreten. Er hat es nicht getan. Bis jetzt. Für elf Uhr kündigt er jetzt eine Erklärung an - das ist seine letzte Chance.

Kommentare (31)

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Adolfi

17.02.2012, 10:06 Uhr

"Christian Berlusconi?" besser wäre Wulffosconi!

tsabo

17.02.2012, 10:07 Uhr

Ja Pro-D da muss ich Ihnen Recht geben..
Alleine schon die Tatsache dass diese Zeitung - jegliche Form von Verunglimpfung und Schwachsinn zulässte zeigt wohin
die Medien gekommen sind - und wie schwach Chefredakteure sind wenn es um den Umsatz der eigenen Zeitung geht..
Da ist moralisch alles erlaubt.. Die Frage ist nur wessen Moral??? Dachte immer die wurde von Kirche erfunden um Ihre Schaeflein schon fein bei der Stange zu halten..
Aber in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung schon lange nicht mehr - hier heist es Hetze vor ordenlichem Journalismus..

Ein Schelm der Böses dabei denkt

Anonym

17.02.2012, 10:09 Uhr

Mit Verlaub Berlusconi mit Wulff zu vergleichen ist doch zu extrem, trotz der Fehler die Wulff begangen hat. Berlusconi hat vermutlich Gesetze zu seinen Gunsten ändern lassen etc. Ein wenig mehr Augenmaß von ihere Seite täte dieser Debatte sicherlich gut.

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