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08.03.2013

14:23 Uhr

Kommentar

Cromme kehrt sich am Ende selbst aus

VonSebastian Ertinger

Als Chefkontrolleur bei Thyssen-Krupp wollte Cromme strikt mit Skandalen und Fehlentwicklungen aufräumen. Kritik an seiner Amtsführung wischte er stets beiseite. Die von ihm selbst propagierte Härte holt ihn nun ein.

Ende einer Ära: Gerhard Cromme gibt das Amt als Chefkontrolleur beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp auf. AFP

Ende einer Ära: Gerhard Cromme gibt das Amt als Chefkontrolleur beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp auf.

Härte propagierte Gerhard Cromme bei der Aufklärung der Korruptionsfälle, in die Thyssen-Krupp und Siemens verwickelt waren. Ausgerechnet über die tief in Schmiergeldzahlungen und Kartellabsprachen verwickelten deutschen Traditionskonzerne wachte der langjährige Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance als Chefkontrolleur.

Radikal wollte Cromme die Affären bei Siemens aufklären. Mit eisernem Besen wollte Cromme bei Thyssen-Krupp die Kultur von Korruption und Gefälligkeiten auskehren. Doch am Ende holt ihn die propagierte Härte ein.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.

Denn hart war Cromme gegenüber anderen, aber nicht gegenüber sich selbst. Kritik an seiner Amtsführung wischte er stets harsch beiseite. Daher ist sein Abgang bei Thyssen-Krupp überfällig - sei er selbst gewählt, oder vom Chef der mächtigen Familienstiftung, Berthold Beitz, erzwungen. Vielleicht wurde der Druck am Ende einfach auch zu groß.

Immerhin war Cromme seit 2001 Aufsichtsratschef des angeschlagenen Stahlkonzerns. Die lange Liste der Verfehlungen – Schienenkartell, Schmiergeldzahlungen in der Aufzugsparte und Milliardenabschreibungen wegen der gescheiterten Investitionen in Stahlwerke in Brasilien und den USA – fallen zweifellos in die Amtszeit von Cromme.

Diesen Einfluss hat die Krupp-Stiftung auf den Konzern

Größter Einzelaktionär

Die nach dem Tod von Alfried Krupp testamentarisch verfügte Kruppstiftung nahm 1968 ihre Arbeit auf. Sie war anfangs alleiniger Eigentümer der Fried. Krupp GmbH. Alfrieds Sohn Arndt hatte auf sein Erbe verzichtet. Heute hält sie 25,3 Prozent am Dax-Konzern Thyssen-Krupp und ist damit größter Einzelaktionär. Neben der Förderung von Kultur, Wissenschaft und sozialen Projekten hat die Stiftung auch den Satzungsauftrag, die Einheit des Unternehmens zu wahren.

Vertreter im Aufsichtsrat

Mit ihrer Sperrminorität ist die Stiftung auch ein Bollwerk gegen feindliche Übernahmen. Seit 2007 nutzt die Stiftung außerdem mit Billigung einer Hauptversammlungsmehrheit die gesetzliche Möglichkeit, drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat zu entsenden.

„Stahl-Festung“

Wenn die zehn Arbeitnehmervertreter und die Stiftungsentsandten sich einig sind, können sie mit zusammen 13 von 20 Stimmen im Aufsichtsrat Angriffe abwehren oder doch deutlich erschweren. Das „Manager Magazin“ nannte die Konstruktion eine „Stahl-Festung“. Eine Aktionärsklage dagegen wurde in zwei Instanzen abgewiesen, und der Bundesgerichtshof lehnte eine Revision ab. Vergeblich argumentierte der Kläger, dass das Mehrheitsprinzip verletzt werde.

Sitz in Villa Hügel

Angesichts des hohen Aktienanteils und des zusätzlichen Entsenderechtes verfügt die Kruppstiftung de facto über erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen im Konzern. Ihren Sitz hat die Stiftung an historischer Stelle: Im Park gegenüber der Villa Hügel, die bis 1945 Wohnsitz der Krupp-Familie war.

Während um ihn herum Korruption wucherte und das Management schwerwiegende Fehlentscheidungen traf, will der Chefaufseher nichts bemerkt haben – aber doch genau genug hingeschaut haben. So zog Cromme auf der Hauptversammlung Gutachten aus dem Köcher, die ihm und dem Aufsichtsrat bescheinigten, ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen zu sein.

Doch allein den Pflichten nachzukommen konnte die vielen Desaster bei Thyssen-Krupp nicht verhindern. So ist es nur richtig, dass der 70-Jährige nicht nur seine Pflichten wahrnimmt, sondern den Posten beim Konzern wie auch bei der einflussreichen Krupp-Stiftung aufgibt.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.03.2013, 19:29 Uhr

Da haben wir ihn wieder, den dümmlichen angloamerikanischen Dummschwätzer. Keine Ahnung aber hier mitreden wollen. Seine letzte Prognose war, TK geht den Bach runter und die arroganten Standard & Poors sind oberschlau.
Ami, go home.

An_Interested_Reader

09.03.2013, 17:10 Uhr

This is but part of an appropriate end for a highly-compensated manager who is more Heiligschein than sein.

Ultimately, Die Firma should claw-back his bonuses and definitely not award him a Golden-Parachute-Parting-Gift-Abfindung. Then with him as the vorbild as to how such a clean-up should proceed, the procedure should be repeated for every manager, whether still employed by TK or elsewhere, or retired, in the line between Chromme and the lowly operative functionaries who participated in these crimes.

This would put the proper teeth in Zero Tolerance.

Bernd

10.03.2013, 14:19 Uhr

Was für ein unerträglicher Heuchler. Wieso können sich solche Versager in der deutschen Wirtschaft so lange oben halten?

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