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01.09.2012

11:56 Uhr

Kommentar

Das absurde Aus des heimeligen Lichts

VonFrank Wiebe

Wer anderen das Licht abdreht, ist selbst nicht erleuchtet. Die Idee der EU, Glühbirnen ab zehn Watt zu verbieten, ist reine Symbolpolitik. Das ärgert die Bürger nicht zu sehr, aber erweckt den Anschein, man täte was.

Frank Wiebe

Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

DüsseldorfIch schlage vor, Autos mit mehr als 70 PS zu verbieten, um den wertvollen Rohstoff Öl zu sparen und den Ausstoß von CO2 zu vermindern. Außerdem sollten wir in Deutschland alle Gebäude mit einer dicken Schicht aus Styropor überziehen, wegen der Heizungswärme, die sonst verloren geht. Zwingend vorzuschreiben wäre eine vegetarische Lebensweise, die enorm zur Schonung von Ressourcen und zur Energieeinsparung beiträgt.

Falls das nicht durchsetzbar ist, wäre auf jeden Fall ein Verbot von Rindfleisch angesagt, dazu setzt man am besten auch Hartkäse auf den Index, denn das Methan in der "Abluft" von Kühen ist bekanntlich einer der schlimmsten Klimakiller.

Ach ja, und wer gedacht hat, er kann seinen Urlaub wieder in Salvador de Bahia verbringen, für den haben wir auch eine ganz schlechte Nachricht: Eine Fernreise pro Jahr zerstört jede persönliche Ökobilanz so gründlich, dass jeder passionierte, vegetarische Radfahrer damit immer noch schlechter aussieht als der Steakliebhaber, der jeden Meter mit dem Auto zurücklegt und so auch in Urlaub fährt. Fernreisen sind also zwingend zu verbieten, ebenso wie Kreuzfahrten, bei denen sinnlos die Überreste von verbranntem Schweröl in die Luft geblasen werden.

Haben wir noch was vergessen? Klar doch, die Liste ist unerschöpflich. Schon mal was vom Thema "Feinstaub" gehört? Wenn ja, dann verzichten Sie sicher auf das nächste Osterfeuer, am besten auch auf die Kerzen an Weihnachten, und haben ihren Kamin längst zum Bücherregal umgewandelt. Auch mit Ihrem Pellet-Ofen, wenn es nicht gerade das neueste Modell ist, dürfen Sie sich nicht mehr rundum ökologisch fühlen.

Dass Elektroautos ein Schmu sind, wissen Sie wahrscheinlich schon längst, schließlich fahren die mit Strom, der zum großen Teil aus schmutziger Braunkohle erzeugt wird. Ich finde ohnehin, wir sollten die ganze Energiewende rückgängig machen. Schließlich wird, seit es diese Wende gibt, ständig vom Bau neuer Gaskraftwerke geredet: In denen wird dann auch ein wertvoller Rohstoff verbrannt, und es entsteht eine Menge CO2.

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

01.09.2012, 12:16 Uhr

Auch hier wieder, aus der Titelzeile ist es nicht zu erkennen um was es eigentlich in dem Artikel geht, bitte stellt das ab.

Stinksauer

01.09.2012, 12:51 Uhr

Glühbirne? Ja, ich erinnere mich, und ich glaube, im Keller steckt so ein technischer Anachronismus auch noch in der Fassung. Die schicke ich Ihnen gerne in die Redaktion, sobald wir auf LED umgestellt haben.

PS.: Ein Telefon mit Wählscheibe müsste auch noch irgendwo auf dem Speicher verstauben.

Account gelöscht!

01.09.2012, 13:10 Uhr

Ja die EU stürzt sich mit Vorliebe auf Themen wo nicht allzu großem öffentlichen Widerstand bei maximalem Symbolwert zu rechnen ist.
Die Liste ist lang und jeder kennt sie.

Wie absurd und undurchdacht schon das Verbot matter Birnen war läßt sich hieran erkennen:
Wo wurden diese eingesetzt? In offenen Lampen.
Wo wurden klare Birnen eingesetzt? Natürlich meist in geschlossenen.
Es ist für die EU also völlig ok wenn eine klare Birne hinter dickem Milchglas funzelt und dabei noch weniger Licht rauskommt als mit einer matten Birne in offener Lampe. Vielleicht sollte man das aber doch nicht so laut sagen sonst ist das nächste Verbot gleich in der Pipeline.

Vom Energieverbrauch bei der Herstellung und den Umweltkosten der Energiesparlampen wollen wir mal garnicht erst reden. Dann wird der Schwachsinn vollends offensichtlich das wir eine Kellerlampe die im Monat ein paar Mal zwei Minuten an ist, so ausrüsten sollen
(ich habe vor Jahren mal erlebt wie die Feuerwehr mit 8 (!) großen Einsatzfahrzeugen anrückte als ihr gemeldet wurde das auf einer Baustelle ETWAS Quecksilber ausgetreten ist - aber keine Angst, jetzt ist ja alles anders...)

Hoffentlich erlebe ich noch den Tag an dem dieses fette, geistig umnachtete EU-Monster dessen Lebenszweck nur noch irgendwo zwischen Abzocke und Bevormundung pendelt endlich, endlich kaputt geschlagen wird.

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