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15.05.2012

15:26 Uhr

Kommentar

Das blinde Vertrauen der Bundesbank

VonNorbert Häring

Goldbarren im Wert von 133 Milliarden Euro lagern für den Bund in New York. Nie hat man sie richtig nachgezählt - und auch jetzt weigert sich die Bundesbank und widersetzt sich der Forderung des Rechnungshofs.

Norbert Häring ist Korrespondent des Handelsblatts in Frankfurt. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Korrespondent des Handelsblatts in Frankfurt.

FrankfurtDie Deutsche Bundesbank lässt die wertvolle deutsche Goldreserve, die sie für das deutsche Volk verwaltet, zum Großteil in New York verwahren, wo sie sie in der Zeit des Festkurssystems nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hat. Dagegen spricht zunächst einmal nicht viel. Die Tatsache aber, dass sie offenbar noch nie die Goldbarren kontrolliert und gezählt hat und sich hartnäckig weigert, dies zu tun, ist Wasser auf die Mühlen derer, die bezweifeln, dass die Bundesbank tatsächlich über dieses Gold verfügen kann. Da die Barren angeblich in separaten Räumen einzeln nummeriert für sie verwahrt werden, wäre eine Inventur kein Problem.

Mit ihrer Weigerung, die Goldbestände zu inventarisieren und in ihrer Bilanz genauere Auskunft darüber zu geben, ob das Gold verliehen wurde, befindet sich die Bundesbank in schlechter Gesellschaft. Auch die US-Notenbank und die meisten europäischen Notenbanken betreiben eine Geheimniskrämerei um das Gold, das ihnen als Volksvermögen anvertraut ist, die sachlich kaum zu rechtfertigen ist.

Wer einer Institution Vermögen im Wert von 133 Milliarden Euro zur Verwaltung anvertraut, hat einen Anspruch darauf, dass diese Institution ausführlich und genau über die Verwaltung Rechenschaft ablegt. Wenn sich die Bundesbank dem verweigert, leistet sie dem Misstrauen gegen jegliche Papiergeldwährung und damit auch gegen den Euro Vorschub, das in der Bevölkerung ohnehin schon grassiert. Es ist ja nicht vor allem die Angst vor der Inflation, die derzeit die Menschen in Sachwerte treibt, sondern die Angst davor, dass das Papiergeld an sich bald nichts mehr wert sein könnte.

Die Griechen könnten bald erleben, wie ihre noch nicht ins Ausland oder unter die Matratze verbrachten Ersparnisse mit einem Federstrich entwertet werden können. Die Hauptfunktion der Goldreserve der Bundesbank besteht darin, den deutschen das Vertrauen zu geben, dass ihnen das nicht passieren kann. Wenn Zweifel bestehen, dass die Goldreserve tatsächlich zur Verfügung steht, ist es Pflicht der Bundesbank, diesen entgegenzutreten. Wenn sie sich jahrzehntelang ohne eigene Prüfungen auf geduldiges Papier verlässt, während jedes normale Unternehmen jährlich die Anzahl der Bleistifte im Vermögensbestand per Inventur nachprüfen muss, verletzt sie diese Pflicht. Die US-Notenbank Federal Reserve, die unser Gold zum Großteil verwaltet, sollte gegen normales Geschäftsgebaren nichts einzuwenden haben. Wenn doch, dann haben wir tatsächlich ein Problem.

Kommentare (19)

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Joker1

15.05.2012, 15:51 Uhr

Wenn kein lückenloser Verbleibsnachweis erfolgt müssen
diese Herrschaften in Haftung genommen werden.
Wer Volksvermögen schlampig verwaltet oder gar veruntreut
muss haften.
Wenn ein kleiner Steuerbürger auch nur einen Euro
nicht zahlt, kommt der Gerichtsvollzieher.
Diese Bankgster sollten sich mal über die Umstände im
GULAG informieren. In Nordkorea gibts Platz.

WarumWarum

15.05.2012, 15:56 Uhr

Das Problem ist alles andere als neu. Allerdings wurde man bisher kurzerhand als paranoider Verschwörungstheoretiker diffamiert, wenn man darauf hinwies. Warum nur wird der Skandal jetzt offiziell?

Baier

15.05.2012, 16:07 Uhr

soviel Goldbarren im Land der Panzerknacker? Wenn das mal nicht schief geht!

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