Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.07.2012

23:03 Uhr

Kommentar

Das Gift des Protektionismus wirkt noch immer

VonJan Dirk Herbermann

In Krisenzeiten wollen Politiker ihre Heimatmärkte beschützen. Doch das Gift Protektionismus hat oft eine entgegengesetzte Wirkung: Das Abschotten der Konkurrenz führt zu höheren Kosten für Konsument und Steuerzahler.

WTO-Direktor Pascal Lamy muss gegen den Protektionismus in den Krisenstaaten vorgehen. Reuters

WTO-Direktor Pascal Lamy muss gegen den Protektionismus in den Krisenstaaten vorgehen.

Im Büro des Chefs der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, hängt ein Schwarz-Weiß-Bild: Es zeigt zwei zufrieden dreinblickende Gentlemen: die US-Politiker Reed Smoot und Willis C. Hawley. Sie gelten als Väter eines üblen Protektionismus: Die beiden trommelten im US-Kongress für ihren berüchtigten Smoot-Hawley-Tariff-Act.

Das Gesetz trat 1930 in Kraft, die ohnehin hohen US-Abgaben auf importierte Güter schossen in die Höhe. Viele Handelspartner revanchierten sich und erhöhten ihrerseits massiv die Zölle. Der Wettlauf der Protektionisten endete im Kollaps des Welthandels.

Jan Dirk Herbermann ist Korrespondent bei den Vereinten Nationen in Genf. © Marcel Malherbe / laif/laif  für Handelsblatt

Jan Dirk Herbermann ist Korrespondent bei den Vereinten Nationen in Genf.

Wenn immer der WTO-Boss Lamy heutzutage die beiden Erzprotektionisten auf dem Bild mustert, dürfte ihn Unwohlsein beschleichen. Denn das Gift der Abschottung, das Smoot und Hawley vor acht Jahrzehnten in die Adern der Weltwirtschaft injizierten, wirkt noch immer: In der Krise verfallen Regierungen rund um den Globus verstärkt auf dieses Mittel. Von Washington bis Buenos Aires, von Moskau bis Peking setzen die Mächtigen auf Isolierung ihrer Märkte, auf Barrieren für fremde Firmen und auf Finanzhilfen für ihre Wirtschaft.

Und das Arsenal der Protektionisten hat sich seit der Großen Depression noch verfeinert. Die sogenannten nichttarifären Handelshemmnisse erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit: So werden etwa Lebensmittelimporte verboten unter dem Vorwand, sie gefährdeten die Gesundheit der eigenen Bevölkerung.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

29.07.2012, 23:51 Uhr

Genau für diesen Protektionismus erhalten die Parteien ihren Regierungsauftrag vom Volk.
Für nichts anderes ! Ganz klar.

Oeconomicus

30.07.2012, 00:15 Uhr

"Den besten Schutz gegen den Protektionismus aber bietet die Vernetzung der Weltwirtschaft selbst: Immer weniger Produkte werden ausschließlich in einem Land produziert. Vielmehr überqueren Halb- und Teilprodukte oft mehrere Grenzen, bis sie fertiggestellt sind. Eine Abschottung schadet in der arbeitsteiligen Welt also immer öfter den eigenen Firmen, gefährdet immer öfter die eigenen Exporte, zerstört Jobs. Das sollte jeder Protektionist wissen."

Ja, so werden Abhängigkeiten geschaffen ... beispielsweise von Zulieferern für Seltene Erden ... das schafft Arbeitsplätze ... in Nürnberg bei der ARGE.

Ach ja, zum Thema Verbraucher-Preise ... die enormen Logistikkosten einschl. eines unübersehbaren Beamtenapparates schlagen auf die Verbraucher-Preise mangels Alternativen aus heimischer Produktion voll durch!

Account gelöscht!

30.07.2012, 00:21 Uhr

Ich habe selten einen solchen Unsinn gelesen: Der Autor sollte erst einmal erklären, was Protektionismus für ihn überhaupt ist. Wenn er das in sachliche Worte fassen würde, dann würde er sehen, dass die Welt voller Protektionismus ist. So ist es z.B. auch Protektionismus, wenn Lohnkostenanteile per Gesetz gesenkt werden oder höhere Energiesteuern nur von privaten Verbrauchern, aber nicht von der Industrie verlangt werden: Alles, was getan wird, um inländischen Produzenten die Gewinnerzielung leichter zu machen ("ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken"), ließe sich systematisch dem Protektionismus zuordnen.

Eine Welt frei von Protektionismus hätte man daher dann, wenn der Staat sich in die Wirtschaft gar nicht einmischte - will der Autor das? Vermutlich nicht.

Protektionismus im engeren Sinne ist immer noch zu allgemein, um ihn grundsätzlich loben oder verteufeln zu können: Will man es verhindern, dass einheimische Produzenten unter einheimischen Sozialstandards und Umweltstandards leiden, weil ausländische Konkurrenz vor den Hintergründen niedriger Sozial- und Umweltstandards produzieren kann, dann muss protektionistisch ein Ausgleich erfolgen - es geht überhaupt nichts anders, sonst kann man seine eigenen Sozial- und Umweltstandards sofort über Bord werfen.

Auch ansonsten enthält der Bericht Unsinn: Dem seinerzeit extrem protektionistischen Japan hat es nachweislich nicht geschadet, protektionistisch zu agieren, es konnte dabei zum Autoexporteur Nr. 1 werden. Auch ist es Unsinn, dass Protektionismus für den Steuerzahler teuer sein müsse: Einfuhrzölle bringen Geld in die Kasse, das man dann für Exportsubventionen einsetzen kann.

Offenbar wurde der Artikel im Hause VW geschrieben....

Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

http://belljangler.wordpress.com/zeugungsverweigerung-als-mittel-des-widerstandes/

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×