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03.01.2012

11:25 Uhr

Kommentar

Das Stottern der Geldmaschinen

VonMichael Maisch

Für die Hedge-Fonds sind einmal wieder bittere Zeiten angebrochen. Die Verlustmeldungen nehmen zu und einstige Star-Investoren erleben nun Pleiten. Doch die Zeichen lassen auch auf Reformen zugunsten der Kunden hoffen.

Michael Maisch ist Handelsblatt-Korrespondent in London Pablo Castagnola

Michael Maisch ist Handelsblatt-Korrespondent in London

Wenn es darum geht, den Absteiger des vergangenen Jahres zu küren, dann hätte der New Yorker Hedge-Fonds-Manager John Paulson sicher gute Chancen auf die goldene Zitrone. Noch 2010 galt Paulson als Wunderkind, das alles zu Geld macht, was es anfasst. Berühmt wurde er mit seiner ausgesprochen erfolgreichen Wette auf den Kollaps des US-Häusermarktes vor Ausbruch der Finanzkrise. 2010 soll der Hedge-Fonds-König der Wall Street fünf Milliarden Dollar kassiert haben – das wäre der höchste Gehaltsscheck aller Zeiten.

Doch das sind die Erfolgsgeschichten von vorgestern. 2011 verzockte sich Paulson gleich mehrfach. Sein Glaube an einen ungebremsten Anstieg des Goldpreises erwies sich genauso als Irrtum wie seine Hoffnung auf eine zügige Erholung der amerikanischen Wirtschaft und ihrer Banken. Die Folge: Paulsons wichtigster Fonds „Advantage Plus“ hat der Nachrichtenagentur Reuters zufolge in den vergangenen zwölf Monaten rund die Hälfte seines Wertes verloren.

Vielleicht tröstet es den gestrauchelten Star zumindest ein bisschen, dass er mit seinem Misserfolg nicht allein dasteht. Für viele Politiker in der EU mögen Hedge-Fonds noch immer arglistige Bösewichter sein, die sich heimtückisch gegen den Euro verschworen haben. Doch tatsächlich gehören die Spekulanten selbst zu den Opfern des durch die Schuldenmisere ausgelösten Bebens an den Märkten. Der gesamten Branche von London über New York und Zürich bis nach Singapur geht es so schlecht, wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht mehr.

Die Daten des Informationsdienstes Hedge Fund Research zeigen, dass der durchschnittliche Hedge-Fonds seinen Investoren im vergangenen Jahr ein Minus von rund neun Prozent beschert hat. Damit schneiden Paulson & Co. schlechter ab als die im MSCI-World-Index abgebildeten weltweiten Aktienbörsen, und das, obwohl sich die Hedge-Fonds doch damit brüsten, in allen Marktlagen Geld verdienen zu können.

Im Gegensatz zum Katastrophenjahr 2008, als der durchschnittliche Hedge-Fonds mehr als 20 Prozent an Wert verlor, ziehen die Investoren im Moment ihr Geld allerdings noch nicht in großem Stil ab. Aber je länger die Durststrecke anhält, desto größer wird die Gefahr, dass sich das Drama der Finanzkrise wiederholt, als Scharen von Hedge-Fonds aufgeben mussten, weil die Anleger ihnen das Vertrauen entzogen. Je größer die Enttäuschung der Kunden, desto schneller wird auch der Druck zu Reformen in der umstrittenen Branche wachsen, und Reformen haben die Hedge-Fonds bitter nötig, zumindest wenn man Simon Lack glaubt.

Lack hat lange Jahre im Auftrag der New Yorker Großbank JP Morgan in die spekulativen Fonds investiert. Jetzt hat er ein Buch mit dem Titel „Die Hedge-Fonds-Fata-Morgana“ geschrieben. Glaubt man Lack, dann haben Hedge-Fonds dank überhöhter Gebühren und notorischer Intransparenz vor allem die Fondsmanager reich gemacht und nicht die Kunden, die ihnen ihr Geld anvertrauten. Von 1998 bis 2010 hätten die Manager rund 85 Prozent der Gewinne abgeschöpft, die über der Rendite von Staatsanleihen lagen, hat Lack ausgerechnet.

Dafür macht der desillusionierte Banker allerdings nicht die Hedge-Fonds verantwortlich, sondern vor allem unkritische und naive Investoren, die sich jahrelang übervorteilen ließen. Das dürfte sich bald ändern, zumindest dann, wenn den Hedge-Fonds nicht sehr schnell eine überzeugende Ertragswende gelingt. Die Investoren haben viel Geld verloren, die Manager profitierten.

Der Autor ist erreichbar unter: maisch@handelsblatt.com

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