Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2012

20:49 Uhr

Kommentar

Der Buchmarkt steht vor einem Preiskrieg

VonHans-Peter Siebenhaar

In den USA klagte die Regierung wegen angeblicher Preisabsprachen bei E-Books. Und auch in Brüssel steht das Thema auf dem Plan. Dabei geht es für Verlage, Autoren und Händler um viel. Es droht ein Preisverfall.

Eine E-Book-Bibliothek auf einem Tablet-Computer. AFP

Eine E-Book-Bibliothek auf einem Tablet-Computer.

Auf den ersten Blick war es eine gute Nachricht. Die amerikanische Regierung geht gegen fünf Buchverlage und Apple wegen angeblicher Preisabsprachen bei elektronischen Büchern vor. Drei Buchverlage knickten bereits ein. Die mögliche Folge: Die Preise für E-Books könnten künftig dramatisch sinken. Der Marktführer Amazon will bereits mit Kampfpreisen von 9,99 Dollar die Wettbewerber in die Knie zwingen.

Die Preisspirale nach unten zu drehen ist ein gefährliches Spiel. Denn das US-Justizministerium könnte Amazon, Marktführer bei elektronischen Büchern, erlauben, viele E-Books mit Verlust zu verkaufen. Die Folgen wären verheerend. Der börsennotierte Handelsriese könnte seine Dominanz noch weiter ausbauen – womöglich bis hin zu einem Quasi-Monopol. Der Wettbewerb und die Vielfalt im ohnehin bereits konsolidierten Handel würden dann auf der Strecke bleiben. Die Leidtragenden wären die Verlage. Denn fallende Preise bedeutet nichts anderes als weniger Auswahl. Eine kulturelle Verarmung in der digitalen Informationsgesellschaft droht.

Handelsblatt-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar berichtet seit langem über die Medienbranche. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar berichtet seit langem über die Medienbranche.

In Europa hält sich die Aufregung über das Kartellverfahren in den USA in Grenzen – allen voran in Deutschland. Noch schützt die Buchpreisbindung Buchhändler, Verlage und Autoren vor Wildwestmethoden. Sie gilt auch für elektronische Bücher. Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg bestätigt. Doch der Schein trügt. Denn die Brüsseler EU-Kommission hat längst auch ein Verfahren eingeleitet, um angebliche Preisabsprachen für E-Books zu überprüfen. Gespräche mit Verlagen laufen bereits auf Hochtouren.

Dabei geht es um alles oder nichts. Denn die Preisgestaltung und die Preishoheit für elektronische Bücher entscheiden in der digitalen Medienwelt über Aufstieg und Fall. Nur wenn verlässliche Rahmenbedingungen für faire Preise möglich sind, wird es auch weiter einen vielfältigen Buchmarkt in Europa geben. Alles andere höhlt quasi durch die Hintertür die Buchpreisbindung aus.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

16.04.2012, 22:27 Uhr

Sehr geehrter Dr. Siebenhaar,

da ich selber sehr viele Bücher und auch E-Books lese, finde ich die derzeitigen Entwicklungen sehr interessant. Persönlich vertrete ich andere Ansichten als sie, die ich Ihnen auch darlegen möchte:

Zum einen finde ich Preise für deutsche E-Books eine echte Unverschämtheit! I.d.R. sind deutschsprachige E-Books gerade mal einen Euro günstiger als ihre gedruckten Pendants. Da stellt sich mir natürlich die Frage, warum das so ist, obwohl die Unternehmen doch spürbar Kosten für Druck usw. einsparen. Folglich sehe ich da absolut nachhol- bzw. handlungsbedarf.

Sie agumentieren, bei einer Senkung der E-Book Preise würde zwangsläufig auch zu einer Senkung der Preise für gedruckte Bücher führen, da beide n Konkurrenz zueinander stehen. Dieser Aussage kann ich nur teilweise zustimmen. Zwar würde sicherlich ein Preisdruck entstehen, doch habe ich festgestellt das ich mittlerweile (dank der E-Books) mehr lese. Meinem Freundeskreis geht dies genauso. Folglich könnten Preise für einzelne Bücher sinken, der Umsatz der Verlage könnte jedoch konstant gehalten werden, vielleicht sogar steigen.

Doch es gibt auch ein paar Punkte in ihrer Argumentation, die ich nicht nachvollziehen kann:

Sie sagen, Amazon könnte in Zukunft E-Books ab 9,99 USD anbieten. Einen Satz weiter sagen Sie, dass Amazon damit sogar Verluste machen dürfe.

Da frage ich mich wer in der Verwertungskette so gierig ist, dass 9,99 USD zur Kostendeckung nicht mehr ausreichen. Eine Bestsellerautorin wie Hera Lind verdient lt. eigener Aussage einen Euro pro verkauftem Buch, Amazon hat fast nur Fixkosten für Server (wobei die E-Books auf bereits vorhandenen Servern lagern).

Aufrund dieser Erkenntnisse, halte ich ihre Aussagen eher für Panikmache.

hurradiebwl

16.04.2012, 22:33 Uhr

Wenn ein Buch unter normalen Preisfindungsmechanismen nicht wirtschaftlich vermarktet werden kann, sollte ihm das gleiche Schicksal drohen wie jedem anderen Wirtschaftsgut auch.
Es würde ohnehin nur von wenigen gelesen und diese erhielten dann Subventionen von zu teuren Pop-Büchern.

Nach Logik des Authors/ der Verlagslobby muss also der Katzenberger-"Leser" die Elite subventionieren - klingt mir etwas zu schief...

BlueScreen

17.04.2012, 00:33 Uhr

@Johannes
Das liegt an der Buchpreisbindung.
wenn es die hier nicht gäbe, würde es ebooks auch sehr billig geben.
Und wenn das passiert dann gehen alle Büchereien pleite.
Du ließt doch viele Bücher oder nicht?
Wenn die Preise runter gehen dann wird es auch weniger Verlage geben weil einige insolvent werden. Und dann wär der Büchermarkt nicht mehr so vielseitig!
Also sei froh das es hier nicht so ist wie überallsonst!!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×