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12.11.2012

12:38 Uhr

Kommentar

Der bunte Vogel wird noch gebraucht

VonDietmar Neuerer

Alle Solidaritätsadressen können nicht darüber hinwegtäuschen: Claudia Roth ist nur noch Parteichefin auf Abruf. Doch die Grünen brauchen sie weiterhin - als schrägen, bunten Vogel, der linke Stammwähler hält.

Dietmar Neuerer ist Reporter im Hauptstadtbüro des Handelsblatts. Pablo Castagnola

Dietmar Neuerer ist Reporter im Hauptstadtbüro des Handelsblatts.

Sicher, eine Urwahl der Spitzenkandidaten, wie sie die Grünen erstmals veranstalteten, ist nicht ohne Risiko für alle Beteiligten. Wie in Parteien üblich, stehen sich Linke und Konservative gegenüber. Im Fall der Grünen sind es Fundis und Realos. Da muss es dann schon ausgeglichen zugehen. Und quotenmäßig muss es auch passen. Wenn ein Mann führt, darf eine Frau an der Spitze nicht fehlen. Und der linke Flügel muss genauso ganz oben mitspielen, wie das realpolitische Pendant. So funktionieren die Grünen.

Das war natürlich auch Claudia Roth bewusst als sie sich dafür entschieden hat, bei der Urwahl mitzumischen. Doch für sie war es von Anfang an ein Himmelfahrtskommando, zumal die linke Claudia neben Renate Künast und Katrin Göring-Eckardt den linken und populären Jürgen Trittin als Gegner hatte. Dass Trittin so überragend die Urwahl für sich entschieden hat, zeigt deutlich, welchen linken Parteikämpfer die Basis favorisiert. Und mit zwei Linken  an der Spitze hätten die Grünen nicht wirklich in den Wahlkampf ziehen können.

Grüne begrüssen Kandidatur von Roth

Video: Grüne begrüssen Kandidatur von Roth

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Nun ist eingetreten, was sich quasi schon mit der Kandidatenaufstellung zur Urwahl abgezeichnet hatte. Ob es fehlender politischer Instinkt war, der letztlich dazu führte, dass sich Roth diesem ausweglosen Kampf aussetzte? Und ob es nun abermals fehlender politischer Instinkt ist, dass Roth trotz der Urwahlschlappe wieder als Parteivorsitzende kandidieren will? Jedenfalls scheint sie die Signale, die die Parteibasis sendet, nicht zu hören, nämlich, dass man nicht ihr, sondern eher einem Jürgen Trittin zutraut, Wahlen zu gewinnen.

Nun mögen die vielen Solidaritätsbekundungen von Parteifreunden Roth darin bestärkt haben, an der Parteispitze weiterzumachen. Nur muss man auch sehen, dass die Grünen wohl derzeit keine Alternative zu Roth parat haben. Die Wahlen zum Bundesvorstand finden bereits am kommenden Wochenende statt. Der Zeitdruck, eine neue Kandidatin aus dem linken Parteispektrum aus dem Hut zu zaubern, hätte erhebliches Chaos auslösen können und am Ende möglicherweise eine Entscheidung provoziert, die noch mehr Schaden angerichtet hätte. Dann lieber Roth an der Spitze belassen. Alles andere wird sich dann ohnehin fügen.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

12.11.2012, 12:54 Uhr

Ja, wo ist denn der Artikel "Das war nicht die Abwahl der Parteivorsitzenden" geblieben mit seinen 90% Kommentarlöschungen.
Der war aber schon sehr unangenehm, liebes HB-Team, was ?

kegeltour

12.11.2012, 13:28 Uhr

die kann die wahrheit wohl nicht vertragen

Stephan

12.11.2012, 13:40 Uhr

Der symptomatische bunte Vogel heisst auf Englisch lame duck...

Allgemein:

Es fehlen in der politischen Landschaft überzeugnede Ideengeber, Visionäre. Stattdessen beim gefrusteten Volk ein mir unheimlicher Hang zu Typen wie z.B. K. T. zu Guttenberg oder ein Einknicken vor der Merkel, die sich "alternativlos und systemrelevant" gemacht hat. Warum die Grünen so populär in Städten sind, ist mir ein Rätsel. Intelligenter, frischer Wind merke ich in meiner Grünen-Hochburg nicht und auch nicht im restlichen BW. Aber schlechter machen sie es auch nicht, wahrscheinlich ist aber jede Partei das selbe Grau zumutbar, solange sie sich nicht an zu vielen Stellen aus Machtgeilheit selbst zerfleischt.

Über die Grünen:

Trotz des tristen Bildes bringt auch ein gequälter bunter Vogel keine Farbe ins Spiel und ist daher verzichtbar. Echte Inspiration hat Roth für mich nie versprüht und daher ist sie auch für Realos aus dem linken Flügel uninteressant. Mal so richtig den Vogel abgeschossen hat die Roth zumindestens nie, dafür aber, wie es sich offenbar heute gehört (und auch wieder wie bei Raabs Show beobachtet werden durfte), sich immer in den Vordergrund gedrängelt mit markanten, aber letztendlich unwichtigen Worten. Dafür bekommt sie nun eine Menge Geld und das ist leider zu 90 % Realpolitik. Schon paradox, dass Roth wahrscheinlich gegen den Politadel wettert... Das würde ich mir von ernstzunehmenderen Personen wünschen.

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