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22.05.2012

11:33 Uhr

Kommentar

Der Facebook-Hype ist vorüber

VonChristian Schnell

Schneller als vermutet entzaubert: Das Unternehmen hat beim Börsengang hoch gepokert, viele Fehler gemacht - und vorerst verloren. Investoren und Analysten werden das Unternehmen auch in Zukunft kritisch beurteilen.

Börsengang: Wie Facebook sich selbst schadete

Video: Börsengang: Wie Facebook sich selbst schadete

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FrankfurtEs ist eine Entzauberung von historischer Dimension: Noch nie in der Geschichte der Mega-Börsengänge gab es weltweit innerhalb so kurzer Zeit eine solche Ansammlung an Fehleinschätzungen und Pannen wie bei Facebook. Erst hatten die Altaktionäre zwei Tage vor dem Start angekündigt, die Haltefrist für ihre Papiere mal eben von den üblichen 180 Tagen auf die Hälfte zu reduzieren, dann gab es zum Handelsstart technische Probleme bei der Technologiebörse Nasdaq. Zu guter Letzt behaupteten viele, die es wissen müssten, nur massive Stützungskäufe der führenden Emissionsbank Morgan Stanley hätte ein Abrutschen unter die Marke von 38 Dollar verhindert. Das ging am ersten Handelstag noch gut, gestern nicht mehr. Mehr als acht Prozent verlor die Aktie zum Handelsauftakt auf rund 35 Dollar.

Christian Schnell ist Teamleiter Geldanlagen des Handelsblatts in Frankfurt. Pablo Castagnola

Christian Schnell ist Teamleiter Geldanlagen des Handelsblatts in Frankfurt.

Wer eine Woche zurückdenkt, der erinnert sich hingegen an das Gerede der beteiligten Banken von einem Facebook-Hype unter Investoren und daran, dass an dieser Aktie angeblich keine große Adresse weltweit vorbeikomme. Gerade deswegen wurde die Preisspanne noch einmal von den ursprünglichen 28 bis 35 Dollar auf 34 bis 38 Dollar nach oben gesetzt. Zum höchsten Kurs kamen sie dann am Freitag in den Handel.

Nun ist es bei Börsengängen nicht anders als beim Kuhhandel. Käufer und Verkäufer müssen über den Preis zusammenfinden. Und hier hat es Facebook-Gründer Marc Zuckerberg samt seinen beteiligten Banken verstanden, durch geschickte Selbstdarstellung preislich das Äußerste rauszuholen. Das ist legitim. Die Frage ist lediglich, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, auf ein geradezu überhebliches Anheben der Preisspanne zu verzichten. Damit hätte man auf wenig Geld verzichtet, aber auch weniger Reputation verloren. Von dem kleinen gallischen Dorf aus "Asterix und Obelix", das sich erfolgreich allen Regeln der römischen Obrigkeit widersetzt, hatten in der vergangenen Woche Analysten - halb im Ernst, halb im Scherz - über den Facebook-Börsengang gesprochen.

Allein gegen den Trend: Eine Kursschwäche wie überall sonst an der Börse oder einen konjunkturellen Gegenwind gebe es da nicht. Doch es gibt ihn sehr wohl.

Facebook wurde sehr viel schneller auf den Boden der Börsen-Realität zurückgeholt, als viele das erwartet hatten. Nun beginnt der Alltag mit kritischeren Investoren und Analysten. Mehr Sinn für die Realität als zuletzt wäre da angemessen. Damit der Börsengang nicht irgendwann als Paradebeispiel dient, wie man es nicht machen sollte.

Kommentare (3)

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P17

22.05.2012, 12:23 Uhr

3,8 Mrd Umsatz, Gewinn 1,0 Mrd und ein nahezu wertloses Stimmrecht. Wer solch eine Aktie zu einem Kurs kauft, der das Hundertfache des Gewinns darstellt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen und sollte besser in eine Anstalt. Auch, wenn man sagen muss, dass hier in einer Art und Weise nachgeholfen wurde, die jegliche Moral vermissen läßt. Eine nicht unbekannte US-Investmentbank (wer wohl?)war mal wieder mit von der Partie und hat vor einiger Zeit mit eigenen Käufen - welche sie auch agressiv publik gemacht hat - einen solch hohen Börsenwert den unbedarften Anlegern vorgegauckelt, zum "Anfüttern" sozusagen. Die Hütchenspieler in den Fußgängerzonen lassen gerne immer ein Bandenmitglied inkognito mitspielen und ständig gewinnen, so will man fremde Spieler anlocken um sie dann bis aufs Hemd abziehen zu können. Ähnlichkeiten zu Vorab-Aktien-Käufen von US-Investmentbanken sind natürlich rein zufällig. 3,8 Mrd Umsatz, 1,0 Mrd Gewinn, 100 Mrd Börsenwert und dazu noch ein nahezu wertloses Stimmrecht - wenn dieser Börsengang ein dauerhafter Erfolg werden sollte, dann sind die Dummen nicht nur nicht ausgestorben, sondern haben sich sogar noch rasant reproduziert. Ein fairer Firmenwert dürfte so ca. bei 12-18 Mrd. USD liegen, was einem Aktienkurs zwischen 5,00 und 10,00 USD entspräche. Manche bezeichnen dies als institutionalisierten Betrug - ich würde dem nicht widersprechen wollen.

dirk

22.05.2012, 13:03 Uhr

ebenfalls gebau meine Rechnung !
nicht mehr als 10Mrd Börsenwert und ca. 5-8 je Aktie !

anonymous

22.05.2012, 13:11 Uhr

Eingepreist ist angeblich eine Zukunftserwartng. Ich höre von 900Mill potentiellen Kunden. Diese 900Mill Profile würde es nicht geben, wenn die Benutzung auch nur 1c im Monat kosten würde! Ich selbst habe 4 Profile bei FB und bin damit sicher kein Einzelfall. Werbung interessiert mich überhaupt nicht und wird weder angeklickt noch beachtet. Kommt mehr Werbung auf die Site, lösche ich alle 4 Accounts. Ich brauche FB nicht wirklich zum Leben zumal es genug Alternativen gibt. Ich bin dort, weil es kostenlos ist und es egal ist ob ich da 1 oder 100 Profile anlege. Ich kaufe vieles über Internet, um nicht zu sagen so gut wie alles außer Lebensmittel. Über Facebook würde ich keinen einzigen Handel betreiben wollen. Das passt nicht zum Social Networking. Und die Händlerangebote sind außerhalb FB mehr als ausreichend und konfortabel vorhanden. Bei Google hat das mit der Werbung noch funktioniert. Aber Facebook? Niemals!
Und wo sollen soviele Werbeeinnahmen herkommen, dass sich der enorme aufgeblasene Börsenkurs jemals rechnet? Wie will Facebook jemals angemessen Geld verdienen? Ich denke, das Maximum ist fast erreicht und Zuckerberg&Co. haben es genau erkannt und sind rechtzeitig ausgestiegen! Über Monate hat man vor dieser Blase gewarnt. Da kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Die Dummen sterben nicht aus! Nun erkennt man sie an ihren Depotauszügen. Jeder FB Jungaktionär hat nun den Titel dummes Schaf mehr als verdient!
Diese Entwicklung war vorher zu sehen. Gut, dass ich drauf gewettet habe! Danke Facebook. Ich bin einer der Glücklichen, der mit dieser Schrottaktie Gewinn machen konnte!
Mein Beileid gilt noch der armen Investmentbank Morgan Stanley, die sich anscheinend einen sehr unvorteilhaften Vertrag hat aufdrücken lassen. Da wird wohl kein Gewinn hängen geblieben sein, nur viele überbewertete Aktien. Hoffentlich geht ihr nicht pleite!

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