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21.12.2011

16:01 Uhr

Kommentar

Der Fluch der deutschen Solarförderung

VonGeorg Weishaupt

Die üppige deutsche Solarförderung sollte ein Segen sein für die Solarbranche. Doch das Gegenteil ist inzwischen der Fall: Sie erweist sich für die deutschen Hersteller von Solarzellen und -modulen immer mehr als Fluch.

Handelsblatt-Autor Georg Weisshaupt Pablo Castagnola

Handelsblatt-Autor Georg Weisshaupt

Diesen Fluch bekommt die Berliner Solon AG als Erste zu spüren. Die einstige Vorzeigefirma der weltweiten Solarbranche hat vergangene Woche den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Heute traf es Solar Millennium. Weitere Unternehmen dürften folgen, denn vielen geht es finanziell schlecht, sehr schlecht.

Schuld ist nicht zuletzt die deutsche Solarförderung. Jeder, der in Deutschland eine Photovoltaik-Anlage kauft und ans Stromnetz anschließt, erhält für jede Kilowattstunde einen festen Betrag - die sogenannte Einspeisevergütung. Diese Summe ist trotz zahlreicher Kürzungen immer noch recht üppig: Sie beträgt für eine kleinere Anlage 28,74 Cent pro Kilowattstunde - und das 20 Jahre lang garantiert.

Diese Förderung hat viele Unternehmen träge gemacht. Sie brauchten sich jahrelang keine großen Gedanken über den Verkauf ihrer Solarmodule und -zellen zu machen. Sie hatten lediglich ein Problem: Sie mussten nur schnell genug produzieren. Denn das Geschäft lief fast von allein. Es war ein regelrechter Verkäufermarkt. "Die Hersteller saßen auf einem hohen Thron und teilten ihre Solarmodule quasi zu", erinnert sich ein Projektierer, der Solarparks baut.

Die paradiesischen Zustände verleiteten manchen, ein großes Rad zu drehen. So gönnte sich der Solarmodulproduzent Solon in Berlin ein schickes Firmengebäude mit riesigem Lichthof und üppigen Rankpflanzen. Sein übersteigertes Selbstbewusstsein teilte er auch seinen Kunden und der gesamten Öffentlichkeit in seinem Slogan mit: „Don't leave the planet to the stupid“ - dumm sind die anderen.

Die Höhe der Produktionskosten spielte nur eine Nebenrolle. Schließlich sicherte die luxuriöse Förderung einen wachsenden Absatz. Die internationale Konkurrenz war noch klein und lieferte zum Teil nur minderwertige Billigmodule. Das brachte ihnen den Spott ihrer deutschen Konkurrenten ein.

Aktienkurs bricht ein: Solar Millennium beantragt Insolvenz

Aktienkurs bricht ein

Solar Millennium beantragt Insolvenz

Das Unternehmen begründet den Schritt mit Problemen in den USA.

Doch während sich Solon, Q-Cells und die anderen noch im Paradies wähnten, veränderte sich die Sonnenwelt radikal. Der für die deutschen Hersteller so wichtige Auslandsmarkt Spanien brach ein, weil die Regierung die Förderung kürzte. Hinzu kam Ende 2008 die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, die viele Hersteller in existenzielle Schwierigkeiten brachte.

Außerdem blieben die deutschen Vorzeigefirmen nicht alleine auf dieser Welt. Immer mehr chinesische Unternehmen drängen in den Markt. Sie wollen von der immer noch satten Solarförderung profitieren. Konzerne wie Yingli oder Trina Solar haben riesige Fertigungskapazitäten aufgebaut und sind zu den Topanbietern auf dem Weltmarkt aufgestiegen. Sie produzieren etwa ein Fünftel billiger als ihre deutschen Wettbewerber. Entsprechend günstig verkaufen sie ihre Solaranlagen.

Solarmodulhersteller: Solon hofft trotz Insolvenz auf Rettung

Solarmodulhersteller

Solon hofft trotz Insolvenz auf Rettung

Solarmodulhersteller Solon hofft trotz der Insolvenz auf eine Rettung der Firma.

So nehmen chinesische und andere asiatische Hersteller den einstigen deutschen Elite-Unternehmen immer mehr Marktanteile in Deutschland ab. Denn die deutschen Häuslebauer und Betreiber von Solarparks greifen lieber zu den billigeren China-Modulen und sichern sich gleichzeitig die noch hohe Solarförderung. Kein Wunder, dass diese auch in Berlin immer mehr in die Kritik gerät. Zumal sie von allen Stromkunden getragen werden muss. Sie hat sich für alle bis Ende vergangenen Jahres installierten Anlagen auf einen gigantischen Betrag aufgetürmt: rund 82 Milliarden Euro. Ein Geldsegen für die Kunden. Ein Fluch für die deutsche Solarbranche.

Kommentare (17)

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DBBMWAudi

21.12.2011, 16:13 Uhr

Frage: Und wann trifft es die Automobilindustrie?

watsolles

21.12.2011, 16:28 Uhr

Jahrelange Preisabsprachen haben die Solarfirmen zu Zockerbuden verkommen lassen. Die Angebote glichen wie ein Ei dem anderen. Oder widerspricht mir da jemand?

watsolles

21.12.2011, 16:28 Uhr

Jahrelange Preisabsprachen haben die Solarfirmen zu Zockerbuden verkommen lassen. Die Angebote glichen wie ein Ei dem anderen. Oder widerspricht mir da jemand?

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