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10.10.2012

06:48 Uhr

Kommentar

Der geplatzte EADS-Deal kennt nur Verlierer

Die Fusion von EADS und BAE wäre einer der wichtigsten Deals des Jahrzehntes geworden. Dieser europäische Rüstungsriese hätte die Welt sicherer gemacht. So gibt es nur Verlierer – vor allem in Deutschland.

Ein BAE-Produkt: die F-35 Lightning II Joint Strike Fighter Reuters

Ein BAE-Produkt: die F-35 Lightning II Joint Strike Fighter

Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn Tom Enders nicht diesen Unfall beim Fliegen gehabt hätte. So musste der EADS-Chef die Reise nach China absagen, wo er eigentlich mit Kanzlerin Merkel über die Fusion sprechen wollte. Da hätte man ihr die ganze Sache schön schmackhaft machen können.

So kam alles anders und es bleibt ein Scherbenhaufen. Die Politik – und zwar auch die deutsche Seite – hat ein unrühmliches Spiel gespielt. Aus einem Staatskonzern hätte ein normales Unternehmen werden sollen. Doch Frankreich, Großbritannien und Deutschland waren aus vergleichsweise nichtigen Gründen dagegen.

Was sich da in den letzten Wochen hinter den Kulissen an Misstrauen zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien aufgestaut hat, würde ein Scheidungsrichter als "unüberbrückbare Differenzen" werten und die Ehe beenden. Dabei wollen die Beteiligten aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien erst noch heiraten.

Die nationalen Interessen sind enorm. Frankreich will seinen Einfluss bei einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern nicht nur halten, sondern ausbauen. Deutschland ist vor allem an der Sicherung der Arbeitsplätze und Standorte interessiert, es besteht die Gefahr einer Verlagerung des Konzernsitzes von München nach Toulouse.

Im deutschen Hinterkopf schwebt nach wie vor die Sorge über ein Bündnis aus Großbritannien und Frankreich, gegen das Berlin den Kürzeren zieht. Die Briten meiden den Staat wie der Teufel das Weihwasser. Und jeder befürchtet, von den anderen über den Tisch gezogen zu werden.

Dazu kommt ein gehöriges Maß an Machtdünkel und Eitelkeit. Und es zeigt sich, wie es um die Vertrauens-Basis in Europa wirklich bestellt ist – nämlich richtig schlecht. Das gilt insbesondere für das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich.

Kommentare (11)

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10.10.2012, 15:38 Uhr

Hoffentlich ist der Deal für immer gescheitert.

Wir brauchen auch die Franzosen nicht.

Wir konnten schon immer alleine Flugzeuge bauen und waren der restlichen Welt darin vorraus.

Erst durch die verfehlte Industriepolitik ist so ein gräusliches Element wie die EADS entstanden.

Die Franzosen und die Angelsachsen führens isch nach wie vor wie die Herren der Welt auf, egal ob Libyen, Syrien, Irak, Iran, Sudan, Afghanistan und ie anderen hundertsoundsoviele Länder. Überall klebt Blut an Ihren Händen. Kriege und Unruhen von Ihnen und den von Ihne bezahlten ausländischen Söldnern sagen schon alles.

Deswegen keine Kooperation mit Angelsachsen und den großmachtfantasiereichen Franzosen.

Account gelöscht!

10.10.2012, 15:39 Uhr

Von wegen deutsch-französische Freundschaft. Es geht um Interessen.

Account gelöscht!

10.10.2012, 15:42 Uhr

Aus nichtigen Interessen haben die Staaten den Deal nicht gestoppt.
Die Fusion hätte den USA einen massiven Einfluß und Know How Transfer auf das neue Konstrukt ermöglicht. Europäische Interessen würden unterlaufen und damit Europa in seiner Selbstständigkeit geschwächt.

Auch eine EU-Osterweiterung wäre so niemals mehr möglich gewesen. Die USA hätten aus Sicherheitsinteressen jedwede militärische Annäherung an Russland unterbunden.

Gut, dass die Staaten den Strippenziehern nicht auf den Leim gegangen sind!

Enders hat ein riesigen Fehler gemacht und dabei sogar nationale Interessen massiv verletzt.

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