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21.05.2012

12:02 Uhr

Kommentar

Der Metall-Tarifvertrag verlagert nur die Probleme

VonDietrich Creutzburg

In der praktischen Anwendung droht sich der Kompromiss von Arbeitgebern und IG Metall als Fehlschuss zu erweisen. Denn mit dem Vertrag werden den Betriebsräten neue Machthebel an die Hand gegeben.

Dietrich Creutzburg ist Korrespondent in Berlin. Pablo Castagnola

Dietrich Creutzburg ist Korrespondent in Berlin.

Manche Tarifabschlüsse zeigen erst nach einigen Jahren ihr wahres Gesicht. Das gilt im Guten wie im Schlechten. Diesmal besteht leider die Gefahr, dass sich das Ergebnis der nächtlichen Tüftelei von IG Metall und Arbeitgebern im späteren Praxistest als hässliches Exemplar von Kompromiss erweist - bei dem hinter den offensichtlichen Vertragsinhalten eine zweite Schicht Konfliktstoff zum Vorschein kommt.

Das liegt nicht in erster Linie an der Tariferhöhung. Die ist mit 4,3 Prozent zwar sehr kräftig ausgefallen. Doch gemessen an der aktuellen Verfassung der Schlüsselbranchen der deutschen Exportwirtschaft, fällt das Plus nicht so weit aus dem Rahmen, dass es einen Wendepunkt markiert. Vor Jahresfrist, als die Metaller noch an ihren Krisenpakt von 2010 gebunden waren, gab es in der chemischen Industrie bereits ein Plus von 4,1 Prozent - der Abschluss der IG Metall ist nun das Echo darauf.

Die Tücken lauern an anderer Stelle - dort, wo sich der Kompromiss nicht als Zahl präsentiert, sondern in einem Gestrüpp komplexer Konditionen verliert. Richtig ist: Die IG Metall hat, anders als ihre Kampagnen nahelegten, den Betrieben keine starre Pflicht zur unbefristeten Übernahme aller Lehrlinge auferlegt. Und ebenso wenig hat sie Betriebsräten ein Blockaderecht gegen jeglichen Einsatz von Zeitarbeitern verschafft. Aber sie hat im Tarifvertrag einen Katalog neuer Verhandlungsprozeduren installiert, die den Betriebsräten neue Machthebel an die Hand geben.

Welche Tragweite so etwas haben kann, führte - unter umgekehrten Vorzeichen - einst das "Pforzheimer Abkommen" über betriebliche Abweichungen vom Flächentarif vor. Dieser 2004 nach langem Streit errungene Flexibilisierungspakt wirkte zunächst wie ein Papiertiger, weil er formal alle Macht bei den Tarifparteien beließ. In der Praxis aber stellte der Papiertiger bald das ganze Gefüge auf den Kopf. Die Betriebsräte rissen das Verfahren an sich, "Pforzheim" wurde der Wendepunkt hin zu einer flexibleren Flächentarifpolitik.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

21.05.2012, 12:14 Uhr

Die Politik ist nicht gewillt prekäre Arbeitsverhältnisse und Sklavenhandel Einhalt zu gebieten. Und so ist es nur gut, wenn die IG Metall hier etwas tut.

Es muß alles getan werden, um die Einkommensscheren zu schließen.

KBRV

21.05.2012, 13:44 Uhr

Liebes Handelsblatt,

als Konzernbetriebsratsvorsitzender kann ich den Artikel von Herrn Creutzburg, nicht ganz so stehen lassen. Betriebsräte sind nicht mit den "Problemverlagerungen" allein, wenn Sie im guten Kontakt zur IG Metall stehen.
Stimmt dann auch noch der Rückhalt in der Mannschaft/Mitarbeiterschaft in Form eines hohen Organisationsgrades bei der IG Metall, dann sind die Probleme oftmals perfekt zu regeln.
Wir haben den Sanierungs-Tarifvertrag gemäß Pforzheimer Abkommen, mit direkter Begleitung im Verhandlungsteam, mit der IG Metall und dem Arbeitgeber geführt und erreicht. So, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach 2,5 Jahren noch Ihre Arbeit haben und viele Betriebe so saniert sind, dass diese sich keine Zukunftssorgen machen müssen.
Klar ist dabei, dass Betriebsräte gut ausgebildet sein müssen und eben auch den Mumm haben mit dem Arbeitgeber über die Unternehmensentwicklung zu streiten. Denn in den meisten Fällen sind die Betriebsräte länger im Unternehmen als die Geschäftsführer.
Ansonsten müssen wir als Betriebsräte unseres Konzerns, aber dem Handelsblatt dankbar sein, denn die Berichterstattung in der Krise hat uns bei der "Problemlösung" unterstützt.
Danke.

Account gelöscht!

21.05.2012, 17:22 Uhr

Berthold Huber und seine Dilettanten haben nichts,- aber auch gar nichts verstanden,
halten 1x im Jahr (1.Mai) Pseudo kämpferische Reden und bilden sich ein, Druck auf
die Arbeitgeber ausgeübt zu haben. Jetzt ist die Zeit für kräftige Lohnerhöhung damit
auch die EU Peripherie-Länder gestärkt werden, aber „Die“ haben es wieder verpennt.
Dieser „Tarifeinigung“ müsste man eine Absage erteilen, - in die Tonne treten!
Für was brauch ich noch eine Gewerkschaft? Streiks verboten, Generalstreik sowieso
(seit 1955) da spare ich doch lieber den Gew. Beitr. und habe ein höheres Gehaltsplus!
Schäuble hatte den Gewerkschaftern (auf Druck der EU) eine „Steilvorlage“ gegeben,
das ein kräftiger Lohzuwachs berechtigt ist, das haben die Bosse der IG-Metall-
nicht begriffen.
IG-Metall-Chef Berthold Huber kritisiert die Bundesregierung heftig für ihren Umgang mit der europäischen Schuldenkrise, - mit kritisieren ist es nicht getan, gesprochen, vergessen –
so läuft das, das ist „Weichei-Mentalität“ – Duckmäuser - Manier.
Sie hatten es in der Hand die anderen EU-Länder zu stärken und das Ungleichgewicht
auszugleichen, aber diese „Elitenköpfe“ wollen einfach nicht begreifen, - die sitzen
eben in den Aufsichtsräten und sind nur daran interessiert ihr Aktienpaket zu steigern.

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