Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2012

07:13 Uhr

Kommentar

Der nächste Untergang kommt bestimmt

VonJosef Joffe

Rosige Vorhersagen locken keinen Hund hinterm Ofen hervor. Das wissen auch die Weltuntergangspropheten. Zwar kam der letzte vorausgesagte Untergang nicht - dafür aber neue Horrorszenarien vom Club of Rome.

Josef Joffe ist Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“. picture alliance / ZB

Josef Joffe ist Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Erinnern Sie sich noch an den Club of Rome? Er ist wieder da, obwohl er sich nach seinen törichten Weltuntergangsverkündigungen in den Siebzigern hätte in vornehmes Schweigen hüllen müssen.

Das jüngste Unheilsszenario der „engagierten“ Wissenschaftler ist hinlänglich bekannt. Es werden kommen: Dürren, Fluten und Insekten wie bei den zehn Plagen, die auf Ägypten niedergingen. Die Erwärmung um zwei Grad wird das Eis schmelzen lassen und den Meeresspiegel um einen halben Meter anheben. Goodbye, Malediven und Bangladesch, darf man hinzufügen.

Der allererste Bericht, The Limits of Growth (1972), wurde zwölf Millionen Mal verkauft. Auch der lässt sich knapp resümieren: In ihrer Gier nach Mehr werde sich die Welt selber auffressen. Als Erstes wäre das Öl am Ende. Wüchse der Verbrauch wie gehabt, würde die Welt 1992 auf dem Trockenen sitzen. Nach heutiger Schätzung wird die Apokalypse auf sich warten lassen: Die Ölreserven der Top-17-Produzenten sind noch für 60 Jahre gut.

Wieso das krasse Fehlurteil der Grenzen des Wachstums? Erstens liebt der Mensch das Desaster, wenn es nur weit genug weg ist. Zweitens lieben auch die Weltuntergangspropheten das Verhängnis; mit rosigen Orakeln kommt man weder in die Bibel (Jesaja, Jeremia & Co.) noch in die Talkshow.

Jesaja und Jeremia gehören zu den beiden großen Propheten Israels, weil niemand das Geweissagte so genau an den Folgen maß. Schweigen müsste der Club of Rome nicht nur wegen des Öls. Weiland hatte das schlimmste Szenario 15 Milliarden Menschen auf Erden prophezeit. In „2052“ heißt es nun: In zwanzig Jahren wird bei acht Milliarden Schluss sein. Wieso die Volte? Tja, die Menschen vermehren sich nicht mehr so schnell; das konnte doch niemand wissen.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.05.2012, 09:54 Uhr

Schöner Kommentar, dem ich in weiten Teilen zustimme.

Allerdings sollte sich gerade die Presse fragen, ob sie diese Untergangs-Prognosen nicht selber benutzt, um die Menschen in die der eigenen Agenda gemäßen Richtung zu beeinflussen.

Meiner Meinung nach, sollte die Presse die Menschen aufklären und informieren aber nicht ihre Weltsicht und Meinung beeinflussen.

Die Zeit ist zum Beispiel so pro-europäisch, pro EU-(DSSR), das grenzt schon fast an Gehirnwäsche. Dazu kommt noch das ständige Wegzensieren von unangenehmen Kommentaren. Die Zeit sollte sich hier ein Beispiel am Handelsblatt nehmen.

Privatier

21.05.2012, 10:56 Uhr

Die Ganzen Experten und selbsternannten Propheten verfolgen alle mehrheitlich das gleiche Ziel, nämlich ihre persönliche Bereicherung!
Leben heißt Veränderung, in welche Richtung auch immer. Die Evolution läuft, mit oder ohne Menschheit.

LJA

21.05.2012, 16:44 Uhr

Die Häme des Autors ist weitgehend unangebracht. Natürlich sind die Prognosen des Club of Rome so nicht eingetreten. Es waren halt Prognosen und keine Prophezeiungen.
Dabei war die Quintessenz der Aussagen immer:"Wenn die aktuellen Entwicklungen unverändert so weitergehen, dannn..."
Die Entwicklungen haben sich aber sehr wohl verändert und zwar zu einem erheblichen Teil aufgrund der Warnungen aus den 60er und 70er Jahren. In dem Artikel wird das Vorantreiben der technischen Entwicklung bereits genannt. Diese wurde aber nicht nur von den Marktpreisen getrieben, sondern auch von Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten die schon einige Zeit früher begannen und zum einem Großteil durch die Aussagen des Club of Rome et al befördert wurden.

Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele. So setzte z.B. in vielen Asiatischen Staaten zu dieser Zeit ein Umdenken bezüglich der Familienplanung ein. Bis weit in die 60er hinein, galt dort noch eine möglichst grosse Bevölkerung als erstrebenswert, auch in Japan.
Somit haben die damaligen Clubmitglieder zumindest in weiten Teilen das erreicht, was sie eigentlich wollten. Ihr Ziel war es nämlich nicht, Recht zu behalten, sondern die angekündigten Katastrophen zu verhindern. Damit hatten sie dann auch vorerst Erfolg.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×