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22.01.2013

06:33 Uhr

Kommentar

Der neue Mister Euro muss noch überzeugen

VonRuth Berschens

Jeroen Dijsselbloem hat von Jean-Claude Juncker das Amt des Eurogruppen-Vorsitzenden übernommen. Junckers Autorität muss sich der Niederländer allerdings erst noch verdienen.

Der Neue

Eurogruppe wählt Niederländer Dijsselbloem

Der Neue : Die Eurogruppe wählt den Niederländer Jeroen Dijsselbloem zum neuen Chef.

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BrüsselAn ihren neuen Vorsitzenden müssen sich die Mitglieder der Eurogruppe noch gewöhnen. Das offenbarte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn in der Nacht zum Dienstag unfreiwillig. Der Finne schaffte es im ersten Anlauf nicht, den Namen Dijsselbloem korrekt auszusprechen - und musste sich prompt von Jean-Claude Juncker korrigieren lassen. Sehr lange kennt Rehn Jeroen Dijsselbloem ja auch noch nicht: Der Niederländer wurde erst vor drei Monaten Finanzminister und hat erst an wenigen Eurogruppen-Sitzungen teilgenommen. Die Finanzminister der anderen Euro-Staaten können also noch gar nicht ganz genau wissen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben.

Ein erstes Bild hat man sich von dem neuen Mann an der Spitze der Euro-Gruppe allerdings schon gemacht - und das hat vor allem mit seinem Heimatland zu tun: Die Niederlande gehören zu den wirtschaftlich erfolgreichen nordeuropäischen Staaten mit der Topnote AAA. Deutschland setzt daher nicht zu Unrecht darauf, dass Dijsselbloem den Spardruck auf die finanziell angeschlagenen Staaten im Süden aufrechterhalten wird. Diese Erwartung hat Dijsselbloem unmittelbar nach seiner Wahl zum Eurogruppen-Chef gestern Nacht in Brüssel bereits erfüllt. Haushaltskonsolidierung sei weiterhin zwingend notwendig, um das Vertrauen der Finanzmärkte in die Euro-Zone wieder herzustellen, verkündete der 46-jährige Sozialdemokrat.

Chef der Eurogruppe: Niederländer Dijsselbloem ist der neue Juncker

Chef der Eurogruppe

Dijsselbloem ist der neue Juncker

Die Euro-Finanzminister haben den Niederländer Jeroen Dijsselbloem ernannt.

Der Newcomer muss jedoch sehr aufpassen, dass er in der Euro-Zone nicht nur als Erfüllungsgehilfe des großen Nachbarn Deutschland wahrgenommen wird. Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker ist während seiner acht Jahre als Eurogruppen-Vorsitzender ein Spagat gelungen: Einerseits vertrat der Luxemburger selbst einen AAA-Staat und stand damit auf der Seite Deutschlands. Andererseits kommt er aus einem sehr kleinen Land und fühlte sich insofern solidarisch mit anderen kleinen und schwachen Euro-Staaten. So gelang es Juncker, das Vertrauen aller zu gewinnen und die Euro-Zone in größten Stresssituationen zusammenzuhalten.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Die Autorin

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Dijsselbloem muss erst noch beweisen, ob er dazu in der Lage ist - und zwar bald. Die Südeuropäer haben ihn nämlich bereits im gegnerischen Lager der AAA-Staaten einsortiert. Spaniens Finanzminister weigerte sich sogar, Dijsselbloem seine Stimme zu geben, was in der stets auf Konsensentscheidungen bedachten Eurogruppe höchst ungewöhnlich ist.

Dijsselbloem ist also gut beraten, wenn er bei den Südeuropäern um Vertrauen wirbt. Das wird nicht gehen, wenn er der Bundesregierung immer nach dem Mund redet. Wenn der neue Eurogruppen-Chef in Zukunft also einmal einen Konflikt mit Berlin riskiert, sollten die Deutschen dafür Verständnis haben.

Kommentare (8)

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ArminiusDerVerraeter

22.01.2013, 07:13 Uhr

Ist es nicht ein bisschen spät jetzt um Zweifeln zu äußern?
Hätte Merkel doch nicht ein Franzose akzeptieren sollen?
Diese Konfrontationspolitik à la Merkel wird am Ende zum Scheitern führen.
Da werden die Euroländer die vom deutschen und chinesischen Exportüberschuss erstickt werden nur noch einen Ausweg sehen, der Protektionismus, damit die eigene Wirtschaft von den stärkeren Wirtschaften nicht total Kannibalisiert wird.

EU_am_Ende

22.01.2013, 07:29 Uhr

... aus Sch.... kann man kein Gold machen, so einfach ist das. Wir sind in der Sackgasse, das Endspiel der Eurozone läuft.

FFranz

22.01.2013, 08:10 Uhr

Bei dem Unheil, dass Juncker mit Ausdauer und Lügen konsequent zu Lasten Deutschlands, aber vor allem zu Lasten der spanischen und griechischen Jugend, angerichtet hat, kann man doch nur wünschen, dass sein Nachfolger nicht so stark und "erfolgreich" ist.

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