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07.10.2012

13:53 Uhr

Kommentar

Der Staat ist ein äußerst unzuverlässiger Partner

VonDieter Fockenbrock

Ob Elektroauto, EADS oder Opel - die Politik agiert willkürlich und lässt keine klare wirtschaftspolitische Linie erkennen. Auf einen solchen Partner kann sich die Industrie nicht verlassen.

Der Autor ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte. Pablo Castagnola

Der Autor ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte.

Daimler-Chef Dieter Zetsche dürfte nach der jüngsten Veranstaltung im Kanzleramt vollends verwirrt sein. Erst fährt ihm die Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus dem Flugzeugkonzern EADS in die Parade. Begründung: Industriepolitik. Dann lässt dieselbe Regierung den Automanager Zetsche beim E-Mobil auflaufen. Kaufprämie? Nicht mit uns.

Der fließende Wechsel zwischen frisch entdecktem Herzblut für die Luftfahrtindustrie und kalter Absage an die Autokonzerne ist nicht nur ein Rätsel für Dieter Zetsche. Auch seine Kollegen aus den anderen Autohäusern werden sich fragen: „Was denn nun, Frau Merkel?“ Denn im Kern geht es bei EADS wie auch beim Elektroauto um ein und dieselbe Frage: Braucht es den Staat, um Technik im Lande zu halten?

Man kann die Frage natürlich auch so formulieren: Kann man sich auf den Staat verlassen? Die Bundesregierung hat da eine klare unklare Linie. In Sachen EADS war Berlin froh, in Daimler einen Investor zu haben, der mit seinen 22,5 Prozent EADS-Aktien das politische Gleichgewicht mit dem großen Partner Frankreich austarierte. Ohne dass der Staat selbst eingreifen musste.

Bis Mittwoch: Auf einmal erwachte die Politik, weil im Zuge der geplanten Fusion von EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE sämtlicher Einfluss Deutschlands zu schwinden drohte. Berlin geriert sich nun unerwartet als Hüter nationaler Wirtschaftsinteressen. Ohne Blick für das große Ganze. Bei den Elektroautos dagegen belässt es die Politik bislang bei indirekter Unterstützung.

Ein bisschen Konjunkturpaket hier, ein wenig Steuererleichterung dort. Da ist die deutsche Autolobby anderes gewohnt. Wir könnten ohne Verrenkungen Vorbildern wie China, Japan und selbst den USA folgen. Denn die zahlen Käufern von E-Mobilen satte Prämien. Warum nicht auch wir? Das ließe sich sogar besser verkaufen als die Abwrackprämie vor vier Jahren.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

07.10.2012, 14:39 Uhr

Das hat man davon,wenn man sich mit Franzosen oder Angelsachsen einläßt. Daimler-Chrysler, BMW- , EADS- was bleibt noch in Deutschland, jetzt auch noch BAE dazu. Deutsche Chemiefirmen.
Vodafone-Mannesmann etc etc.

Account gelöscht!

07.10.2012, 15:25 Uhr

Als wenn die Industrie/Wirtschaft zuverlässig wäre bei dem was sie der Politik und/oder dem Bürger verspricht! Haha.

Hans

07.10.2012, 15:52 Uhr

Die Daimler EADS Aktien wollte kein Deutscher Investor kaufen, daher soll die KFW die Kaufen. Daimler braucht halt dringend Kohle, um die hohen Dividenden weiter zuzahlen. Das ganze sollen auch die Franzosen verzögert haben. Jetzt dürfte das wohl erst 2013 über die Bühne gehen. Ob Daimler dann noch dicke Buchgewinne damit erzielt, wird man sehen.
Wenn EADS den Staatseinfluss vom Bund nicht gefällt, können die doch ganz einfach das Rüstungsgeschäft mit den Bund abstoßen. Sehr viel Wert ist das eh nicht mehr, dank den EADS Missmanagement.

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