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24.01.2012

08:19 Uhr

Kommentar

Der Übernahme-Kandidat namens RIM

VonJoachim Hofer

Bei RIM sieht es nicht gut aus: Derzeit gibt es kein einziges Blackberry-Modell, das die Massen begeistert. Der Smartphone-Pionier wird zum Übernahmekandidat - und der Rücktritt der beiden Gründer kam zu spät.

Joachim Hofer ist Korrespondent in München. Pablo Castagnola

Joachim Hofer ist Korrespondent in München.

Ein Blick in den App-Store von Blackberry genügt. Schon erschließt sich jedem, wie es um den kanadischen Smartphone-Pionier steht. Bei Apple oder Google gibt es Tausende Apps zu kaufen. So nennen sich die populären Miniprogramme für Mobiltelefone und Tablet-PCs. Bei dem kanadischen Smartphone-Pionier ist es nur ein Bruchteil.

Das hat seinen Grund: Es gibt viel mehr Handys mit den Betriebssystemen von Apple und Google als dem von Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM). Deshalb entwickeln die Softwarefirmen kaum Programme für die Kanadier. Weil weniger Apps zur Verfügung stehen, sind die Telefone aber mit jedem Tag weniger attraktiv.

So befindet sich RIM in einem Teufelskreis, aus dem Firmengründer Mike Lazaridis und sein Partner Jim Balsillie zuletzt keinen Ausweg mehr gefunden haben. Deshalb sind sie gestern von der Unternehmensspitze zurückgetreten. Ihnen folgt der ehemalige Siemens-Manager Thorsten Heins, der bislang für das Tagesgeschäft zuständig war.

Android, Apple und die anderen

Android

Das Google-Betriebssystem ist in wenigen Jahren zur meistgenutzten Plattform im Smartphone-Markt aufgestiegen. 2013 lief nach Zahlen der Marktforscher von Gartner auf 78,4 Prozent aller Computer-Telefone Android. Das Erfolgsgeheimnis: Google bietet Android den Geräte-Herstellern kostenlos an und lässt sie die Software auch anpassen. Samsung, HTC, LG, Sony – die meisten Handy-Produzenten setzen auf die Google-Plattform. Der Internet-Konzern will dabei an Werbeeinnahmen verdienen. Allerdings steht Android auch im Visier besonders vieler Patentklagen. Zudem nutzen viele chinesische Hersteller das System, ohne die Google-Dienste einzubinden.

Apple iOS

Smartphones gab es auch schon bevor 2007 das iPhone vorgestellt wurde – doch erst mit dem Apple-Telefon mit seinem großen Bildschirm begann der wirkliche Siegeszug der Computertelefone. Apple hielt mit seiner iOS-Plattform zuletzt laut Gartner 15,6 Prozent am Smartphone-Markt, heimst jedoch einen beträchtlichen Teil der Gewinne ein, da die gesamte Kette von Geräteentwicklung bis hin zum App Store für passende Programme in der Hand des Konzerns liegt. Allerdings hat Samsung mit seiner breiten Produktpalette den Konzern aus Kalifornien inzwischen abgehängt.

Windows Phone

Microsoft würde sein mobiles Betriebssystem Windows Phone gern als dritte starke Kraft im Smartphone-Geschäft etablierten, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Bündnis mit dem einstigen Handy-Weltmarktführer Nokia soll es richten, die Finnen installieren die Software auf ihren Smartphones und wollen die Gerätesparte ganz an Microsoft verkaufen. 2013 stieg der Marktanteil von 2,5 auf 3,2 Prozent – damit ist zumindest Blackberry abgehängt.

Blackberry

Lange Zeit war Blackberry Managers Liebling – doch diese Zeiten sind vorbei. Die Verkaufszahlen sind 2013 abgestürzt, der Marktanteil ist auf 1,9 Prozent gefallen. Tendenz: weiter schrumpfend.

Sonstige Betriebssysteme

Für den Rest bleibt nicht viel übrig: Betriebssysteme wie das von Samsung entwickelte Tizen oder Firefox OS kamen 2013 zusammen auf nur 0,9 Prozent.

Dass der 54-Jährige RIM zu neuen Höhen führen wird, ist nicht zu erwarten. Derzeit gibt es kein einziges Blackberry-Modell, das die Massen begeistert. Und es sieht auch nicht so aus, als käme in den nächsten Monaten ein Blockbuster in die Läden. Selbst viele Manager, einst die größten Fans, haben sich inzwischen von der Marke verabschiedet. Die Geräte der Wettbewerber, allen voran das iPhone von Apple, sind einfach viel attraktiver.

Dazu kommt: Blackberry hat es in jüngster Zeit nicht geschafft, im Geschäft mit den populären Tablet-PCs Fuß zu fassen. Auf diesem Feld dominiert ebenfalls Apple. Doch Google holt mit seinem Betriebssystem Android langsam auf.

Kommentare (4)

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Mo1

24.01.2012, 10:26 Uhr

Sicherheit ist viel wichtiger als die neuste ünnötige App für Kleinkinder. Als letztes Jahr die netzte in Virginia nach einem Erdbeben zusammengebrochen sind - konnten alle BlackBerry user weiterhin emails empfangen und erhalten - das kann keine App ersetzten. Das BlackBerry bleibt das einzige Erwachsene smartphone. iphone is for kids

klimar

25.01.2012, 10:54 Uhr

Ich kann nicht nachvollziehen, warum der User dem Admin ein Diktat bei den Smartphones geben wird. Der User hat auch keinen Einfluss auf das Emailsystem, Dokumentenmanagement, CRM, SAP oder andere unternehmensrelevante Infrastrukturen. Der Admin hat vor der Konzernleitung die Unternehmensinteressen zu berücksichtigen und die Unternehmenswerte zu schützen. Das kann dieser nicht mit ZTE Phones oder Applestrukturen.
Und Quantität bei Apps steht nicht über Qualität der Apps. Ob ich 15 Solitärapps habe oder auch nur zwei, macht keinen Unterschied. Und spätestens beim Roaming wird sich das Kontrolling über die Mengenkommunikation besonders freuen, da unabhängige Studien bereits belegt haben, dass alleine das 4S gegenüber dem iPhone 4 schon dreifachen Datentraffic hat. Es ist einfach immer dem Trend hinterherzurennen und den Schwarzmalerein der anderen nachzueifern, jedoch wird immer unterschätzt, dass bei RIM noch nicht einmal ein Verlust erwirtschaftet wurde und das Unternehmen hoch profitabel ist. Mit 17.000 Mitarbeiten einen Gewinn von > US$ 200m in 3 Monaten zu erwirtschaften ist auch noch nicht vielen gelungen. Das totz der Abschreibung der Playbooks.

Baier

30.01.2012, 12:26 Uhr

muss man Massen begeistern, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein? Massenprodukte sind anfällig gegen Konsumentenpräferenzen. Blackberry hat zumindest eine tadellose Bilanz, ist im gewerblichen bereich gut etabliert, im Gegensatz zu einigen der hochgelobten APP-Anbietern. Und ob ein Industrieunternehmen seine Daten ausgerechnet Google (Android) oder Apple anvertraut, das ist zu bezweifeln. Aber Analysten haben die Eigenschaft, häufig daneben zu liegen.

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