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14.10.2013

16:56 Uhr

Kommentar

Der unverständliche Nobelpreis

VonBert Rürup

Der Wirtschafts-Nobelpreis 2013 geht zu gleichen Teilen an drei Ökonomen. Die Vergabe an einen der drei Preisträger ist mehr als unverständlich: Seine Theorien müssen seit der Finanzkrise als widerlegt angesehen werden.

Nobelpreisträger Eugene Fama: Der Chicagoer Ökonomie-Professor gilt als Erfinder und Verfechter des Dogmas effizienter Kapitalmärkte – welches spätestens seit der globalen Finanzmarktkrise des Jahres 2007 als widerlegt anzusehen ist. Reuters

Nobelpreisträger Eugene Fama: Der Chicagoer Ökonomie-Professor gilt als Erfinder und Verfechter des Dogmas effizienter Kapitalmärkte – welches spätestens seit der globalen Finanzmarktkrise des Jahres 2007 als widerlegt anzusehen ist.

Nach der Entscheidung des Preiskomitees geht der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zu gleichen Teilen an die drei Makroökonomen, die im Wesentlichen das gleiche Erkenntnisobjekt hatten – das Funktionieren von Finanzmärkten und die Prognose von Vermögenspreisen. Solch eine Teilung des Preises und des Preisgeldes sind an sich nichts Neues. Überraschend ist allerdings, dass sich die paradigmatischen Ansätze und die Ergebnisse ihrer Forschungen von zwei der Ausgezeichneten – zumindest in großen Teilen – widersprechen.

Robert J. Shiller, der einer breiten Öffentlichkeit durch den Case-Shiller-Index für den US-amerikanischen Markt für Wohnimmobilien bekannt ist und zu den wenigen Ökonomen gehört, die die New-Economy-Blase zu Beginn des Jahrhunderts frühzeitig vorausgesagt hatten, steht seit Langem der bis vor einigen Jahren vorherrschenden Annahme effizienter Finanzmärkte kritisch gegenüber. Stattdessen propagiert er – in Abkehr vom traditionellen Homo oeconomicus – einen verhaltenswissenschaftlichen Ansatz. Ohne freilich dafür bislang ein geschlossenes Konzept vorgelegt zu haben.

Bert Rürup ist Präsident des Handelsblatt Research Institute.

Der Autor

Bert Rürup ist Präsident des Handelsblatt Research Institute.

Eugene Fama gilt demgegenüber als Erfinder und Verfechter des spätestens seit der globalen Finanzmarktkrise des Jahres 2007 als widerlegt anzusehenden Dogmas effizienter Kapitalmärkte. Diesem, seinem Ansatz nach verarbeiten alle Marktteilnehmer alle verfügbaren Informationen rational in Risikomodellen. Blasenbildungen oder panische Überreaktionen sind daher in diesem Ansatz nicht vorgesehen.

Kommt die Ehrung für Shiller womöglich zu früh, da sein geschlossener konstruktiver Beitrag zur Makroökonomie noch aussteht, so überraschend, ja unverständlich ist angesichts des offensichtlichen Scheiterns des von Ihm propagierten Ansatzes die Ehrung für Fama. Über die Janusköpfigkeit der Entscheidung des Nobelpreiskomitees kann auch die salvatorische Begründungsformel, dass beide Ansätze, die neuere „Behavioural Finance“ Shillers und die traditionelle Effizienzmarkthypothese Famas, heute gleichberechtigt nebeneinander stehen würden, nicht hinwegtäuschen.

Der dritte Preisträger Lars Peter Hansen, ein Ökonometriker durch und durch, ist der Scientific Community insbesondere durch seinen Aufsatz „Large Sample Properties of Generalized Method of Moments“ aus dem Jahre 1982 bekannt geworden. In diesem Artikel, der weltweit zu den meistzitierten wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten zählt, gelang es Hansen ein neues und seitdem als Goldstandard geltendes Verfahren zum Test von Hypothesen von Finanzmarktteilnehmern zu entwickeln.

Sehr lesenswert ist auch sein Paper „Beliefs, Doubts and Learning: Valuing Economic Risk“ von März 2007, in dem er sich mit den unterschiedlichen Perspektiven der Rationalen-Erwartungs-Hypothese kritisch auseinandersetzt. Hansen, ein Schüler der Nobelpreisträgers des Jahres 2011, Thomas J. Sargent und Christopher A. Sims, ist zweifellos von den drei Preisträgern dieses Jahres derjenige, der in der Fachwelt wohl eine ungeteilte Zustimmung finden dürfte.

Der renommierte Ökonom war von 2000 bis 2009 Mitglied und ab 2005 Vorsitzender der Wirtschaftsweisen. Als Berater vieler Bundesregierungen und als Leiter unter anderem der „Rürup- Kommission“ hat er die Reformen vorbereitet, die Deutschland zur aktuell leistungsfähigsten Industrienation gemacht haben. Rürup ist Präsident des Handelsblatt Research Institute.

Kommentare (26)

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Eugene

14.10.2013, 18:40 Uhr

Ich muss zugeben, dass mich dieser Kommentar sehr enttäuscht. Von dem Präsidenten des Handelsblatt Research Institute hätte ich einen inhaltlich ausgewogeneren Kommentar erwartet.

Eugene Fama wurde zum einen nicht nur aufgrund seiner Effizienzmarkthypothese ausgezeichnet. Vielleicht sollte Bert Rürup einen Blick in die Begründung (insbesondere Kapitel 3.2 und 7.1-7.4) werfen: http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/economic-sciences/laureates/2013/advanced-economicsciences2013.pdf

Zugegebenermaßen ist die Effizienzmarkthypothese jedoch mit sein bedeutendster Beitrag neben Arbeiten zur empirischen Gültigkeit des CAPM (siehe Fama/MacBeth (1974) und Fama/French (1992)) und dessen Erweiterung zum Fama-French Dreifaktorenmodells.

Andererseits verstehe ich nicht warum die Effizienzmarkthypothese spätestens seit der globalen Finanzmarktkrise des Jahres 2007 als widerlegt anzusehen ist.

Blasen oder Überreaktionen werden als solche eigentlich nur im Nachhinein identifiziert. Ein Widerspruch würde vorliegen falls die Marktteilnehmer schon vorher rational und mit Sicherheit eine Überbewertung festgestellt hätten und damit einen sicheren Gewinn erwirtschaften hätten können. Krisen mit starken Kursrückgängen hatte es auch schon vor der Finanzkrise gegeben (Dot-com-Krise, Ölkrise, Große Depression, Tulpenkrise,...) und wird es auch in Zukunft geben. Würde es diese Krisen nicht geben, was würde einen rationalen Investor davor abhalten in den Aktienmarkt zu investieren der auf Dauer höhere Renditen als Fest oder Tagesgeld aufweist?

Eugene Famas Beitrag war vielmehr, dass er neben der Definition für effiziente Märkte einen Rahmen schuf, der bis heute Basis für empirische Tests der Markteffizienz ist.

Eine weitaus detaillierter Kommentar (mit sehr positiven Grundton) warum Eugene Fama den Preis verdient hat, lässt sich hier finden:
http://johnhcochrane.blogspot.de/2013/10/gene-famas-nobel.html#more

Account gelöscht!

14.10.2013, 19:00 Uhr

Das ist ja wohl das dümmste, was ich seit langem gelesen habe. Dafür gehört nicht nur der dumme Rürup entlassen, sondern das ganze "Handelsblatt Research Institute" in die Rente geschickt

Account gelöscht!

14.10.2013, 19:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Rürup

ich teile Ihre Einschätzung zur Vergabe des Nobelpreises, möchte aber noch folgende Ergänzung machen, die Sie bitte nicht persönlich nehmen dürfen, sondern als konstruktive Kritik im Sinne einer gemeinsamen adäquaten Problemanalyse verstehen mögen:
Solange die wahren Ursachen der Finanzkrise nicht systemtheoretisch begründet werden können (der Markt hat zwar in der Tat sehr oft recht, aber eben nicht immer), sollte die Nobelpreisvergabe in diesem Sondersegment ausgesetzt werden. Die Mehrheit der Mainstream-Ökonomen (und dazu zähle ich leider auch Sie sowie Ihre Initiative für eine private Altersvorsorge) und Journalisten können die systemimmanenten Probleme dieser globalen Krise nicht erkennen und verstehen, da sie mit fehlerhaften Modellen arbeiten, in denen Geld entweder keine oder aber eine fehlerhafte Rolle spielt. Das ist wahrlich ein Drama und droht gerade ganz Europa in eine schwere Deflationsspirale zu stürzen. Das ganze Dilemma habe ich hier dargestellt: zinsfehler.wordpress.com

In Sorge um Europa
Michael Stöcker

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