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18.09.2012

13:23 Uhr

Mark C. Schneider, Mark C. ist beim Handelsblatt Korrespondent für die Automobilindustrie privat

Mark C. Schneider, Mark C. ist beim Handelsblatt Korrespondent für die Automobilindustrie

Zum Start der Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover sind die Aussichten für den europäischen Markt düster. Branchenbeobachter rechnen mit mindestens 20 Prozent Absatzeinbruch bei Lastwagen. Ein Minus dieser Dimension stellt sogar das optimistische Szenario dar. Eher dürfte der Einbruch in Westeuropa angesichts der sich ausbreitenden Probleme im Süden deutlich schlimmer ausfallen.

Hersteller wie MAN reagieren und fahren die Produktion zurück. Dabei droht die gute Nachricht im Messegetümmel unterzugehen: Weltweit wächst der Bedarf an Lastwagen, die Güter transportieren und den Aufschwung besonders der Schwellenländer auf die Straße bringen. International lohnt sich das Geschäft mit den Brummis: Allein der Weltmarkt für schwere Lkws mit einer Nutzlast von mehr als sechs Tonnen wird bis 2020 von derzeit rund 125 Milliarden Euro auf mehr als 190 Milliarden Euro Jahresumsatz wachsen, rechnen die Unternehmensberater von McKinsey vor.

Der Gesamtgewinn der Branche steigt von 7,2 Milliarden Euro auf 10,5 Milliarden Euro - inflationsbereinigt. Allerdings profitieren nur die Hersteller davon, die ihre Angebote auf die Wachstumsmärkte ausrichten. Die Lkw-Hersteller haben keine Wahl: Sie müssen sich an dem Vorbild der Autobauer orientieren. Längst produzieren Branchenriesen wie General Motors und Volkswagen an den lokalen Bedarf angepasste Automobile in den Schwellenländern.

Die Brummi-Bauer müssen nachziehen und Modelle im stark wachsenden mittleren Preissegment in Brasilien, Russland, Indien und China fertigen, die sie dem Geschmack vor Ort anpassen. Damit die Rechnung aufgeht, brauchen die Hersteller Zulieferer, die selbst in den Schwellenländern produzieren. Angesichts der vergleichsweise überschaubaren Stückzahlen bei Lastwagen lohnen sich selbst für die großen europäischen Hersteller wie Daimler, MAN oder Volvo keine gemeinsamen Plattformen wie in der Autoindustrie - die Trucker müssen ihre Modelle stärker in Modulen aufbauen, die zwischen unterschiedlichen Baureihen austauschbar sind.

Und nicht nur in den Schwellenländern wächst der Bedarf an Lastwagen, auch in Nordamerika steigt die Nachfrage deutlich. Entsprechend gelassen pariert Daimlers Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler die Attacken aus dem VW-Lager auf den weltweiten Marktführer. Bis 2020 wollen die Wolfsburger mit den Tochtermarken MAN, Scania und VW Nutzfahrzeuge zur Nummer eins aus Stuttgart aufschließen. Doch die VW-Trucktöchter sind in Nordamerika gar nicht vertreten.

Kein Wunder: Dort gefragte Modelle sehen anders aus als in Europa. Daimler nimmt dagegen dank der US-Tochter Freightliner auch in Nordamerika eine starke Position ein. Auf Dauer kann sich allerdings Volkswagen nicht vom wachsenden Lkw-Markt in den USA fernhalten. Die lange schwerfällige und regional zersplitterte Lastwagenbranche erlebt eine neue Dynamik - außerhalb Europas. Die großen Hersteller treten absehbar fast überall gegeneinander an. Der Weltmarkt gibt ihnen den Takt vor. Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen ihn unter: mc.schneider@handelsblatt.com.

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