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30.03.2012

06:33 Uhr

Kommentar

Der Wendepunkt für Apple

VonAxel Postinett

Apples Aktienkurs steigt immer weiter, die Aktionäre bekommen hohe Dividenden. Doch das hat seinen Preis: Die Arbeitsbedingungen vor allem in China sind miserabel. Das wird sich jetzt ändern.

Handelsblatt-Redakteur Axel Postinett berichtet aus San Francisco. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Redakteur Axel Postinett berichtet aus San Francisco.

Es ist ein Wendepunkt. Die weitreichenden Untersuchungen der Arbeitsbedingungen beim Apple-Zulieferer Foxconn in China und die daraus gezogenen Folgerungen werden die Art und Weise verändern, wie westliche Firmen in Zukunft in China und später in ganz Asien arbeiten müssen.

Foxconn wird tausende Arbeiter zusätzlich einstellen müssen, um die Arbeitsbelastung abzufedern. Die Lebensbedingungen der Angestellten und Arbeiter müssen verbessert und Löhne angehoben werden. Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften werden Beachtung finden. Foxconn wird gar nichts anderes übrig bleiben als zu handeln, denn Großkunde Apple kann es sich nicht mehr leisten als ein Unternehmen dazustehen, dass 100 Milliarden Dollar auf dem Konto hat, eine fette Dividende an seine Aktionäre ausschüttet und gleichzeitig zu Hungerlöhnen in unsicheren Fabriken fertigen lässt.

Die Diskussionen an den Stammtischen drehen sich beim iPhone heute schon zu viel um Menschenwürde und zu wenig um die neuesten Apps. Wenn Foxconn weiter mit Apple wachsen will, musste also etwas geschehen.

Die Auswirkungen werden auch andere westliche Unternehmen zu spüren bekommen. Die Karawane derer, die einfach immer nur in das nächste Billiglohnland abwandern, wenn sich am alten Standort die Kosten für die Arbeit um ein paar Cent erhöhen, wird ab heute noch genauer beobachtet werden. Foxconn-Kunden wie Dell oder HP werden es sich zweimal überlegen, ob sie im Lichte der neuen Öffentlichkeit einfach zum nächsten, unkontrollierten Anbieter um die Ecke wechseln, der vielleicht noch unter wesentlich schlimmeren Bedingungen fertigen lässt.

Es kann auch ein Wendepunkt für China sein. Was hier passiert ist, zeigt die steigende Macht der chinesischen Arbeiter und Aktivisten, die immer wieder auf Missstände aufmerksam gemacht und Videos aus den Werken geschmuggelt haben, die das ganze Ausmaß der Zustände dokumentiert und ans Licht gebracht haben. Steve Jobs hat es lange schleifen lassen. Tim Cook hat gehandelt, und es war richtig. Letztlich werden ihm die erhöhten Fertigungskosten durch höhere Löhne sogar noch mehr Profit einbringen als zuvor.

Denn China ist bereits der zweitgrößte Markt für den Kultkonzern nach den USA. Bald wird es der größte sein. Cook hat ehrgeizige Pläne, in China „ist nur der Himmel die Grenze“ schwärmt er. Aber um diese Grenze zu erreichen hätte er auf Dauer bei den stolzen Chinesen ohnehin nicht als der Ausbeuter der eigenen Landsleute dastehen können. Auch der chinesische iPhone-Besitzer will stolz auf sein Spielzeug sein. Apple investiert jetzt nicht nur in China, sondern tatsächlich auch für eine Zukunft in China.

 

Kommentare (5)

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kuac

30.03.2012, 07:52 Uhr

Lieber Herr Postinett,
Sie schreiben, dass die Apple Aktionäre hohe Dividenden bekommen. Woher haben Sie das? Aktuell betraegt die Dividende nur 0.4%.

Account gelöscht!

30.03.2012, 10:12 Uhr

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind ein absolutes Muss zur Erhaltung von Image und Umsatz. Nicht erst seit dem Fall Schlecker, der es aufgrund von schlechten Arbeitsbedingungen und Ausbeutung bis in eine Bundestagsdebatte geschafft hat, so stehen auch andere wie H&M, Kick, Apple und weitere in der Kritik. Die Menschen stimmen sonst mit den Füssen ab. Niemand will ein T-Shirt tragen, dass aufgrund von menschlicher Ausbeutung ins Gewissen einbrennt, wenn man es trägt. Das ist der Weg, der konsequent von der Masse der Verbraucher unterstützt werden sollte um zu menschenwürdigen Leben auf der Welt beizutragen. Nebenbei bemerkt, es ist auch der effektivste Weg um Produktion zurück nach Europa zu holen. Menschenwürde hat auf der ganzen Welt einen ähnlichen Preis. Cafepress, seit gestern an der Börse in USA, ein Unternehmen mit kundenbezogener Bekleidungsherstellung, hat begonnen Produktion zurück nach USA zurollen, weil sich die Fertigung in China kaum noch lohnt und Flexibilität und Logistik auch etwas wert sind.

Schmarrn

30.03.2012, 14:06 Uhr

Herr Postinett ist wohl ein Apple-Jünger. ;) Wer so lobend und unkritisch von Apple spricht scheint der Wahrheit nicht ins Gesicht zu sehen. Versprechungen haben bereits viele Firmen abgegeben, wirkliche Veränderungen bei den Arbeitsbedingungen in den Schwellenländern gab es dafür nicht. Greenwashing ist einfach viel billiger.
Herr Postinett, wie wäre es, wenn Sie die Transformation Apples von der seelenlosen Geldmaschine zur "fairtrade-Kultmarke" kritisch begleiten?
Übrigens interessiert sich der Großteil der Apple-Kundschaft nicht für faire Arbeitsbedingungen, sondern dafür das eigene Ansehen durch coole Apple-Produkte zu erhöhen.

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