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25.03.2013

07:58 Uhr

Kommentar

Der zweite Anlauf der Zypern-Rettung sitzt

VonRuth Berschens

Klüger und gerechter: So lässt sich der neue europäische Anlauf für die Rettung Zyperns überschreiben. Denn die Euro-Retter haben aus ihren Fehlern gelernt und am Ende doch noch vieles richtig gemacht. Ein Kommentar.

Zypern

Merkel: "Wir wollen nicht, dass Steuerzahler Banken retten"

Zypern: Merkel: "Wir wollen nicht, dass Steuerzahler Banken retten"

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Warum nicht gleich so? Die Frage drängt sich auf nach der zweiten langen Verhandlungsnacht der Brüsseler Zypern-Retter. Dieses Mal lief alles anders. Und es lief alles besser. Der Euro-Zone gelang es, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Erstens: Zypern bleibt Mitglied der Währungsunion. Das ist für alle 17 Euro-Zonenmitglieder gut, denn sie haben der Welt erneut gezeigt, dass sie sich auch unter großem Stress nicht auseinander bringen lassen.

Zweitens: Kleinsparer werden nicht belastet. Die Euro-Zone stellte so klar, dass die EU-Einlagensicherung für Konten bis 100.000 Euro kein leeres Versprechen ist.

Drittens: Erstmals wagt es die Europäische Währungsunion, eine Pleite-Bank zu schließen und vermögende Anleger und Gläubiger zur Kasse zu bitten. Endlich einmal müssen die europäischen Steuerzahler nicht die ganze Zeche zahlen für unglaubliche, ja kriminelle Versäumnisse von Banken und Bankenaufsehern.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Die Autorin

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Man könnte sagen, dass die Europäische Währungsunion im nunmehr jahrelangen Kampf gegen die akute Schuldenkrise an Erfahrung gewonnen hat und klüger vorgeht als bei den ersten Rettungsaktionen. Vor allem ein Anfängerfehler kommt die betroffenen Staaten teuer zu stehen: In Irland und in Spanien hat der Staat alle Kosten für die Sanierung der Banken übernommen. Gläubiger und Einleger blieben vollkommen ungeschoren. Dieses Vorgehen ließ die Staatsverschuldung dramatisch explodieren. Wie die beiden Länder diese Schulden jemals zurückbezahlen sollen, ist vollkommen unklar. Die Währungsunion wird sich dafür noch eine Lösung einfallen lassen müssen.

Zypern kommt insofern jetzt besser weg: Die Staatsverschuldung des kleinen Inselstaates schießt zwar auch empor, gerät aber wenigstens nicht völlig außer Kontrolle. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Mittelmeer-Insel nun viele sehr magere Jahre bevorstehen. Die Zeiten, in den Russen, Briten und Griechen das Land mit Milliarden fluteten, dürften jetzt endgültig vorbei sein.

Einigung in Zypernkrise: EU-Finanzminister billigen Rettungsplan

Einigung in Zypernkrise

EU-Finanzminister billigen Rettungsplan

Die Laiki-Bank wird wohl abgewickelt, eine Abgabe auf Einlagen soll es nicht geben.

Mit den angekündigten Kapitalverkehrskontrollen wird Zypern anfangs zwar noch verhindern können, dass die reichen Ausländer Vermögen abziehen. Doch auf Dauer ausschließen können sie das nicht. Reiche Privatpersonen und große institutionelle Anleger verlieren in Zypern jetzt viel Geld. Das erhöht logischerweise nicht gerade die Attraktivität des Finanzplatzes. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat daher recht, wenn er ein neues Geschäftsmodell für Zypern fordert.

Mit der Suche danach sollte die Währungsunion Zypern allerdings nicht allein lassen. Denn für Zypern gilt dasselbe wie für alle Krisenstaaten in der Euro-Zone: Nur wenn die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt, kann die Regierung die von der Währungsunion gewährten Kredite zurückbezahlen. Daran aber müssen ja alle 17 Euro-Staaten ein Interesse haben.

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

Kommentare (52)

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radirk

25.03.2013, 08:51 Uhr

Die Geldwäscher werden auf dem Papier "zur Kasse gebeten". De facto jedoch überweisen sie trotz Verbots schon seit Tagen ihr Geld aus den Pleitebanken (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/zypern/entscheidung-in-nikosia-auffaellig-hohe-geldabfluesse-aus-zypern-12126658.html) dank großzügiger Auslegung von Ausnahmetatbeständen durch zyprische Behörden. Am Ende werden die Oligarchen jeden Euro wiederbekommen und der Steuerzahler steht doch wieder in der Kreide.
Der Kommentar spiegelt die deutsche/nordeuropäische Naivität wieder, die offenbar auch viele Eurokraten infiziert hat. Gesetze gelten in Peripheriestaaten (wie in den allermeisten Ländern der Welt) herzlich wenig, es geht um Familienbande und Beziehungen, Macht und Geld.
Die Eurokraten sollten einmal ein halbes Jahr in einem solchen Staat leben, dann würde ihnen die Naivität ausgetrieben und sie lernen endlich, wie der Hase läuft.
Vielleicht könnte das neue Geschäftsmodell Zypern ein solches Trainingslager beinhalten.

Account gelöscht!

25.03.2013, 09:00 Uhr


Gilt Griechenland als gerettet ? So ein Blödsinn.

Bis zum späteren EU Folgeaufprall wird weiter mit "Untun" der Dolce Vita Zirkus am Leben erhalten. Oder glaubt hier einer ernsthaft , Griechanland reformiert seinen Parteibeamtenapparat oder Zypern kehrt zur "alten Landwirtschaft" zurück. Das Motto lautet: Her mit dem fremden EU Geld.

Die europäische Alt-Demokratie geht zu grunde, die machtvolle Mafia kauft auf. Siehe Bulgarien und seine Folgen für die Bevölkerung. Restländer Europas, wehrt euch gegen diese EU Ausrichtung, vor allem über die Euro-Währung Euro. Die sich einstellende Verarmung schreitet zu schnell voran.

Account gelöscht!

25.03.2013, 09:23 Uhr

So, nachdem wir das Ablenkungsmanöver "Kleinsparer" hinter uns haben, könnten wir uns des Pudels Kern nähern: Warum erhält Zypern einen Wahnsinnsbetrag von 10 Mrd. EUR (von europäischen Steuerzahlern)? Zypern hat rund 885.000 Einwohner, dass sind rund 11.300 EUR pro Einwohner. Würde man das auf Deutschland übertragen, würden wir rund 926.600.000.000 EUR also knapp 1 Billionen EUR erhalten. Das ist die Hälfte unserer Staatsschulden!!! Gehts noch???

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