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21.12.2011

19:58 Uhr

Kommentar

Deutschland bleibt der Wachstumsmotor der EU

VonDirk Heilmann

Schluss mit der Unkerei: Deutschland muss keine Rezession fürchten, weil alle Akteure aus der letzten Krise gelernt haben. Düstere Warnungen sind übertrieben.

Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatts. Pablo Castagnola

Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatts.

Seit zwei Jahren schleppt sich die Euro-Schuldenkrise dahin. Täglich überbieten sich Notenbanker, Ökonomen und Politiker mit düsteren Warnungen, und rund um uns versinkt Europa in der Rezession. Kein Wunder, dass viele Deutsche mit bösen Vorahnungen auf das Jahr 2012 blicken. Die bange Frage lautet: Wiederholt sich das Szenario der Jahre 2008/09, als der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers die größte Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren auslöste? Auch damals dachten schließlich alle, dass die Krise Deutschland kaum treffen wird, und am Ende stand 2009 ein Minus von fast fünf Prozent beim Bruttoinlandsprodukt.

Die Antwort lautet: Nein, Deutschland wird 2012 keine neue Rezession erleben. Mit einer Einschränkung: solange wir nicht zulassen, dass die Europäische Währungsunion explodiert.
So sieht das auch die deutsche Wirtschaft, wie der zweite Anstieg des Ifo-Indexes in Folge zeigt. Wir werden schon bald die Talsohle durchschreiten. Der Teilindex der Geschäftserwartungen, der die Aussichten für die nächsten sechs Monate abbildet, stieg im Dezember kräftig an. Der Fall des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers ist gestoppt, bevor er so richtig begonnen hat. Von dem Tiefpunkt Anfang 2009 ist der Ifo-Index meilenweit entfernt.

Das Exportgeschäft, das die Wachstumsraten in Deutschland zuletzt auf lange nicht mehr gesehene drei Prozent und mehr getrieben hat, hat sich deutlich abgeschwächt. Das ist angesichts der desolaten Lage auf wichtigen europäischen Märkten kein Wunder. Aber die Binnennachfrage trägt die Wirtschaft weiter.
So wird es wohl bei einer Winter-Delle bleiben und schon im Frühjahr wieder aufwärtsgehen. Die Unternehmen investieren, es werden Häuser gebaut, und das GfK-Konsumklima zeigt, dass die Deutschen sich von den Krisenberichten nicht vom Kaufen abhalten lassen.

Auch die Allianz-Zuversichtsstudie, die auf Umfragen in deutschen Haushalten beruht, kommt zu dem Ergebnis, dass die Menschen ihre eigene wirtschaftliche Lage weitaus besser einschätzen als vor drei Jahren. Dafür dürfte vor allem der gesunde Arbeitsmarkt verantwortlich sein.

Kommentare (8)

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21.12.2011, 20:14 Uhr

Wasn plötzlich mit Euch los, HB?
Nicht grau und düster, wie sonst üblich, ist der Ausblick, sondern die Welt ist plötzlich rosarot. Na, hoffentlich wird sie nicht zu rot...

no.7

21.12.2011, 20:55 Uhr

Immer dieselben sprüche: Die konjunktur werde "kaputtgeredet". Man kann keine konjunktur "kaputtreden", das ist schlicht Quatsch. Gleichfalls gehört nicht viel Phantsie dazu, sich vorzustellen, daß, wenn die ganzen angekündigten sparmaßnahmen im nächsten Jahr wirken, Deutschland sehr wohl in eine rezession kommen muß.Der autor bejubelt, daß die EZB "Geld in die Märkte pumpt". Das ganze ist lediglich ein sondergewinn für die bankeigner- bezahlt wird er über höhere Inflation von allen. Wir sind so miserabel hier, wenn ein steinchen im finanzdschungel abbricht, dann fällt das ganze Kartenhaus zusammen. aber klar doch, was für eine heldentat, Geld in die märkte zu "pumpen". Warum wird den Leuten nicht gleichzeitig gesagt, daß die Inflation so bewußt hochgetrieben wird- die banken profitieren davon, die sparer bezahlen es. Deutschland ist die wachstumslokomotive- wie kann man nur das weihnachtsgeschäft als Zeichen sehen, nach einer delle gehe das jubelwachstum weiter ? Der langandauernde Abschwung ist vorgezeichnet, und die konsumlaune der ach so kauffreudigen deutschen, wird im nächsten Jahr ganz rasch sinken. Ach und was die Wirtschaft gelernt hat ! Die wirtschaft kann gelernt haben soviel sie will, der welthandel stagniert. Nun kann man zum wiederholten male behaupten, deutschland werde fröhlich weiter wachsen, wenn der Abschwung praktisch in vielen Regionen schon eingesetzt hat. Daß dies allenfalls eine Selbstbeschwichtigung ist, haben wir schon oft gesehen. Wir werden in der kommenden Rezession mehr als 5% verlieren- insofern wird es anders sein als vor drei Jahren, was aber keineswegs der untergang ist. Wir können eine rezession aushalten. Und wenn die Renditchen ein wenig sinken, dann bedeutet dies nicht den Untergang des abendlandes.

Peer

22.12.2011, 08:56 Uhr

Warum soll Deutschland, als Drahtzieher dieser Krise, sich denn selbst in Gefahr bringen ?

Deutschland ist der Gewinner dieser Krise und wenn man einfach einmal 2-3 Schritte zurück geht und betrachtet diese Bewegung aus einer sicheren Entfernung sieht man doch, warum Deutschland diese Krise initiieren musste.

Fast alle €-Staaten stehen mehr oder weniger auf der Schuldnerliste der Deutschen. Und ganz besonders die Dolce-Vita Staaten wissen sehr wohl, von wessen GNADEN sie am Leben erhalten werden.

Konkret muss man sich nur mal vorstellen, was passiert, wenn Deutschland den Geldhahn zudreht. Gerade die Dolce-Vita Staaten müssten offen den Staatsbankrot anmelden. Und selbst die CITY kann eigentlich dicht machen, wenn Deutschland die Transaktionssteuer durchzieht. Eigentlich sind wir jetzt endlich so weit, dass die EU endlich das macht was sinnvoll ist (als was Deutschland vorgibt)

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