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12.07.2012

07:27 Uhr

Kommentar

Die Credit Suisse und ihr Mantel des Schweigens

VonHolger Alich

Hausdurchsuchungen bei den Kunden der Credit Suisse – und die Bank will damit nichts zu tun haben. So einfach geht das nicht. Offenbar machen die Schweizer immer noch gern Geschäfte mit unversteuerten Geldern.

Ein Schild vor der Zentrale der Credit Suisse in Zurich. AFP

Ein Schild vor der Zentrale der Credit Suisse in Zurich.

Versicherungskunden der Credit Suisse droht ein heißer Sommer. Eine große Zahl von ihnen hat versucht, den Fiskus mit Scheinpolicen, sogenannten Versicherungsmänteln, auszutricksen. Und die Bank tut jetzt so, als ginge sie die Serie der Hausdurchsuchungen bei ihren Kunden nichts an. Credit Suisse sei nicht Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens, heißt es.

Handelsblatt-Redakteur Holger Alich in Zürich (im Hintergrund das Zürcher Stadthaus). Heike Grasser für Handelsblatt

Handelsblatt-Redakteur Holger Alich in Zürich (im Hintergrund das Zürcher Stadthaus).

Und die Berater würden ständig ihre Kunden darauf aufmerksam machen, selbst für die Erfüllung ihrer Steuerpflicht verantwortlich zu sein. Die Bank argumentiert damit streng legalistisch. Das ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar, denn sie will sich nicht als Helfer der Steuertrickser auf der Anklagebank sehen. Der neue Skandal hat aber nicht nur eine rechtliche Dimension. Er weckt vielmehr neue Zweifel daran, wie ernst es dem Schweizer Finanzsektor mit seinen Beteuerungen ist, mit unversteuerten Geldern keine Geschäfte mehr zu machen.

Credit Suisse hat hierbei immer für sich in Anspruch genommen, den Kulturwandel konsequent zu leben. Bermuda-Policen passen dabei aber nicht so recht ins Bild. Das Problem betrifft dabei sicher nicht nur Credit Suisse, denn Versicherungsmäntel hat der gesamte Finanzsektor im Angebot. Da die Policen länger laufen als die Verjährungsfrist für Steuerdelikte, waren oder sind sie ein beliebtes Vehikel, um aus unversteuertem Geld Weißgeld zu machen.

Die Frage ist daher erlaubt, inwieweit ein Anbieter zumindest moralisch eine Mitverantwortung trägt, wenn er Produkte verkauft, die zum Missbrauch einladen. Credit Suisse selbst waren die fraglichen Bermuda-Policen offenbar selbst nicht ganz geheuer: Die Bank nahm sie 2009 aus dem Angebot, als die Debatte über steuerkonformes Verhalten schon längst entbrannt war. Die Errichtung eines sauberen Finanzplatzes gelingt nur, wenn sich die Einstellung in den Köpfen der Banker und Berater ändert.

Dieser Prozess ist schmerzlich. Denn in der Vergangenheit waren die Kunden mit undeklarierten Vermögen die angenehmsten. Hohe Anforderungen an die Rendite stellten sie nicht, zudem waren sie vergleichsweise treu. Der Renditekick kam über die Steuerersparnis. Und für die Banken war das Geschäft hochprofitabel. Hier schlummern noch einige deutsche Altlasten in den Schweizer Tresoren. Die Bundesregierung schätzt das Volumen der nicht versteuerten Gelder auf 80 Milliarden Euro.

Deutsche Steuersünder hoffen genauso wie die Schweizer Finanzbranche auf die Ratifizierung des überfälligen Steuerabkommens zwischen beiden Ländern, mit dem auch das Problem der unversteuerten Altfälle bereinigt werden soll.

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Der Datensatz deutscher Credit Suisse-Kunden mit zweifelhaften Versicherungspolicen wird dem Bund wohl Millionen einbringen. Die Finanzbehörden hat er keinen Cent gekostet. Grund: Ein folgenschweres Missverständnis.

Doch der Skandal um die (Versicherungs-)Mäntel des Schweigens droht diese Hoffnung zunichte zu machen: Das Abkommen enthält Amnestiebestimmungen, an der sich der rot-grün dominierte deutsche Bundesrat ohnehin schon störte. Diese Vorbehalte dürften im Licht der neuen Vorkommnisse kaum geringer geworden sein. Der Autor ist Korrespondent in Zürich. Sie erreichen ihn unter: alich@handelsblatt.com.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

12.07.2012, 07:51 Uhr

"Offenbar machen die Schweizer immer noch gern Geschäfte mit unversteuerten Geldern. "

Es gibt in der Schweiz keinen Steuerbetrug und wer sein Geld in die Schweiz bringt der wird dort vor Ort mit den Gesetzen behandelt die dort gelten...oder hackt man in Deutschland demnächst einem Dieb aus irgendwelchen arabischen Staaten die HAnd auch ab wenn er gestohlen hat weils in seinem HErkunftsland auch so ist???

Es kommt mir stark so vor als wolle man die Aufmerksamkeit der Bürger mit aller Gewalt von dem ablenken was momentan wirklich am brennen ist, nämlich die Regierung in D, die ihre Bürger belügt betrügt und gnadenlos abzockt und nebenbei einen Bruch nach dem anderen begeht.

Account gelöscht!

12.07.2012, 08:05 Uhr

Das alles ist ein Ablenkungsmanöver von dem was wirklich los ist: http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/stefan-homburg-im-focus-online-interview-der-esm-fuehrt-deutschland-in-den-schuldenabgrund_aid_779938.html

chris

12.07.2012, 09:28 Uhr

Nur weil das Verhalten der schweizer Banken dort recht ist, heißt es noch lange nicht, dass es auch richtig ist:

Man könnte beispielsweise in Deutschland den Verkauf von in der Schweiz gestohlenen Autos zukünftig unter Straffreiheit stellen. Dann müssten schweizer Autodiebe diese Autos nur über die Grenze bringen - wie die Steuerhinterzieher früher das Schwarzgeld in die Schweiz. Und alle Käufer, die sich bewusst die günstigen (da gestohlenen) schweizer Autos in Deutschland kaufen, könnten ihre Hände in Unschuld waschen und sich ebenso wie die Schweizer Banken auf Recht und Ordnung berufen.

Wären die schweizer Banken seriös, dann hätte man dort schon früher die Gesetze der Nachbarländer respektiert und eine Lösung gefunden, bei der nur die Einheimischen von der anderen Rechtsauffassung der Schweiz profitiert hätten... und eben nicht Menschen, die noch nie schweizer Boden betreten haben.

Tatsächlich aber waren viele Schweizer Banken bis dato eher das, was so manche Coffee Shops (in Bezug auf den Cannabis-Konsum) in Holland waren: Sie hatten weniger die Einheimischen als vielmehr Touristen als Zielgruppe. Sie haben bewusst die gesetzlichen Regeln des eigenen Landes mißbraucht, um daraus Kapital zu schlagen.

Wie dreist es ist, sich auf eine besondere schweizer Rechtsauffassung zu berufen, aber gleichzeitig fast ausschließlich Ausländer als Zielgruppe anzupeilen, muss man wohl niemandem erklären - das ist offensichtlich.

Tatsache ist, dass hinterzogene Steuern - neben der Verschwendung durch die Politik - in vielen Ländern zur aktuellen Krise einen großen Beitrag geleistet haben.

Wer hier Steuerhinterziehung noch als Kavaliersdelikt sieht, hat nicht erkannt, was die Stunde geschlagen hat.

Leider haben die Griechen mangels effektiver Verwaltungsorgane gar keine Chance an gut verstecktes Schwarzgeld und damit die hinterzogenen Steuern zu kommen, die sie nun dringend benötigen würden

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