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10.04.2006

13:58 Uhr

Wenn es einen Preis für das unattrakivste politische Spitzenamt Deutschlands gäbe, dann würde die SPD ihn gewinnen. Die Sozialdemokraten verschleißen ihre Vorsitzenden in immer kürzeren Abständen. Matthias Platzeck ist der nunmehr dritte SPD-Chef, der seiner Partei die Brocken nach kurzer Zeit vor die Füße wirft. Der Brandenburger hielt den Stress an der Parteispitze gesundheitlich nicht durch. Zuvor hatte Franz Müntefering nach ebenfalls sehr kurzer Amtszeit wegen des ständigen Kleinkriegs mit der Parteilinken entnervt aufgegeben. Müntefering wiederum hatte das Amt von Gerd Schröder übernommen, der wegen der parteinternen Querelen um die Reform-Agenda 2010 kapituliert hatte.

Die diversen Führungskrisen der SPD spiegeln eine tiefe Verunsicherung der Partei wider: Die Genossen kommen mit der Krise des Sozialstaates nach wie vor nicht zu Recht. Sie haben immer noch keine programmatische Antwort gefunden auf die ökonomischen Folgen von Globalisierung und Geburtenrückgang. Große Teile der SPD-Basis sehnen sich zurück nach dem längst untergegangenen kuscheligen Wirtschaftswunderland.

Zugleich müssen sozialdemokratische Regierungsmitglieder aber die unbequeme Realität managen. Dauerhaft erfolgreich kann nur der SPD-Chef sein, der diese Schere zwischen sozialer Nostalgie einerseits und ökonomischem Pragmatismus andererseits zu schließen versteht.

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