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11.04.2012

06:40 Uhr

Kommentar

Die Gewerkschaften gefährden den Arbeitsmarkt

VonDietrich Creutzburg

Dass die Gewerkschaften quer durch Branchen und Regionen höhere Abschlüsse verlangen, ist ihr gutes Recht. Problematisch für die Wirtschaft wird es dann, wenn Beschäftigungsgarantien zur Debatte stehen. Ein Kommentar.

Pablo Castagnola

Die deutsche Industrie ist nicht so leicht kaputtzukriegen. Und ihr Schicksal hängt zurzeit wohl sogar mehr von der chinesischen Konjunktur ab als von der deutschen Lohnpolitik im Jahr 2012. Das enthebt die IG Metall allerdings nicht ihrer Verantwortung. So wie es in der Politik sogenannte Richtungswahlen gibt, geht es in der Metall- und Elektroindustrie in diesem Jahr gewissermaßen um eine Richtungs-Tarifrunde.

Auf die akute Ausnahmesituation der Wirtschaftskrise haben IG Metall und Arbeitgeber vor zwei Jahren mit einem beachtlichen Gemeinsinn reagiert, der ihnen viel Respekt eintrug. Umso mehr geht es jetzt nicht nur darum, wie ein Lohnabschluss kurzfristig die Kostenrechnung von Auto- und Maschinenbauern verändert. Diese Tarifrunde ist der erste echte Gradmesser dafür, welchen Kurs das System der deutschen Arbeitsbeziehungen nach der Krise nimmt.

Die Antwort auf diese Frage ist auch nach mittlerweile vier Wochen Metall-Tarifverhandlungen noch nicht so recht erkennbar. Im Vordergrund geht wieder routinemäßig um Prozente - im aktuellen Fall darüber, inwieweit die Lohnforderung von 6,5 Prozent ins Konjunkturbild passt. Brisanter ist die zweite Ebene dahinter: ein neuer, alter Richtungsstreit über die Funktion von Tarifpolitik schlechthin.

In den vergangenen zehn Jahren war Metall-Tarifpolitik vor allem so etwas wie Flexibilitätsmanagement: Das Bedürfnis der Betriebe, im Wettbewerb schnell zu disponieren, wurde in tarifliche Regelwerke mit vielen betrieblichen Differenzierungsklauseln umgesetzt. Das Prinzip: mehr Flexibilität im Tausch gegen mehr Mitsprache der Betriebsräte und ordentliche Lohnzuwächse. Dass die Betriebe weitere Flexibilitätspuffer wie Outsourcing und Zeitarbeit in der Hinterhand hatten, rundete dieses ökonomisch erfolgreiche Arrangement zunächst nur ab.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

11.04.2012, 08:06 Uhr

Wenn die Gewerkschaften endlich mal was gegen die Sklavenhändler tun, müßte man ja direkt in den verein eintreten. Dieses Vorgehen ist nur zu unterstützen.

Wenn 1Mio Arbeitssklaven wieder eine ordentlich bezahlte Arbeit haben ist dies nur gutzuheisen. Es gibt keinen Grund den Sklavenhaltern das Geld zukommen zu lassen.

Die Nachfrage durch diese 1Mio. dann nicht mehr prekär Beschäftigten wäre nicht zu unterschätzen. Abgesehen von den Einnahmen für Sozial- und Steuersysteme.
Die Sklavenhalter zahlen eh weinig bis keine Steuern, dieser Verlust wäre zu verschmerzen.

GegenAlles

11.04.2012, 10:12 Uhr

@ ihr
Ja genau, die Arbeitgeber gehören alle in den Knast gesteckt diese Unmenschen. Die Gewerkschaften hierzulande haben sowieso nix drauf.

Immer auf Griechenland schimpfen dabei können sich unsere Gewerkschaften mal ein Beispiel am real existierenden Kommunismus bei den griechischen Gewerkschaften nehmen:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/korruptionsskandal-das-suesse-leben-griechischer-gewerkschafter/6492054.html

Wird Zeit den Spieß umzudrehen. Warum zahlen nicht mal die Arbeitnehmern den Arbeitgebern den Lohn? Warum sollen immer nur die Arbeitgeber in den Genuss hoher Steuersätze kommen, wenn die die sowieso gar nicht zahlen wollen? Die Arbeitnehmer haben auch ein Recht darauf mal den Spitzensteuersatz zu zahlen.

Und immer diese "Verhandlungen": Hose runter, Schwaxx Vergleich, da wollen wir doch mal sehen, wer hier am längeren Hebel sitzt!? So macht man dass nämlich als Mann!

trottellumme

11.04.2012, 10:15 Uhr

Die Ueberschrift ist wirklich polemisch ueberzogen. Ich darf daran erinnern, dass Kollektivverträge zwei PArteien haben, und nicht nur eine: nämlich ein Arbeitgeber, der unterzeichnet und damit sein Einverstaendnis nach gemeinsamen Verhandlungen erklaert. Wenn es die Gewerkschaften nicht gaebe, haetten wir wohl jetzt nur noc 400 EUR Kraefte, denn die Wirtschaft arbeitet nicht (mehr) gemeinwohlorientiert. Gewerkschaften stellen da das einzige Korrektiv dar, denn vom Gesetzgeber ist ja nichts zu erwarten.Zum Thema Zeitarbeit: Das Problem besteht darin, dass dieser Sektor nicht organisiert ist, so dass auch nicht zum Schutze des AN verhandelt werden kann. Der Gesetzgeber hat die Luecke erkannt und deswegen fuer diesen Sektor einen Mindestlohn eingefuehrt.

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