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18.05.2012

14:35 Uhr

Kommentar

Die Kanzlerin ist wieder auf Kurs

VonMichael Inacker

Angela Merkel hatte keine andere Wahl: Hätte sie ihrem Umweltminister nicht den Laufpass gegeben, hätte ihre Kanzlerschaft gelitten. Union, FDP und die Opposition haben es nun mit einer anderen Merkel zu tun.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

In 90 Sekunden hat sich die politische Welt in Berlin geändert. 90 Sekunden brauchte Angela Merkel, um zu dokumentieren, wer die Chefin im Ring ist und welche Ausrichtung ihre Partei haben soll. In einer schneidend kurzen Erklärung, die einer öffentlichen Hinrichtung gleichkam, hat sie Umweltminister Norbert Röttgen aus dem Amt geworfen und ihren Vertrauten Peter Altmaier zum Nachfolger gekürt.

Damit hat sich Merkel nach einer kritischen Phase ihrer Kanzlerschaft wieder stabilisiert. Die Art und Weise der Demission ihres einstigen Lieblings („Muttis Klügster“) zeigt jedoch, dass es hier nicht nur um einen an seiner eigenen Eitelkeit gescheiterten Politiker ging - für Merkel stand mehr auf dem Spiel. In den Iden des Mais wurde ihre Kanzlerschaft auf eine heftige Probe gestellt. Wenn sie jetzt nicht gehandelt hätte, wären in Regierung und Partei die Dinge aus dem Ruder gelaufen.

Außen- und innenpolitisch sind in den vergangenen Tagen Entwicklungen zusammengekommen, die zu erheblichem Druck geführt haben: In Europa drohte eine Revolte gegen die von einigen Ländern zunehmend als deutsche Hegemonie empfundene Europapolitik. Die Wahl des Sozialisten Hollande zum neuen französischen Staatspräsidenten wird von Merkels Gegenkräften in Europa und von der deutschen Sozialdemokratie als Signal für eine Umkehr gesehen. Sie witterten Morgenluft. Zugleich hat das Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen die Union in Selbstzweifel gestürzt. Erstmals nach elf Niederlagen bei Landtagswahlen in Folge richteten sich die kritischen Blicke auf Merkel selbst. Ihr Kurs einer Sozialdemokratisierung und Vergrünung der CDU wurde für die Niederlage mitverantwortlich gemacht.

Es ist erstaunlich, wie die Kanzlerin es immer wieder schafft, negative Entwicklungen in positive Energie umzuwandeln. Das war schon 2002 so, als sie absehbar nicht Kanzlerkandidatin der CDU/CSU werden konnte - und dem bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber den Vortritt ließ. Was zunächst als Schwäche galt, wurde später zur Stärke. Es sind diese gewonnenen Niederlagen, die das Besondere ihrer Person ausmachen. So hat sie am Dienstagabend den renitenten Hollande in Berlin erst einmal elegant abgefedert. Dessen Forderungen nach Wachstum gehen jetzt in ein geordnetes Verfahren der typischen EU-Gipfeldiplomatie und werden am Ende vermutlich so passend gemacht, dass Merkel und Hollande damit leben können.

Kommentare (10)

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azaziel

18.05.2012, 15:39 Uhr

Was fuer eine Fehleinschaetzung Herr Inacker! Seehofer hat Wind gemacht und Merkel umgeblasen. Fuer die schlechte Energiepolitik ist Merkel ganz allein verantwortlich. Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg war eine eine chaotische Fehleinschaetzung unserer Moeglichkeiten und verursacht Energiechaos. Auch Altmeier wird es nicht mehr richten. Merkel hat kein Konzept! Fuer nichts ein Konzept, auf keinem Fachgebiet wird erkennbar, was diese Frau will. Vom Sozialismus und vom Kapitalismus das jeweils Beste? Fuer jeden ein bischen? „Negative Entwicklungen in positive Energie umwandeln“, also Herr Inacker, da hebts mich ja aus den Socken. Mir kommt es vor wie in den letzten Stunden im Fuehrerbunker, als der Fuehrer Divisionen an die Front schickte, die es lange nicht mehr gab, nicht mal auf dem Papier. Und auch er hat wild um sich gebissen und seine Vertrauten gefeuert. Endzeit! Vielleicht wacht endlich mal einer in der CDU auf und feuert Merkel.

Account gelöscht!

18.05.2012, 17:34 Uhr

@azaziel

Respekt, Ihre Einschätzung kommt der Realität sehr nahe. Der Herr Inacker befremdet mich doch sehr.

jawohl

18.05.2012, 18:34 Uhr

Endschi Du hast es richtig gemacht. Röttgen war genau wie Wulff ein Blender. Wie war das? Ja, er war auch ein Blender. Dieser Mann gehörte und gehört nicht in eine verantwortliche Position. Es ist so. Er ist kalt wie ein Eisberg. Ich weiß garnicht wo er seine Promotion gemacht hat. Vielleicht sollte man auch hier einmal nachsehen. In NRW hat er einen Flopp gelandet. Er mußt nach Hause geschickt werden. Und dann ist Frau Kraft mit Herzenswärme auf die Menschen losgegangen. Anstatt das Gleiche zu tun, hat er eine Distanz zum Wähler aufgebaut. Das haben die Menschen gespürt und haben gehandelt. So einfach ist das.

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