Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2012

12:25 Uhr

Kommentar

Die Krisengipfel sind trotz allem erfolgreich

VonDirk Heilmann

Das Vorgehen der Staatschefs in der Euro-Krise hat gezeigt, dass viele faule Kompromisse geschlossen wurden, die anschließend zerredet wurden. Viele Fehler wurden gemacht, doch manchmal gibt es keine sauberen Lösungen.

Handelsblatt-Chefökonom Dirk Hinrich Heilmann. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Chefökonom Dirk Hinrich Heilmann.

Stell dir vor, es ist Krisengipfel, und keiner schaut hin. Einmal mehr versammeln sich heute Europas Führer zu Verhandlungen zur Rettung des Euros. Einmal mehr werden faule Kompromisse herauskommen, die von Analysten, Ökonomen und Politikern erst erleichtert begrüßt und dann binnen weniger Tage zerredet werden. Einmal mehr wird die Bundesregierung Positionen geräumt haben, die sie vorab zu verteidigen versprochen hatte. Immer gelangweilter und verständnisloser nimmt das Volk die Bemühungen seiner Vertreter zur Kenntnis.

Dieses Schauspiel ist alles andere als schön. Aber es ist trotz allem erfolgreich. Es ist ein Erfolg, dass es die Währungsunion noch in der gleichen Zusammensetzung gibt wie vor zwei Jahren, dass von europäischem Boden nicht das oft beschworene „Lehman 2“ ausgegangen ist, dass noch kein Staat und keine Großbank wegen der Staatsschuldenkrise pleitegegangen ist.

Die Führer der Euro-Zone und die Europäische Zentralbank haben überdies auch Fortschritte auf dem Weg zu einer besseren Währungsunion eingeleitet. Die Haushaltskonsolidierung und der Abbau der Zahlungsbilanzdefizite in den schwachen Euro-Staaten läuft. Strukturelle Reformen haben begonnen. Die Sanierung der europäischen Banken macht ebenfalls Fortschritte. Erfreulich ist vor allem, dass es Schritt für Schritt gelingt, die Konstruktionsfehler der Währungsunion zu reparieren und eine belastbare fiskalische Säule aufzustellen. Heute wird sich zeigen, wie weit sich die Bundesregierung am Ende mit ihren Forderungen zum Fiskalpakt durchsetzen konnte.

Das alles ist zäh vorangegangen, und Europas Führer haben dabei kaum einen Fehler ausgelassen, der sich unterwegs anbot. Aber wer vor zwei Jahren auch nur annähernd vorausgesagt hat, wie sich diese Krise entwickeln würde, der möge sich bitte melden. Europa hat die Eigenheit, erst in allerletzter Minute das Nötige zu tun. Aber es geschieht. Die Finanzmärkte sind daher inzwischen zu der Einschätzung gekommen, dass das Glas halb voll ist.

Auch in den USA beginnt man das zu erkennen. So schrieb der ehemalige US-Finanzstaatssekretär Fred Bergsten jetzt in einem Beitrag auf der Ökonomenplattform VoxEU, man müsse die europäischen Staatenlenker daran messen, was sie täten, und nicht daran, was sie sagten. Gerade die Deutschen könnten nicht sagen, was sie tun wollten, wenn sie nicht den Reformdruck von den Euro-Partnern nehmen wollten.

Damit trifft er den Nagel auf den Kopf: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble müssen als Spielverderber auftreten, damit die Währungsunion 2.0 so „deutsch“ wie irgend möglich wird. Wenn sie dann wieder pragmatisch nachgeben, sieht das für den Steuerzahler so aus, als ob sie immer wieder ihre Versprechen brächen.

Ob sich der heutige, wenig geradlinige Kurs auszahlt, werden wir wohl erst in zehn Jahren wissen. Aber wenn saubere Lösungen für die Krise nicht möglich sind, dann ist eine schmutzige Lösung eben auch eine Lösung.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.01.2012, 12:35 Uhr

Allein schon dieser Satz:
"Dieses Schauspiel ist alles andere als schön. Aber es ist trotz allem erfolgreich. Es ist ein Erfolg, dass es die Währungsunion noch in der gleichen Zusammensetzung gibt wie vor zwei Jahren"
...lässt mich laut lachen, die Hände überm Kopf zusammenschlagen und ganz laut die Frage stellen, ob manche Leute wirklich noch alle Tassen im Schrank haben, schlicht voll mit Drogen sind oder ob sie ein Paket mit Geldscheinen geschenkt bekamen um solchen Mist zu verzapfen!

denk.mal

30.01.2012, 12:46 Uhr

Sehr geehrter Herr Heilmann,

bezüglich Ihrer Wette: Auf welchen Aspekt des Krisenverlaufs beziehen Sie sich? Mit fallen ein Think Tank und ein Analyst ein, die sich bewerben könnten.

Ich kann Ihnen nicht zustimmen, dass Europa erst in allerletzter Minute das Nötige unternehme. Oft genug wird zu spät das Unvermeidbare getan. Da sehe ich einen Unterschied.

Aber ganz ernst scheinen Sie Ihren Beitrag ja selbst nicht zu nehmen, wenn Sie einerseits eine Bewertung des bisherigen Weges abliefern und andererseits die Auffassung vertreten, eine Bewertung könne erst in zehn Jahren stattfinden.

ZK-Agent

30.01.2012, 12:58 Uhr

Gar nichts ist erfolgreich, Herr Heilmann. Wie können Sie nur so erbärmliche Durchhalteparolen verbreiten? Sie haben wohl bei Goebbels gelernt. Oder waren Assistent der "Akutellen Kamera". Oder bei Sudel-Ede in der Ausbildung. Ich finde das einfach nur widerlich. Schlimmer kann man nicht tricksen und täuschen. Es sind platte Lügen. Denn der kleine Mann wird alles bezahlen, dieses "politische Projekt". Vor allem in Deutschland. Aber der kleine Mann ist zu doof zu kapieren, woran er ist. Er ist so blöd und vertraut noch den Sozis und den Gewerkschaften. Das ist das Perfideste überhaupt.
Aber Herr Heilmann, dass Sie keine Ekelpickel kriegen ob Ihres Geschreibsels zeigt die Gnadenlosigkeit der propagandistischen Unterstützer der machtgeilen politischen Klasse und der Banken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×