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14.01.2012

11:32 Uhr

Kommentar

Die Macht der Ratingagenturen schwindet

VonFrank Wiebe

Die Auswirkungen der Herabstufung von Frankreich und acht weiteren Euro-Ländern dürften sich in Grenzen halten. Wahrscheinlich hat die Macht der gefürchteten Ratingagenturen ihren Höhepunkt bereits überschritten.

Frank Wiebe

Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Die Herabstufung von Frankreich durch die Ratingagentur S&P ist für Europa nicht ungefährlich. Gerade haben schwache Länder wie Italien und Spanien wieder etwas mehr Vertrauen bei den Investoren gefunden, da kommt so eine schlechte Nachricht dazwischen. Aber der Effekt dürfte begrenzt bleiben. Wahrscheinlich hat die gefürchtete Macht der Ratingagenturen ihren Höhepunkt schon überschritten.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Denn Märkte und Politiker haben sich daran gewöhnt, sich selbst ein Urteil zu bilden, zumal gerade in der Euro-Krise die Agenturen ja auch unterschiedlich agieren. Außerdem kommt S&P in zweifacher Hinsicht zu spät, und das wird auch an den Märkten so wahrgenommen. Denn es hat sich längst ein Renditeunterschied zwischen Deutschland und Frankreich herausgebildet, der schon zwei verschiedene Bonitätsklassen markiert hat - lange vor der Ratingherabsetzung. Zum zweiten aber machen die Europäer ja gerade zaghafte Fortschritte bei der Bewältigung der Krise, was von den Märkten durchaus honoriert wird. Man hat also nicht den Eindruck, dass S&P den Märkten die Richtung weist, sondern ihnen bestenfalls hinterherläuft.

Was ist nun mit Deutschland? Bisher scheint unser Rating ungefährdet zu sein, aber das muss ja nicht immer so bleiben, wenn sich über immer größere Rettungskonstruktionen das Volumen der Bürgschaften für schwache Euro-Staaten immer weiter erhöht. Die Frage ist allerdings, ob eine Ratingherabstufung für Deutschland viel ändern würde. Schließlich haben die Investoren nur wenig Alternativen. Wer eine möglichst sichere Anlage sucht, der kann nur das wählen, was vergleichsweise am sichersten ist. Daran ändert auch eine Ratingnote nichts. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass die Macht der Agenturen schwindet.

Die Bonitätsprüfer von S&P hatten die Noten für langfristige Anleihen von gleich neun Euroländern herabgesetzt. Frankreich und Österreich verloren ihre Bestnote AAA, wurden um eine Stufe auf AA+ gesenkt. Auch das Rating für die Bonität Italiens und Spaniens verschlechterte sich. Die Schuldverschreibungen von Portugal rutschten auf Ramschniveau. Betroffen von einer Herabstufung waren auch Malta, die Slowakei und Slowenien. Deutschland behielt hingegen seine Spitzenbewertung.

Kommentare (104)

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Account gelöscht!

14.01.2012, 12:11 Uhr

Überschrift eines Artikels im britischen "ECONOMIST" vom 7. Jan. 2012: 'Substandard & Poor'

Noname

14.01.2012, 12:14 Uhr

Dachschaden :-)

Schach

14.01.2012, 12:19 Uhr

Wer sagt ihnen denn, dass die Ratingagenturen nicht als Steigbügelhalter des Neuen Deutschen Nationalstaates dienen? Die Banken besitzen zwar das Geld, aber nicht den Geist.

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