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21.08.2014

11:43 Uhr

Kommentar

Die Salamitaktik von Air Berlin

VonLisa Hegemann

Es wird weitersaniert: Air Berlin will mal wieder sparen und eine Trendwende herbeiführen. Doch mit ihrer scheibchenweisen Umstrukturierung tut sich die kriselnde Airline keinen Gefallen.

Ein neuer Anstrich? Air Berlin will sich mal wieder sanieren. Das hat wenig Aussicht auf Erfolg. dpa

Ein neuer Anstrich? Air Berlin will sich mal wieder sanieren. Das hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Über ihr Sparprogramm informiert Air Berlin in etwa so genau wie über Termine. Angekündigt war die Bekanntgabe der Zahlen für das zweite Quartal für Donnerstag. Wer genauer nachfragte, bekam aus der Pressestelle die Information, dass die Zahlen zum zweiten Quartal morgens bekanntgegeben würden. Und wer noch genauer nachfragte, dem wurde gesagt, dass sie „bis spätestens acht Uhr“ veröffentlicht würden. Tatsächlich wurde die Mail mit der Pressemitteilung am Mittwochabend versendet – taktisch klug, weil die meisten Zeitungen da schon im Druck sind.

Neu ist dieses Vorgehen bei der kriselnden Fluggesellschaft nicht. Die Bekanntgabe der Quartalszahlen war auf der Webseite schon einmal anders datiert – ursprünglich war bereits der 14. August anvisiert. Den Termin für die Bilanzpressekonferenz ließ Air Berlin im Frühjahr sogar zwei Mal verstreichen, bevor die Airline die Zahlen am Abend vor dem dritten Termin herausgab.

Mit derselben Salamitaktik veröffentlicht Air Berlin nun auch ihren Sanierungsplan: Stück für Stück. Konzernchef Wolfgang Prock-Schauer will sich künftig auf die größten Märkte konzentrieren; Flotte, Sitzplätze und Crew-Standorte sollen reduziert werden. Die komplette „neue Strategie“ will der Air-Berlin-Chef allerdings erst im September vorlegen.

Stück für Stück ist auch das Motto der Sanierung, mit der sich Air Berlin verschlankt. Denn so ganz trennen will sich das Unternehmen von einem seiner Geschäftsbereiche nicht. Zwar will man sich auf die Kurzstrecke konzentrieren, vereinzelt aber auch noch Langstrecke anbieten. Fünf Crew-Standorte sollen wegfallen, die betroffenen Flughäfen aber weiter angeflogen werden. Das alles erfolgt in enger Abstimmung mit Geldgeber Etihad. Wie eng das Verhältnis zu deren neuester Beteiligung Alitalia sein wird, ist noch nicht ganz klar.

Deutlich wird jedoch das alte Problem von Air Berlin: Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hat zu wenig Mut, einen klaren Schnitt zu machen. Immerhin will Prock-Schauer nun unrentable Bereiche auflösen. Doch was das konkret heißen soll, das sagt er nicht.

Die Quartalszahlen für April bis Juni bringen wenigstens etwas Hoffnung mit sich. Die Airline hat überraschend ihren Umsatz gesteigert und den Verlust verringert. Das ist ein Anfang.

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