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23.01.2007

15:19 Uhr

Kommentar

Die saubere GEZ

VonHans-Peter Siebenhaar

Das gibt mindestens einen Wagen beim Umzug im Kölner Karneval. Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) von ARD und ZDF steht unter Korruptionsverdacht – mal wieder. Von schlechtem Gewissen aber keine Spur.

Angestellte der Kölner Institution sollen sich mit Besuchen in Bordellen, in Luxusrestaurants und bei Formel 1-Rennen bestechen haben lassen. Auch Bargeld sei offenbar geflossen, berichteten die Ermittler am Dienstag nach ihrer Razzia bei der GEZ.

Ein schlechtes Gewissen gibt es bei der GEZ offenbar nicht. Außer einer einsilbigen Erklärung herrschte in Köln das große Schweigen. Dabei ist die GEZ ein wahrer Meister für Ehrlichkeit bei anderen zu werben. Die GEZ-Fahnder kennen in ihren Fernseh- und Kinospots keine Gnade, wenn es darum geht, Schwarzsehern auf die Schliche zu kommen.

Jetzt ist die Gebühreneinzugszentrale selbst zum Ziel der Fahnder geworden. Wie groß der angebliche Millionenschaden tatsächlich ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Doch eines steht fest: der Imageschaden für die GEZ ist unübersehbar. Selbst in der ARD mehren sich die Stimmen, welche die umstrittene GEZ mit ihrer Gerätegebühr für ein Auslaufmodell halten. Der jetzige Skandal kommt daher für die GEZ zu einer Unzeit.

Die Selbstgerechtigkeit der die Beinahe-Behörde hat offenbar verhindert, mögliche Gauner in den eigenen Reihen zu entlarven. Denn es ist nicht der erste Korruptionsskandal bei der GEZ. Bereits in den neunziger Jahren ermittelte der Staatsanwaltschaft gegen mehr als ein dutzend Verdächtige, die durch Preisabsprachen einen Millionenschaden angerichtet haben sollen. Zuletzt gerieten die GEZ-Saubermänner wegen Verschwendung ins Visier des Rechnungshofes. ARD und ZDF sind daher gut beraten, ihren Geldbeschaffern künftig genau auf die Finger zu gucken. Die derzeitige laxe Kontrolle reicht nicht aus.

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