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24.11.2013

13:10 Uhr

Kommentar

Die Schweizer Gehälterbegrenzung ist nur vertagt

VonHolger Alich

Das Votum ist ganz nach dem Geschmack der Schweizer Wirtschaft. Bei der Volksabstimmung über die Lohnbegrenzungs-Initiative 1:12 zeichnet sich eine deutliche Ablehnung ab. Ist das Thema damit vom Tisch? Sicher nicht.

Klarheit geschaffen: Die Schweizer stimmten heute über eine Begrenzung der Managergehälter ab. dpa

Klarheit geschaffen: Die Schweizer stimmten heute über eine Begrenzung der Managergehälter ab.

ZürichEin wichtiger Grund für die heftige Niederlage dürfte in dem Abstimmungszeitpunkt zu sehen sein. Denn im November herrscht an der Gehaltsfront Ruhe - die Topgehälter und die Boni-Pakete werden im Frühjahr im Zuge der Geschäftsberichtssaison erst publik. Hätte die Abstimmung im Mai statt gefunden, so hätte die Initianten von der neuerlichen Aufregung um Boni-Pakete und Top-Saläre profitieren können.

Dieser Effekt war ganz deutlich im Mai bei der Abzocker-Initiatve zu beobachten. Ohne das Bekanntwerden des 72-Millionen-Abschiedspaket für Daniel Vasella und die damit verbundende Entrüstung wäre die Initiative wohl kaum mit einer klaren zwei Drittel angenommen worden. Die Abzocker-Intiative stärkt die Aktionäre, diese müssen nun zwingend die Gehaltspakete absegnen.

Holger Alich

Holger Alich ist Handelsblatt-Korrespondent in Zürich.

Das Votum zeigt aber auch: die Schweizer bleiben skeptisch vor Staatsdirigismus. Und genau das hätte die 1:12 Initiative gebracht, einen staatlich verordneten Lohndeckel. Die Schweizer vertrauen weiterhin der Marktwirtschaft - auch in Gehaltsfragen. Noch.

Denn das Votum darf nicht dahin gehend missverstanden werden, dass die Schweizer in Sachen Manager-Löhne mit der Lage einverstanden sind. Eine kleine Zahl an internationalen Top-Managern entfernt sich immer mehr als vom als gesunden Maß verstandenen Gehaltsgefüge. Selbst politisch neutrale Studien zeigen, dass gerade in den Großkonzernen die Lohnungleichheit zugenommen hat. 

Es muss sich erst zeigen, dass mehr Transparenz und mehr Aktionärsrechte, die die Abzocker-Initiative bringt, diesen Trend stoppen kann. Sollte das nicht der Fall sein, dürfte die Lancierung der nächsten Volksinitiative in Sachen Manager-Gehälter nicht lange auf sich warten lassen.

Kommentare (9)

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Hinsehen

25.11.2013, 08:54 Uhr

Herr Alich scheint in einer anderen Schweiz zu leben als der, von der er berichtet.
An diesem Sonntag fanden drei Volksabstimmungen statt, die alle drei mit einem satten "Nein" beantwortet wurden. In allen drei Fällen ging es in den Initiativen um "mehr Staat" oder die Beibehaltung des bisherigen Status Quo.

Die 1:12-Iniative ist mit Bomben und Granaten durchgefallen, bemerkenswert ist lediglich das knappe Ergebnis in den Kantonen Tessin und Jura.
Ansonsten war - bei einer hohen Stimmbeteiligung, von der deutsche Urnengänge nur träumen können - das NEIN zu dieser Initiative so überdeutlich, dass die Berichterstattung von Herrn Alich und die Versuche, doch noch einen Erfolg der Initiative hinein zu deuteln, Bände spricht.
So einfach also kann man Meinung zur Medienwirklichkeit machen.

Am vergangenen Wochenende hat sich wieder einmal bestätigt, was die Schweiz hat, das Deutschland nicht hat.
Im übrigen bin ich sicher, dass diese Initiative 1:1 in Deutschland mit berauschender (und berauschter) Mehrheit mit Ja angenommen worden wäre.

Account gelöscht!

25.11.2013, 09:04 Uhr

Dam kann ich nur zustimmen. Es istfür mich befremdlich, dass so jemand Korrespondent einer Wirtschaftszeitung ist.
War für mich aber auch wieder ein Anzeichen für die permanente Linksbewegung des HB.

Account gelöscht!

25.11.2013, 09:15 Uhr

Wozu braucht die Schweiz eine Lohnbegrenzung?
Sowas braucht man nur wenn einige wenige sich die Taschen vollschlagen können, und der Rest sich abspeisen nd in eine Konsumherde einpferchen läßt.

Wie war das mit Gysi? Ich bin dieses Duckmäusertum sowas leid!
Kann ich nur unterschreiben, und das nicht nur bezogen auf eine USA.

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