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17.04.2012

13:12 Uhr

Kommentar

Die „Sportschau“-Entscheidung ist ein Fehler

VonThorsten Giersch

Seit Jahrzehnten können die deutschen Fußballfans die Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen samstags am frühen Abend sehen. Dass es auch ab 2013 dabei bleibt, könnte sich als schwerer Fehler erweisen.

Thorsten Giersch, Ressortleiter Unternehmen und Märkte bei Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Thorsten Giersch, Ressortleiter Unternehmen und Märkte bei Handelsblatt Online.

Keine Frage, die „Sportschau“ der ARD ist eine Institution. Viele Fußballfreunde haben sich sehr daran gewöhnt, die Berichte über die Spiele der Fußball-Bundesliga samstags ab 18.30 im frei empfangbaren Fernsehen zu schauen. Und viele werden es schön finden, dass es auch von 2013 bis 2017 so weitergeht. Das hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) heute beschlossen.
Doch Gewohnheiten, selbst wenn man sie Tradition nennt, ändern sich. Es war vor der heutigen Vergabe schon nicht mehr tragbar, dass der Gebührenzahler für die Sportschau 100 Millionen Euro pro Saison hinblättern muss. Noch ist unklar, wie viel es ab 2013 genau sein wird. Vermutlich sehr viel mehr.

Zudem haben sich die Zeiten geändert – die Alternativen, also vor allem die Internet-Übertragung, sind zu gut, als dass sich diese Wahnsinnssumme im Sinne aller Zuschauer noch rechnet. Was sich im Wesentlichen geändert hat ist die Rolle des Internetfernsehens. Es geht vor allem um die Frage, ob die ersten, zeitnahen Zusammenfassungen nicht mehr im Free-TV laufen sollen, sondern im Internet. Die exklusiven Live-Rechte dürften beim Bezahlfernsehen bleiben, also vermutlich Sky Deutschland.

Die größten Sportligen der Welt (Ranking nach Umsatz)

1. National Football League (NFL)

Gesamtumsatz: 6,7 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 32

Umsatz pro Team: 208,61 Millionen Euro (1. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 67.400 (1. Platz in dieser Kategorie)

Quelle: Deloitte

2. Major League Baseball (MLB)

Gesamtumsatz: 5,0 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 30

Umsatz pro Team: 167,49 Millionen Euro (2. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 30.400 (4. Platz in dieser Kategorie)

3. National Basketball Association (NBA)

Gesamtumsatz: 3,1 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 30

Umsatz pro Team: 102,88 Millionen Euro (4. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 17.300 (5. Platz in dieser Kategorie)

4. Premier League

Gesamtumsatz: 2,7 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 20

Umsatz pro Team: 137,10 Millionen Euro (3. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 35.400 (3. Platz in dieser Kategorie)

5. National Hockey League (NHL)

Gesamtumsatz: 2,1 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 30

Umsatz pro Team: 69,39 Millionen Euro (6. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 17.100 (6. Platz in dieser Kategorie)

6. Fußball-Bundesliga

Gesamtumsatz: 1,7 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 18

Umsatz pro Team: 92,44 Millionen Euro (5. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 42.000 (2. Platz in dieser Kategorie)


Auch wenn das Wort „Tradition“ sehr oft in Zusammenhang mit Fußball fällt: Die Mediengewohnheiten der Menschen haben sich rasant geändert – und das macht vor der schönsten Nebensache der Welt keinen Halt. Eine Veränderung weg von der Sportschau hin zum Internet durfte kein Tabu sein. Entscheidend hätte allein sollen, wer das bessere Angebot macht. Doch allem Anschein nach spielten noch andere Faktoren eine Rolle. Viele davon haben offenbar mit anachronistischen Denkweisen zu tun.

Andere Länder wie Spanien und Italien haben längst bewiesen, dass Fußball keine Free-TV-Berichterstattung braucht, wie sie in Deutschland noch üblich ist. Und erst recht müssen keine 100 Millionen Euro plus x dafür ausgegeben werden. Das ZDF zahlt bereits eine Unsumme für die Liverechte an der Champions League. Kleinere Sportarten wie die Leichtathletik leiden darunter erheblich, denn selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

Kommentare (6)

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Heinrich71J

17.04.2012, 14:02 Uhr

Lieber Herr Giersch,
Ihr Beitrag weist insgesamt große Unkenntnis aus. Um in der Fußballersprache zu bleiben: Sie erreichen nicht einmal Kreisliganiveau.
1. Haben Sie einmal addiert welche Jahresbeträge bei den
zahlreichen Quizshows der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten zusammenkommen? Und bitte, nehmen Sie dabei
die Regionalsendeanstalten nicht aus. Da werden Sie leicht die 100 Mio-Grenze überschreiten.
2. Vergleichen Sie bitte die Einschaltqouten der Sportschau und der Quizsendungen.
3. Das ZDF hat noch zu keiner Zeit Champignonsspiele übertragen; ergo können auch keine Zahlungen anfallen.
4. Nicht jeder Bundesbürger verfügt über einen Internetanschluß. Gerade für ältere Fußballfans ist die Fernsehübertragung die einzige Möglichkeit Spielberichte zu sehen. Nach Ihrer Meinung nach könnten die ja von ihrer Rente ein Sky-Abo zahlen!!??

Also, mein lieber Herr Giersch, beim nächsten Kommentar
1. besser recherchieren,
2. bevor Sie einen Artikel veröffentlichen noch einmal eine Nacht drüber schlafen.

BluS

17.04.2012, 14:07 Uhr

GEZ halbieren. Und Schrittweise abschaffen. Ich schaue zwar gerne Sportschau, aber ob die Gesellschaft diese Ausgaben weiterhin so toleriert sollte dem Markt überlassen werden. Jedenfall eher, wie jede Quersubventionen von "Nichtfußball-Fans" über Gebühreneinzugszentralen.

AllesQuatsch

17.04.2012, 14:11 Uhr

zu 3. hätte ich eine kleine Nachbesserung: Das ZDF hat schon die Übertragungsrechte für die CL, und zwar für kommende Spielzeiten. Das finde ich nicht nachvollziehbar, denn hier gehen die meisten Mio. Gebührengelder flöten für ein paar wenige CL-Spiele, die auch nicht groß mit Werbung gegenfinanziert werden können.

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