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09.09.2012

12:15 Uhr

Kommentar

Die Strombranche gehört verstaatlicht!

VonDieter Fockenbrock

Der Strommarkt wird nach und nach ausgehebelt. Alles was an staatlichen Eingriffen noch hinzukommen könnte, würde das System nur noch verschlimmern. Konsequent wäre nun nur die Verstaatlichung der ganzen Branche.

Dieter Fockenbrock, Chefkorrespondent Unternehmen & Märkte. Pablo Castagnola

Dieter Fockenbrock, Chefkorrespondent Unternehmen & Märkte.

Dies, um es gleich vorwegzunehmen, ist ein Plädoyer für die Verstaatlichung der Stromindustrie. Es ist zwar nicht meine wirkliche Meinung, schon gar nicht mein heimlicher Wunsch nach dem starken Staat. Es ist nur eine logische Ableitung. So wie bisher geht es jedenfalls nicht weiter.

Beginnen wir mit der von Rot-Grün vor gut einem Jahrzehnt eingeleiteten Energiewende. Seitdem werden Sonne und Wind durch eine Umlage auf den Strompreis gefördert. Anfangs waren es noch bescheidene Mittel, die zwischen Stromkunden und den Betreibern regenerativer Kraftwerke verschoben wurden. Inzwischen reden wir über 20 Milliarden Euro, die jährlich parallel zum Staatshaushalt fließen und die deshalb auch nicht Subvention heißen. Was sie natürlich sind. Tendenz steigend.

Allein die Größenordnung ist aber nicht entscheidend, sondern die Tatsache, dass inzwischen 25 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen stammen. Kurzum: Ein Viertel des Marktes findet heute außerhalb des Wettbewerbs statt. Wind- und Sonnenstrom hat eine Abnahmegarantie. In wenigen Jahren sollen es schon 35 Prozent sein. Der Markt wird nach und nach ausgehebelt.

Zweiter großer Einschnitt war der Atomausstieg durch Schwarz-Gelb vor zwei Jahren. Seitdem wird der Ausbau der Windkraft forciert vorangetrieben - mit gigantischen Kraftwerken vor der Küste. Was fehlt, sind die Leitungen, um den Strom zu den Verbrauchern im Süden des Landes zu transportieren. Die Investitionsrisiken sind den Netzbetreibern zu hoch, weil technisches Neuland betreten wird.

Also entschied das Kartell aus Staat, Windparkinvestoren und Netzbetreibern kurzerhand, das Risiko auf Dritte abzuwälzen. Das ist der Stromverbraucher. Der muss künftig dafür haften, wenn bei den Windparks auf hoher See etwas schiefgeht. Den Unternehmen sind jegliche unternehmerische Risiken abgenommen. Der Kunde zahlt.

Kommentare (16)

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Wilhelm

09.09.2012, 12:29 Uhr

Der Inhalt des Artikels ist weder neu, noch unbekannt. Aber deutsche Medien beteiligen sich doch wesentlich lieber, weil beeinflußt, am Sturz und Denunzieren von Politikern.

Account gelöscht!

09.09.2012, 12:46 Uhr

Also mir war der Aspekt als treuer Leser des HB noch unbekannt. Danke für den Artikel. Ich hasse Verstaatlichungen, aber hier muss man darüber nachdenken

bobi

09.09.2012, 12:48 Uhr

Das sehe ich auch so.

Ausserdem ist die Anzahl von "Atomkraft Nein Danke" Aufkläber auf der Strasse nicht weniger geworden. Die privaten Verbraucher werden gern die Risiken tragen.

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