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29.02.2012

22:03 Uhr

Kommentar

Die USA läuten das pazifische Zeitalter ein

VonRüdiger Scheidges

Längst ist Asien wichtigster Handelspartner der USA. Jetzt wollen die Amerikaner auch eine strategische Vormachtstellung im Pazifikraum und bauen ihre Militärpräsenz aus. Europa hat diese Entwicklung bisher verschlafen.

Sojabohnen-Fabrik in Ohio: Die USA sind längst ein wirtschaftlicher, aber auch ein ethnischer Pazifikstaat. ap

Sojabohnen-Fabrik in Ohio: Die USA sind längst ein wirtschaftlicher, aber auch ein ethnischer Pazifikstaat.

BerlinChina feiert 2012 das Jahr des Drachen. In der chinesischen Mythologie existieren zwei Arten von Drachen: die Wasserdrachen und die Feuerdrachen. Der gefährlichere Wasserdrache schlägt seit einiger Zeit mit den Flügeln, die chinesische Marine lehrt die Nachbarn das Fürchten und ruft die ordnende Supermacht USA auf den Plan. Das kommt nicht von ungefähr: Welthandel und Militärstrategie sehen den Aufstieg Chinas aus einer doppelten Perspektive: Gut, wenn auch nicht immer fair, ist Chinas Teilhabe an der Weltwirtschaft. Schlecht die Verführung durch die eigene Stärke. Die Amerikaner haben diesen Zusammenhang als Erste entdeckt und rufen das pazifische Zeitalter aus. Europa treibt zwar auch kräftig Handel, ist aber auf dem politischen Ohr taub.

Die Angst vor Feuer wächst in der Region. Die Verbündeten Amerikas im asiatisch pazifischen Raum sind zunehmend besorgt über Chinas gesteigerte Territorialansprüche im ost- und südchinesischen Meer. Pekings Nachbarn heißen Washingtons neues Engagement deshalb höchst willkommen.

Präsident Obamas neue Diplomatie folgt indes auch den ökonomischen Gegebenheiten. Seit bereits 35 Jahren (!) hat Asien Europa als wichtigster Handelspartner der USA überholt. Heute ist das Handelsvolumen zwischen Amerika und den asiatischen Staaten - allen voran China und Japan - doppelt so hoch wie das mit Europa. Trotz des gigantischen Handelsbilanzdefizits der USA (2010: 273 Milliarden Dollar) ist Asien der wichtigste Exportmarkt der USA.

Nicht nur die knappen Staatskassen zwingen die Supermacht USA zu neuen Prioritäten und ihrem Strategiewechsel „Go East“. Es ist vor allem die globale Machtverschiebung - vom Atlantik zum Pazifik -, denen die Strategen in Washington nun auch öffentlich Rechnung tragen. Für die USA ist entscheidend, dass sie sich in Asien der nach dem Weltkrieg gemachten Lehren erinnern: verlässliche Beziehungen zu bipolarem Nutzen knüpfen, berechenbare Abhängigkeiten eingehen in strategischer und militärischer Hinsicht sowie eine möglichst tiefe Anerkennung der USA als Schutzmacht.

Kommentare (1)

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Einanderer

01.03.2012, 15:14 Uhr

"sowie eine möglichst tiefe Anerkennung der USA als Schutzmacht" - Schutzmacht wovor? Vor den Chinesen? So wird das aber nix...

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