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14.10.2013

08:26 Uhr

Kommentar

Die verrückten Rettungsversuche der Italiener

VonKatharina Kort

Offiziell ist Poste Italiane ein Unternehmen, das bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia einsteigt. De facto ist es aber der Steuerzahler, der Alitalia rettet, denn Poste Italiane ist ein reiner Staatsbetrieb.

Kurzfristig ist mit dem Einstieg der Stillstand der Alitalia-Flugzeuge abgewendet. Reuters

Kurzfristig ist mit dem Einstieg der Stillstand der Alitalia-Flugzeuge abgewendet.

Erst die Staatsbahn, dann die Post. Die Italiener lassen derzeit ihre Kreativität spielen bei der Rettung von Alitalia. Nachdem aus der absurden Rettung der maroden Fluggesellschaft durch die Schiene nichts geworden ist, muss jetzt Poste Italiane dran.

Offiziell ist es ein Unternehmen, das bei Alitalia einsteigt. Aber de facto ist es der Steuerzahler. Poste Italiane gehört ebenso wie Ferrovie dello Stato, die italienische Eisenbahngesellschaft, zu 100 Prozent dem italienischen Staat. Beides sind Unternehmen, die in der Vergangenheit enorme Verluste schrieben, aber nicht zuletzt auch dank fähiger Manager heute dreistellige Millionenbeträge an Rom abliefern.

Die 75 Millionen Euro, die Poste Italiane nun bei Alitalia investiert, schlagen sich also demnächst in niedrigeren Gewinnen und damit in geringeren Dividenden für den Staat nieder. Weniger Einnahmen, die der Steuerzahler wieder füllen muss.

Handelsblatt-Korrespondentin Katharina Kort. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Korrespondentin Katharina Kort.

Es ist schon erstaunlich, was der italienische Staat für ein Händchen dafür hat, sich Verlustbringer ans Bein zu binden und profitable Unternehmen ziehen zu lassen.

Zumindest übernimmt Poste Italiane nicht das ganze Unternehmen , sondern nur eine kleine Beteiligung. Außerdem machen auch privaten Investoren bei der Kapitalerhöhung mit und auch die Banken garantieren Kreditlinien. Langfristig erschließt sich das Engagement der Poste Italiane, die eigentlich erfolgreich auf Mobilfunk und Digitalisierung setzt, nicht. Vielleicht will Poste Italiane ja einen reinen Cargo-Flieger aus Alitalia machen ? Dann müssen nur die Flugbegleiter demnächst Pakete schleppen und das ist mi den Gewerkschaften kaum zu schaffen.

Kurzfristig ist mit dem Einstieg aber der Stillstand der Flugzeuge abgewendet. Der Ölkonzern Eni hatte schließlich schon damit gedroht, die Kerosinlieferungen an diesem Wochenende einzustellen. A propos Eni: Die gehören auch noch zu rund einem Drittel dem italienischen Staat. Vielleicht sind die als nächste Retter dran?

Kommentare (1)

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dereinzigwahrerechner

15.10.2013, 20:05 Uhr

"Nehmen wir mal an, die Dinge schlecht laufen, und Italien ist in Schwierigkeiten"

Die Finanzbomben sind jetzt alle scharf...

.....how does Italy get out of the Euro system? It no longer has a lira after whatever it is – 2000 or 2001 – so it"s a very big gamble. I wish the Euro area well; it will be in the self-interest of Australia and the United States that the Euro area be successful. But I"m very much concerned that there"s a lot of uncertainty in prospect.

wie kommt Italien raus aus dem Euro-System? Es hat nicht mehr eine Lira nach was auch immer es ist - 2000 oder 2001 - so ist es ein sehr großes Risiko. Ich wünsche der Eurozone alles gute, es wird in dem Eigeninteresse von Australien und den Vereinigten Staaten sein, dass die Euro-Zone erfolgreich zu sein. Aber ich bin sehr besorgt, dass es eine Menge Unsicherheit in Aussicht.

Das war vor einiger Zeit und nun kommen wir zum heutigen Stand:



Die italienische Depression

Italien ist das größte Risiko in der Euro-Krise. Die Sparpolitik zeigt erste Erfolge, hat die Wirtschaft aber abgewürgt. Sogar der IWF sieht kaum Wachstumsperspektiven.

Erfreuliches gibt es auch von der Leistungsbilanz zu berichten; jahrelang im Minus, wird sie im Jahr 2013 ausgeglichen, im Jahr 2014 wohl leicht im Plus sein. Im Export sowohl von Gütern als auch von Dienstleistungen erwirtschaftet Italien, immerhin zweitstärkstes Industrieland der EU, mittlerweile kräftige Überschüsse.

Keine Erholung in Sicht

Dennoch will in Italien einfach keine Euphorie aufkommen, und selbst wenn die Regierung verkündet, 2014 werde das Land wieder ein, wenn auch sehr bescheidenes Wachstum erleben, ist von Wendestimmung nichts zu spüren. Denn allzu deutlich ist: Die Konsolidierung ist eine Konsolidierung nach unten, ohne das sich Perspektiven neuer Prosperität eröffneten. Zwei volle Jahre harter Rezession hat das Land hinter sich; 2012 sank das BIP um 2,4 Prozent, und dieses Jahr wird es noch einmal um etwa zwei Prozent nach unten gehen.


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