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15.12.2011

10:44 Uhr

Kommentar

Die verwirrte Partei

VonGabor Steingart

Der Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner erschüttert die FDP. Zurück bleibt eine Partei, die das Land schon deshalb nicht führen kann, weil sie nach sich selbst sucht. Ein Nachruf auf die Regierungspartei FDP

Gabor Steingart  Andreas Fechner für Handelsblatt

Der Autor

Gabor Steingart ist der Herausgeber des Handelsblatts.

Den Rücktritt von FDP-Chef Philipp Rösler braucht man nicht zu fordern. Der kommt so sicher wie Heiligabend.

Der junge Mann hat sich verhoben. Er ist nicht der, als der er sich ausgibt. Schon die drei Titel, die er trägt – Parteivorsitzender, Wirtschaftsminister und Vizekanzler –, muss man eigentlich, wie früher das Wort „DDR“, in Anführungszeichen schreiben.

Rösler führt die FDP nicht, und er ist nicht der erste Mann hinter der Kanzlerin. Er ist bestenfalls ein Vizekanzler im Praktikum, nett, höflich, fähig zu lernen und auch fähig zur Selbstironie, aber eben nicht befähigt zu führen. Nie war die FDP so harmlos wie heute.

Rösler hat sich in eine Rolle bugsieren lassen, für die ihm nun der Text fehlt. So steht er vor uns auf dem Marktplatz der Politik, sein Hofstaat redet ihm zwar weiter ein, das majestätische Gewand würde ihm ganz vorzüglich stehen. Dabei sieht es doch jedes Kind: Dieser FDP-Kaiser steht nackt da. Seine Reden sind begründungsleer, seine Überzeugungen weitgehend simuliert. Schwerkraft kann man nicht lernen.

Das Verdienst der Entzauberung gebührt dem zurückgetretenen Generalsekretär Christian Lindner. Seine Tat war nichts Geringeres als ein Anschlag auf die liberale Selbstmaskerade der vergangenen Monate. Er machte sichtbar, dass da nichts zu sehen ist. Spitzbübisch, wie er ist, sprach Lindner gestern von einer „neuen Dynamik“, die er mit seinem Schritt ermöglichen wolle.

Kommentare (21)

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Citoyen

15.12.2011, 11:06 Uhr

Der Liberalismus war seinen selbsternannten Vertreten vermutlich schon bereits seit Längerem aus den Augen geraten. Ein Blick auf die Nachkriegsgeschichte der Republik zeigt, daß es die FDP gegenwärtig mit einem ganzen Strauß von Problemen zu tun hat, die sich im Laufe der Jahre angehäuft haben und, so ganz nebenbei, beim Run um die Macht entstanden sind.
Es ist ein Jammer, daß eine wichtige politische Kraft sich dermaßen selbst Schachmatt gesetzt hat.

Wenn man sich jedoch zum Ziel gesetzt hat als Zünglein an der Waage politisches Geschehen zu begleiten, dann kann es kaum Wunder nehmen, was aus dieser ehemaligen politischen Partei geworden ist.

Krawumm

15.12.2011, 11:12 Uhr

Bravo - genau so ist es - Rösler als *Kaiser ohne Kleider* und man weiß nicht recht ob man weinen oder lachen soll ob dieser Farce die die FDP da aufführt. Der einzig fähige Mann geht von Bord - wenn man von einigen Altkadern mal absieht.

Account gelöscht!

15.12.2011, 11:21 Uhr

Das zeigt doch auch die Führungslosigkeit von Frau Merkel, wie kann man diesen Praktikanten zum 'Vizekanzler' machen... wenn man sich vorstellt dieser fall würde eintreffen ???

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