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31.01.2012

12:52 Uhr

Kommentar

Drei Millionen Arbeitslose sind keine Katastrophe

VonDietrich Creutzburg

Die aktuelle Arbeitsmarktbilanz ist nur auf den ersten Eindruck enttäuschend. Tatsächlich sind die Zahlen erfreulich gut. Vor allem zwei wichtige Werte sind beeindruckend.

Dietrich Creutzburg

Der Autor ist Korrespondent in Berlin.

BerlinAuf den ersten Blick hält die aktuelle Arbeitsmarktbilanz gleich zwei große Enttäuschungen bereit: Die Zahl der Arbeitslosen ist zum ersten Mal seit einem Dreivierteljahr wieder über die Schwelle von drei Millionen angestiegen. Und damit nicht genug: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnisse ist nach ersten Hochrechnungen wieder unter die Schwelle von 29 Millionen gesunken.

Für ein realistisches Lagebild taugen solche Symbolmarken allerdings nur sehr bedingt. Der Januar ist im Saisonverlauf des Jahres stets der ungünstigste Monat für den Arbeitsmarkt. Die Winterflaute ist diesmal allerdings milder ausgefallen als üblich. Das hat mit dem - bis vor wenigen Tagen - milden Wetter zu tun, von dem typische Außenberufe wie Bauarbeiten profitierten. Das zeigt aber auch, dass die konjunkturelle Flaute bisher keine ernsten Spuren im Beschäftigungssektor hinterlässt. Bei den Unternehmen dominiert offenkundig die Erwartung, dass es bald wieder aufwärts geht.

Zwei weitere Zahlen vom Arbeitsmarkt sprechen für sich: Im Januar 2012 waren fast 265.000 Menschen weniger arbeitslos als ein Jahr zuvor. Und noch eindrucksvoller: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen ist binnen Jahresfrist sogar um mehr als 700.000 angestiegen. Das zeigt, wie groß der Personalbedarf der Wirtschaft tatsächlich ist.

Es zeigt nebenbei aber auch, dass der Jobaufschwung nicht etwa eins zu eins die Arbeitslosigkeit verringert. Das lässt sich teilweise damit erklären, das ältere Arbeitnehmer bereits länger im Job bleiben statt in Frührente zu wechseln, was ein dritter Grund zur Zuversicht ist. Es sollte aber auch eine Mahnung sein: Arbeitslose mit geringer Qualifikation und anderen Vermittlungshemmnissen werden es auch künftig nicht leicht haben, vom Jobaufschwung zu profitieren.

Mehr Menschen arbeitslos

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Umso mehr Vorsicht ist angebracht, wenn nun von dem näher rückenden Bundestagswahlkampf das politische Bedürfnis wächst, mit Mindestlöhnen, Einschränkung der Zeitarbeit und anderen Arbeitsmarktregulierungen beim Wahlvolk Punkte zu sammeln. Nebenbei: Wenn Deutschland von seinen Euro-Nachbarn jetzt aus gutem Grund Reformen im Sinne wirtschaftlicher Dynamik verlangt, dann sollte es mit solcher Regulierungspolitik am Arbeitsmarkt nicht seine eigene Glaubwürdigkeit untergraben.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

31.01.2012, 13:32 Uhr

Jaja der Endsieg ist nahe, ich weiss und niemand hatte vor eine Mauer zu errichten. Unfug im TV, Brot und Spiele für das dumme Volk, Wirtschaftsboom, Beschäftigungsboom usw. und wenn man sich umhört oder auf die Strasse geht, wird einem schlecht. DDR reif ist das hier...

Was soll diese BEhauptung mit den 3 Millionen. Listet doch mal auf wieviele MEnschen nicht mehr ohne Stütze leben können weil das Geld der Arbeit nicht mehr reicht bzw. wieviele Menschen auf staatliche Hilfe angewiesen sind... da sind wir locker bei 8 Millionen.

ggf_nur

31.01.2012, 13:43 Uhr

Für jeden einzelnen dieser Arbeitslosen, und wir reden hier von offiziell gemachten Zahlenwerken, dürfte Arbeitslosigkeit gerade in Zeiten des Wirtschaftsbooms eine mittlere bis schwerere Katastrophe sein.

holla

31.01.2012, 13:47 Uhr

Nach einer vorläufigen Hochrechnung erhielten im Dezember 2011 5.154.000 erwerbsfähige Menschen Lohnersatzleistungen nach dem SGB III oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts für Arbeit-suchende nach dem SGB II. Die Zahl der Leistungsempfänger ist damit im Vorjahresvergleich um 346.000 oder gut 6 Prozent zurückgegangen

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