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06.08.2012

14:43 Uhr

Kommentar

Ein Aktionsbündnis mit Realitätsmangel

VonMichael Inacker

Sigmar Gabriel will die Reichen höher besteuern. Doch die Pläne seines Aktionsbündnis treffen stattdessen den deutschen Mittelstand, die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Die SPD schadet sich so nur selber.

Sigmar Gabriels SPD kann ohne den Mittelstand keine Wahl gewinnen. dapd

Sigmar Gabriels SPD kann ohne den Mittelstand keine Wahl gewinnen.

Es ist schade um Sigmar Gabriel. Da hat er mal eine gute Idee und einen guten Tag und kritisiert zu Recht die Banken für ihre Unfähigkeit zur Verantwortung. Und schon meint er, nachlegen und sich mit einem neuen „Aktionsbündnis" für eine umfassende neue Besteuerung der „Reichen" gemein machen zu müssen. Die Vorlage dieses Bündnisses aus Gewerkschaften, Sozialverbänden und Globalisierungsgegnern war offenbar so verführerisch, dass der SPD-Vorsitzende übersehen hat, dass der Ball nicht auf dem Elfmeterpunkt vor dem gegnerischen Tor der Regierungskoalition lag, sondern vor dem eigenen.

Und so trifft dieser Vorstoß auch einen großen Teil der eigenen sozialdemokratischen Klientel: jene Facharbeiter und Leistungsträger der Gesellschaft, die die Mittelschicht und damit den Stabilitätsanker unseres Landes ausmachen und die in früheren Jahren vielfach SPD gewählt haben.

Michael Inacker ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts. Privatfoto

Michael Inacker ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts.

Denn völlig unklar ist seitens des Aktionsbündnisses, wer eigentlich als „Reicher" gemeint ist. Zwar redet der Verdi-Chef Frank Bsirske davon, dass Deutschland ein „Steuerparadies" für Vermögende, Erben und Spekulanten sei, doch werden Zerrbilder durch Wiederholung nicht wahrer.

Wenn es nämlich um Vermögen (und nicht um jährliche Einkommen) ab 250.000 Euro geht, dann wären eben sehr schnell auch fleißige Hausbesitzer, Familien mit Immobilien und Sparguthaben sowie einer Lebensversicherung dem Zangengriff der neuen Umverteiler ausgesetzt.

Diese Gruppe der stillen Leistungsträger bezeichnete man einst auch als „Helmut-Schmidt-Wähler", und sie war das Fundament, auf dem die SPD erst solche Mehrheiten zusammenbringen konnte, die sie an die Regierung brachten. Mit Aktionsbündnissen gewinnt man jedenfalls keine Wahl.

Kommentare (11)

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Rechner

06.08.2012, 15:05 Uhr

O-Ton Gewerkschaftsbonze
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Zwar redet der Verdi-Chef Frank Bsirske davon, dass Deutschland ein „Steuerparadies" für Vermögende, Erben und Spekulanten sei, doch werden Zerrbilder durch Wiederholung nicht wahrer.
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Ein „Steuerparadies" mit 25% Abgeltungssteuer auf Wertpapiererträge - selten so gelacht.

Wer das nicht mag, der verlagert seine Wertpapiergeschäfte in eine irische Ltd. - Körperschaftssteuer 15%.

Oder, er verlegt seinen Wohnsitz nach Großbritannien und registriert sich als "non-domiciled". Dann sind die Steuer auf ausländische Einkünfte erst 'mal sieben Jahre lang NULL. Und dananach ein Pauschbetrag von 30.000 Pfund pro Jahr.

Oder man schließt ein Steuerabkommen mit den Schweeizer Behörden und unterwirft sich dort einer Pauschalsteuer.

Oder man ist wirklich reich und zieht nach Monaco um - Einkommenssteuersatz NULL.

Für nicht ganz so reiche gibt es aber selbst in der Slowakei oder Montenegro bessere Deals als in der BRD. Und da wird auch so genau nicht geguckt, wie viele Tage pro Jahr man sich tatsächlich im Land aufhält.

...

Und weil das alles so ist, kann man an ganz unvermuteten Orten (ohne Touristen) in Europa deutsche Zeitungen kaufen.

++++++++++++

Es wäre ein Novum, wenn Gewerkschaftsbonzen nicht realitätsblind wären.

die-neue-weltordnung

06.08.2012, 15:07 Uhr

das ist nicht einmal Opium für volk
das ist billiger Kutscher-Schluck für den Mopp aus der Gosse

[...].

Immer wieder ist es das selbe Muster und am Ende haben wir endlich chinesische, erfolgreiche Regierungsverhältnisse.

Also aufgepasst ihr Chaoten:
- 1. Mai Demo
- [...]
- Pisa-Penner, die nach 12 Schuljahren nicht einmal wissen, wie die Hauptstadt von Texas ist
- [...]

Wenn wir endlich chinesische Verhältnisse haben, ist es vorbei mit lustig

[+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]




Account gelöscht!

06.08.2012, 15:42 Uhr

Oh da ist das Gejammere groß! Sofort wird die Propagandamaschine in Gang gesetzt, um im Auftrag der Reichen deren Geld zu schützen!

Dabei hat das Aktionsbündniss volkommen recht: Ursache der permanenten Krisen ist die Öffnung der Vermögens- und Einkommensschere. Und jede Maßnahme diese Schere wieder zu schließen kann nur gut für die Wirtschaft sein!

Übrigens, die Gier der grenzenlose Gier der Reichen ist dafür verantwortlich, daß die Chinesen uns das know-how stehlen konnten!

Schaut man sich sie Vermögen der reichen und die Schulden der Staaten an, so kommt man sehr schnell drauf, wer die Schulden bezahlen muß.

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